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Intensive Hilfe für 2000 Suchtkranke bei NRW-Polizei

05.11.2009 | 09:08 Uhr
Intensive Hilfe für 2000 Suchtkranke bei NRW-Polizei

Bocholt. Rund 2000 Beamte der 44.000 Polizisten in Nordrhein-Westfalen sind suchtkrank. Nach Jahren des totschweigens wird nun immer deutlicher, dass die Dauerbelastung aus Stress und extremen Situationen Polizisten zur Flasche, zu Tabletten oder Drogen greifen lässt.

Alkohol-, Tabletten-, Drogen- und Spielsucht - auch vor der Polizei machen diese Abhängigkeiten nicht halt. Rund 2000 Beamte der 44.000 Polizisten in Nordrhein-Westfalen sind suchtkrank. „Vielleicht sogar etwas mehr”, schätzt Polizeihauptkommissar Thomas Schaffeld aus Bocholt, Vorstandsmitglied der Bundesarbeitsgemeinschaft „Suchtberatung in der Polizei”. Denn gerade die Polizisten seien sehr starken Stress-Situationen ausgesetzt.

Korpsgeist

Trotzdem wurde bis zum Ende der 80er Jahre die Suchtproblematik bei der Polizei aus falsch verstandenem Korpsgeist totgeschwiegen. Wolfgang Klages von der BAG Suchtberatung: „Obwohl Sucht jeglicher Art in allen Bevölkerungsschichten und Berufssparten zu finden ist, suchte man ein offenes Wort zu Anhängigkeitserkrankungen und Hilfskonzepten in der Polizei lange Zeit vergeblich.”

Bundesarbeitsgemeinschaft

Das änderte sich 1990. Damals setzten sich Beamte, Suchtkrankenhelfer, Ärzte, Sozialbetreuer und Betroffene aus mehreren Bundesländern zusammen, um Grundlagen für die Betreuung suchtkranker Kollegen zu erarbeiten. Die Bundesarbeitgemeinschaft „Suchtberatung in der Polizei” wurde gegründet.

Problembewusstsein

Mit dem heimlichen Schluck aus der Flasche beginnt nicht selten das Unheil. Foto:ddp

Thomas Schaffeld: „Heute, knapp 20 Jahre später, ist das Problembewusstsein dank einer guter Informations-, Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit erheblich in der Polizei gewachsen.” Und Wolfgang Klages ergänzt: „Längst ist die BAG im Netzwerk bundesweiter Suchtprävention eingebettet und anerkannt.”

Soziale Ansprechpartner

Auch wenn es immer noch schwierig ist, den einzelnen Suchtkranken zu erkennen (Thomas Schaffeld: „Die Kollegen schauen geflissentlich weg, und die Kranken haben sich eine große Entschuldigungspalette zugelegt.”), ist es den 352 „Sozialen Ansprechpartnern” (SAP) in den NRW-Wachen gelungen, das Problemfeld Sucht in den Köpfen der Polizisten zu verankern.

Spitzenbelastungen

Immer deutlicher wird dabei, dass es neben den üblichen Stressfaktoren wie Überstunden und Schichtdienst auch einen Zusammenhang zwischen der beruflichen Spitzenbelastung von Einsatzkräften und der Entstehung von Sucht gibt.

Therapiegruppen

Die Polizei ist häufig Spitzenbelastungen ausgesetzt. Foto: Kristina Mader

Thomas Schaffeld: „Tödliche Verkehrsunfälle, Suizide, Schusswechsel, Schlägereien - das sind nur einige Extremsituationen, die traumatische Eindrücke hinterlassen.” Um diese eingebrannten Erinnerungen zu verwischen, greifen einige Beamte zur Flasche, zur Tablette, zur Droge oder werden spielsüchtig. Thomas Schaffeld: „Zum Glück gibt es spezielle Therapiegruppen, in denen sich Suchtkranke austauschen können.”

Lebenskrise

Auch wenn nicht jede Suchterkrankung ans Licht kommt, begrüßt Thomas Schaffeld das System der Sozialen Ansprechpartner. Dabei spiele die länderübergreifende Zusammenarbeit eine große Rolle. Nun sei es an allen Beteiligten, die Nuancen und Feinheiten zu verbessern, die helfen „die betroffenen Kollegen aus der scheinbar ausweglosen, machmal sogar existenz- und lebensbedrohenden Krise zu führen”.

Volker Dörken

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Kommentare
05.11.2009
15:23
Intensive Hilfe für 2000 Suchtkranke bei NRW-Polizei
von AliMomente | #4

Täglicher Speicheltest und bei Verdacht Blutprobe für Waffenbeamte. Da werden aber demnächst viele Wagen vor dem Präsidium stehen bleiben. Aber egal, geht auch ohne sie, machen eh nur noch Jagt auf Verkehrssünder.

05.11.2009
10:40
Intensive Hilfe für 2000 Suchtkranke bei NRW-Polizei
von GesetzestreuerBürger | #3

Ist es denn ein Wunder, dass Suchterkrankungen bei Kollegen totgeschwiegen werden?
Jeder normale Bürger verliert dadurch seine polizeiliche Zuverlässigkeit im Sinne des Waffengesetzes. Somit ist dem Betroffenen jeglicher Umgang mit Schusswaffen (als Sportschütze oder Sammler) zu versagen.
Nur unsere Beamten dürfen dann immer noch mit der Waffe an der Seite auf Streife gehen!

Einzig logische Konsequenz wären regelmässige Blutuntersuchungen durch den arbeitsmedizinischen Dienst für Beamte, die im Dienst Schusswaffen führen müssen. Aber das wäre wohl wieder einmal ein Eingriff in die Persönlichkeitsrechte. Außerdem dürfte dann wohl
die Hälfte der Beamten nur noch mit Pfefferspray bewaffnet sein.

05.11.2009
10:38
Intensive Hilfe für 2000 Suchtkranke bei NRW-Polizei
von enrico palazzo | #2

In diesem Artikel wird von 44.000 Polizisten gesprochen in dem anderen vom 28.05.2009 Jeder fünfte Polizist dauerhaft krank sind es 38.000 Polizisten. Wieviele sind es denn nun?

05.11.2009
10:37
Intensive Hilfe für 2000 Suchtkranke bei NRW-Polizei
von immer noch wieder | #1

Ach, darum fragen die immer nach Alkohol, Drogen und so?
Und dabei gucken die immer so komisch.

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