In der Tango-Bar
26.10.2008 | 15:24 Uhr 2008-10-26T15:24:00+0100
Die neue Choreographie von Hagens Ballett-Direktor Ricardo Fernando wird begeistert gefeiert.
Hagen.In der Tango-Bar kochen die Leidenschaften hoch. Ricardo Fernando, weithin gerühmter Ballett-Direktor am Theater Hagen, feiert mit seiner neuen Choreographie „Tango-Mania” einen Riesenerfolg. Die Premiere wurde vom Publikum mit Ovationen im Stehen belohnt.
Es ist bereits das zweite Mal, dass der Brasilianer Ricardo Fernando den Tango zum Thema einer abendfüllenden Choreographie macht. Und er hat mit seiner ebenso engagierten wie motivierten Compagnie erneut viel zu erzählen. Fernando führt seine Truppe in wechselnden Konstellationen durch ein mal hitziges, mal unterkühltes Universum voller Werben, Zurückweisung und Eifersucht, in dem Leidenschaften und Obsessionen geschickt gemischt werden. Spiel mit Leidenschaftund Eifersucht Auf der Bühne gibt es nur ein paar Stühle und Tische, eine echte Tango-Bar eben, und der große Spiegel wird für die Zuschauer zum Quell immerwährenden Entzückens, denn darin brechen sich die kunstvollen Sprünge und Arabesken des Ensembles und der Solisten. Die Herren buhlen wie die Platzhirsche um die Damen, die Luft wird schwer vom Testosteron, die Frauen reizen und locken und sträuben sich. Es ist ein Spiel mit Sex - und auch mit der Verweigerung von eindeutigen Geschlechtsrollen-Zuordnungen. Zwei Herren mit nacktem Oberkörper tanzen Tango vor der Spiegelwand, verwirrend, flirrend, lustvoll. Die großartige Carla Silva bewegt sich im Anzug erotischer als manche Bardame in Strapsen, sie bringt in ihrem Duett mit Leonardo Fonseca die Luft vor unterkühlter Begierde zum Kochen und lotet später mit ungemein eindrucksvollem tänzerischen Vokabular und einem Stuhl als Requisit die Einsamkeit und Sehnsucht aus, die sich ebenfalls mit dem Zauberwort Tango verbindet. Überhaupt agiert das Hagener Ensemble mit einem breiten Repertoire an Ausdrucksformen, die von sportlichen Hebe- und Sprungfiguren bis zum Spitzentanz reichen, wie ihn Carolinne de Oliveira in schwarzen Shorts und blauem Top zeigt. Wie eine Feder schwebt die Tänzerin durch die Luft, erobert den Raum als wäre sie schwerelos. Ganz poetisch auch Viola Crocetti, die sich die Schuhe auszieht, ihr Haar löst und in einer kunstvollen Ballade traumschön über die Bühne fliegt. Es gibt Momente, da blitzt Aggressivität auf, Tango ist kein harmloser Tanz, sondern Ricardo Fernando zeigt auch seine dunklen, bedrohlichen Seiten. Daneben steht Disco-Tango, flott, urban, europäisch. Und natürlich Tango als Ausdruck der Suche nach Magie, des Liebenwollens, des Loslassens und Sichfindens. Ricardo Fernando, dessen Truppe nach den Plänen der Hagener Politik Einsparpotenzial werden soll, zeigt mit „Tango-Mania” einmal mehr, wie wichtig, unverzichtbar und ungemein erfolgreich die künstlerischen Akzente sind, die er setzt. An ausgewählten Abenden wird nach der Vorstellung auf der Bühne zum Tanz gebeten: zum Tango, was sonst.Karten: 02331 / 2073218.

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