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Animal Hoarding

Krankhafte Tiersammler

12.11.2009 | 12:58 Uhr

Hagen. Völlig erschöpfte Hunde liegen auf dem strohbedeckten Boden.

Mit leeren Blicken und gezeichnet von den Kämpfen im Rudel vegetieren sie vor sich hin. Einige Hunde laufen mit offenen Geschwüren umher. Bei einer Blitzaktion werden die 200 Husky- und Schäferhundmischlinge aus den Fängen ihres „Tiersammlers” befreit.

Den an der Räumung Beteiligten bietet sich ein grauenhaftes Bild: verwahrloste, tote und kranke Tiere, mehr als 30 Welpen müssen teilweise aus Erdlöchern geborgen werden. Das erschreckende Bild ist jedoch kein Einzelfall. Vor Monaten wurden 170 Hängebauchschweine aus einem „Gnadenhof” in Rheinland-Pfalz befreit. In einem 12 Quadratmeter-Zimmer in Berlin-Pankow wurden 2007 133 ausgehungerte Ratten, zwei Hunde und ein totes Meerschweinchen gefunden. Ordnungsamt und Tierschützer in Aachen fanden in einer verdreckten und verkoteten Zweizimmerwohnung 300 Meerschweinchen.

Beim Krankheitsbild des „Animal Hoarding” halten Menschen in großen Mengen Tiere, die sie aber nicht angemessen versorgen. „Es fehlt an Futter, Wasser, Hygiene, Pflege und tierärztlicher Betreuung. Die Halter erkennen nicht den schlechten Zustand der Tiere”, erklärt Marius Tünte vom Deutschen Tierschutzbund. In Deutschland ist die Krankheit noch wenig bekannt. Auch in den USA steckt die Forschung in den Anfängen. „Hierzulande beschäftigt man sich erst seit drei Jahren mit dem Phänomen des Animal Hoarding”, erklärt Diplom-Psychologe Werner Gross aus Offenbach. Er ist eigentlich Spezialist für das Messie-Syndrom, die Parallelen zu Animal Hoardern seien sehr auffällig. Es gebe sehr unterschiedliche Auslöser für die Krankheit. „Dramatische Situationen wie eine Trennung, Enttäuschungen, Einsamkeit, Alterserkrankungen oder der Arbeitsplatzverlust können Auslöser sein. Es ist wie der letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt.”

Hunde und Katzen sind am häufigsten betroffen. „76 Prozent der Horder sind weiblich, über 50 Prozent der Kranken über 46 Jahre alt”, sagt Tünte. Die Wohnungen sind mit Exkrementen verschmutzt, in einem Viertel der Fälle war sogar das Bett des „Animal Hoarders” mit Kot beschmutzt.

Die Tiersammler zeigen bis zum Schluss keine Einsicht. „Sie versuchen ihr Umfeld zu täuschen, verweigern allen anderen den Umgang mit ihren Tieren und lassen niemanden in ihre Wohnung”, macht Tünte deutlich. Sie würden immer noch glauben, die Tiere gut zu versorgen. „Animal Hoarder” lebten sehr zurückgezogen. Das soziale Netzwerk fehle.

Bei einer Verurteilung müsse laut Tünte das Tierhalteverbot ausgesprochen werden. Es gäbe viele Fälle, bei denen Betroffene binnen weniger Tage umziehen und wieder Tiere horten. US-Forscher sind sich einig, dass die Rückfallquote - ohne eine individuell angepasste psychologische Therapie - bei nahezu 100 Prozent liegt. Auch Psychologe Gross sieht eine Heilung als schwierig an: „Die Leute haben einen Tunnelblick, sie riechen nicht einmal den Gestank der Tiere. Die Heilung funktioniert nur mit den Betroffenen zusammen. In manchen Fällen kann die Therapie bis zu fünf Jahren dauern.”

Lena Siegel

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