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Kinderpornografie

IT-Experten fordern mehr Ermittler

25.03.2009 | 18:15 Uhr
IT-Experten fordern mehr Ermittler

Bochum/Dresden. Andreas Pfitzmann, Professor für Datensicherheit an der TU Dresden urteilt hart über die Pläne des Bundesfamilienministeriums, Internetseiten mit kinderpornografischem Inhalt sperren zu lassen.

Die Bundesregierung will - so ein Kabinettsbeschluss - den Zugang zu Kinderpornografie im Internet erschweren. In einem ersten Schritt will das Familienministerium auf freiwilliger Basis Verträge mit Anbietern abschließen, um entsprechende Seiten aus dem Ausland zu sperren. 300 000 bis 450 000 Zugriffe pro Tag auf derartige Angebote sollen so blockiert werden „Das Geld, das die Provider dafür ausgeben müssen, könnte man sinnvoller für andere Maßnahmen einsetzen”, sagt Pfitzmann. Mehr Ermittler, härtes Durchgreifen bei Verdachtsmomenten, „und eine Stärkung der Jugendämter” wünscht sich der IT-Sicherheitsexperte.

Zu wenig Personal

Eine Haltung, die Bernd Carstensen vom Bund deutscher Kriminalbeamten, unterstützt. „Wir wollen hinter die Webseiten schauen, wollen herausfinden, wer Täter und wer Opfer ist”, sagt Carstensen. „Das Problem nur nicht mehr zu sehen, ist zu wenig.” Um die Opfer von Kinderpornografie zu schützen, müssten bundesweit mehr Ermittler eingesetzt werden, die „mit besseren technischen Möglichkeiten” ausgestattet sein müssten. „Es gibt Möglichkeiten der kriminalistischen Recherche im Internet”, so Carstensen. Doch dafür müssten Daten in Terrabyte-Größe verarbeitet werden, die anschließend von Kriminalisten ausgewertet werden. „In den Landeskriminalämtern gibt es aber nicht einmal spezielle Dienststellen für diesen Bereich, die Kollegen müssen sich noch mit vielen anderen Themen befassen.”

Kaum wirksamer Schutz

Von der technischen Seite aus betrachtet, bleibt der Vorstoß der Bundesregierung ein - O-Ton Ursula von der Leyen - „Signal zur gesellschaftlichen Ächtung von Kinderpornografie”. Und mehr nicht, sagen Experten. Denn „es werden lediglich die technischen Hürden ein wenig erhöht”, erklärt Christopher Wolf vom Bochumer Horst-Görtz-Institut für IT-Sicherheit. „Es wird dadurch nicht weniger Kinderpornografie im Netz geben.”

„Was man sperren will, muss man gesehen haben.” Andreas Pfitzmann

Komplette Server, auf denen auch kinderpornografische Seiten liegen, ließen sich in der Regel nicht abschalten, da dann auch andere Seiten betroffen werden. IT-Experte Pfitzmann erläutert, dass über Zwischenrechner im Ausland, alle Sperrungen umgangen werden könnten. Wolle man das Problem technisch lösen, ende man bei einem Überwachungsstaat, gegen den China noch harmlos sei.

Die Verbreitung kinderpornografischen Materials ist in europäischen und vielen anderen Staaten strafbar. „Es geht nun um Länder, in denen kein entsprechendes Rechtssystem existiert”, erklärt Pfitzmann. Dahin würden Anbieter und Nutzer ausweichen. Nun sollen die deutschen Provider verpflichtet werden, diese Zugänge zu sperren. Doch „was man sperren will, muss man gesehen haben”, sagt Pfitzmann. Da soll das Bundeskriminalamt Daten liefern.

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Von Susanne Schlenga

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