Koalition plant Bahnbrechendes für den Fernbus
27.10.2009 | 19:01 Uhr 2009-10-27T19:01:00+0100
Hagen. Die neue Bundesregierung macht ihrem eigenen Staatsunternehmen Dampf. Schwarz-Gelb will den Fernbuslinienverkehr in Deutschland freigeben und sorgt damit nach Meinung von Beobachtern für direkte Konkurrenz für die Deutsche Bahn AG.
Schon machen die ersten nicht ganz ernst gemeinten Namens-Vorschläge für eine Buslinie quer durch die Republik die Runde: Wie wäre es typisch deutsch mit „Schäferhund?” Die Amerikaner haben ihren Überland-Bus schließlich „Greyhound” getauft. Im Ernst: Der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer (BDO) begrüßt die im Koalitionsvertrag festgeschriebenen Pläne. „Der Bus ist eine preiswerte Alternative”, sagt Sprecher Martin Kaßler. „Damit wäre sicher gestellt, dass die soziale Schere bei der Personenbeförderung nicht noch weiter auseinandergeht.”
Bisher verboten
Bislang verbietet das Personenbeförderungsgesetz hierzulande Fernbuslinien. Dass Bahn-Manager wegen einer Freigabe schlaflose Nächte haben müssten, findet Kaßler nicht. Fernbusse seien keine Konkurrenz. Es sind nach seiner Meinung nicht so sehr Bahnkunden, die auf den Bus umsteigen würden, sondern eher Pkw-Fahrer. Mit dieser Sichtweise hält der BDO-Sprecher auch Befürchtungen über noch mehr Staus und mehr Unfälle auf Autobahnen für unbegründet. Laut Statistischem Bundesamt sei der Bus das sicherste Verkehrsmittel. „Und wenn verstärkt Busse genutzt werden, fahren weniger Pkw auf den Fernstraßen. Das bedeutet: weniger Staus.”
Kaßler sieht in den Koalitionsplänen große Chancen für den Mittelstand - für Busunternehmen, die kooperieren. Angesichts des logistischen und finanziellen Aufwandes für Omnibus-Firmen sowie angesichts des zeitlichen Vorteils der Bahn auf längeren Strecken sind in seinen Augen Fahrzeiten bis 5 oder 6 Stunden für Bus-Unternehmer noch wirtschaftlich. Denkbar seien also Verbindungen wie München-Düsseldorf, Frankfurt-Berlin oder Hamburg-Dresden. Darüber hinaus könnten Mittelzentren verbunden werden - Busse dort eingesetzt werden, wo die Bahn ihr Angebot zurückfährt. Übrigens: Die Bahn ist nicht nur das größte Fernzugunternehmen in Deutschland, sondern auch das größte Busunternehmen.
Auch Preis ein Argument
Der BDO sieht auch im Preis ein Argument für das „erwiesenermaßen ökologischste Verkehrsmittel”. Ein Fahrschein für eine Fernbusfahrt könnte gegenüber einem Bahn-Ticket auf ICE-Strecken um 30 bis 40 % günstiger sein, rechnet Martin Kaßler vor. Also sieht der Sprecher insbesondere Menschen, die preisbewusst leben, die Zeit haben, Studenten, Senioren und Geschäftsleute, die dank großzügigerer Komforteinrichtungen im Bus „vergnügter” reisen wollen, als Zielgruppen des Fernbuslinienverkehrs.
Auch der ADAC steht den Fernbus-Plänen der Koalition „durchaus positiv” gegenüber. „Wir glauben, dass es für die Reisenden nur gut sein kann, wie die Bahn ihre Monopolstellung zugunsten von mehr Wettbewerb verliert”, sagt Sprecher Maximilian Maurer. Fernbusse könnten „unter Umständen” für Entlastung auf Bundesfernstraßen sorgen. Menschen, die aus prinzipiellen Erwägungen nicht Bahn fahren, könnten anstelle ihres Privat-Pkw die Alternative Bus wählen.

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