Islamunterricht ab 2010
01.07.2009 | 16:38 Uhr 2009-07-01T16:38:00+0200Düsseldorf. Als erstes Bundesland will NRW landesweit einen islamischen Religionsunterricht einführen. An ersten Schulen soll möglichst bereits nach den Sommerferien ein Schulversuch starten und die bisherige Islamkunde ablösen.
Integrationsminister Armin Laschet (CDU) plant den Islamunterricht als reguläres, versetzungsrelevantes Schulfach parallel zum katholischen und evangelischen Religionsunterricht. Der Islamunterricht soll in deutscher Sprache stattfinden und von Lehrer unter deutscher Schulaufsicht angeboten werden. Laschet will die 1986 als Schulversuch in 128 Schulen in NRW eingeführte Islamkunde im Rahmen des muttersprachlichen Unterrichts ablösen. Für die Einführung des islamischen Religionsunterrichts muss das Schulgesetz geändert werden.
Muslimischer Ansprechpartner gesucht
Laschet räumte allerdings ein, dass der Staat auf muslimischer Seite einen repräsentativen Ansprechpartner benötigt. Von den islamischen Verbänden fühlen sich aber nur ein Viertel der in Deutschland lebenden Muslime vertreten. Bisher gibt es keine islamische Religionsgemeinschaft. Laschet sucht deshalb einen Kompromiss, wonach auch solche Organisationen akzeptiert werden, „die keine Religionsgemeinschaften sind, aber für die religiöse Identität ihrer Mitglieder wesentliche Funktionen wahrnehmen”. Ein Problem stellt sich, weil bisher nicht genug muslimische Religionslehrer ausgebildet sind. In Köln und Duisburg hätten islamische Verbände einem Schulversuch ihre Unterstützung verwehrt, bestätigte Laschet.
Grünen-Expertin Andrea Asch warf dem Minister eine „Vorliebe für die schnelle Schlagzeile” vor. Auch wenn alle Fraktionen den Islamunterricht begrüßten, seien bisher viele Fragen offen. „Es ist ungeklärt, ob die muslimische Bevölkerung und die Verbände das Modell akzeptieren”, warnte Asch. In NRW leben 1,3 bis 1,5 Millionen Muslime.
