„Ich wollte etwas verändern”
24.07.2009 | 18:31 Uhr 2009-07-24T18:31:00+0200Hagen. Hochöfen droht die Hitze auszugehen, Schornsteinen der Rauch wegzubleiben. Als in Hagen Anfang der 1970er das Stahlsterben beginnt, wächst bei dem 21-jährigen Jochen Weber das Interesse für Politik.
„Mit Willy Brandt zog neue Aufbruchstimmung durch das Land. Ich wollte als junger Mann etwas verändern”, sagt der Hagener Oberbürgermeisterkandidat der SPD.
Jochen Weber, der damals beim Fernmeldeamt arbeitet, tritt in die Partei ein. Die Aussöhnung mit dem Osten, die Distanzierung von der Feindrolle zwischen Ost und West, die Vorstellung gefällt ihm. Nicht jedoch das Sterben der alten Hütte im Hagener Stadtteil Haspe. Weber demonstriert mit gegen den Abriss der Hochöfen - vergebens. Was damals bleibt, ist der Blick auf eine „Mondlandschaft, auf der nur noch Fragmente von Stahlwerken standen”, sagt der Hasper.
Sein Interesse an der Politik mindert das jedoch nicht. Im Gegenteil. Mit 21 Jahren reist der heute 58-Jährige durch NRW, um Willy Brandt zu sehen. Im Gepäck: Raffinesse. Denn als Brandt in die Westfalenhalle Dortmund kommt, sind die Eintrittskarten restlos ausverkauft. Aufgeben? Umdrehen und in die Volmestadt zurückkehren? Weber hat eine bessere Idee. „Ich bin zum Presseeingang gegangen, wo die Jungs vom Fernsehen mit dem Equipment standen, habe mir zwei Alukoffer geschnappt und bin in die Halle gegangen.” Drinnen stellt er die Koffer wahllos ab, lauscht Brandt. „Die Stimmung war besser als bei einem Bundesligaspiel zwischen Schalke und Dortmund”, sagt Weber.
Er erinnert sich noch gut an einen von Brandts Kernsätzen: „,Der Himmel über der Ruhr sollte wieder blau werden.' Damit sprach er die durch Abwässer und rauchende Schlote schmutzigen Flüsse und Landschaften an.” Weber spricht vom Hasper Gold, brauner Dreck, der damals über Haspe zieht, aber die Taschen der Arbeiter füllt. „Ziel war es damals, dass die Menschen Arbeit haben, saubere Arbeit”, sagt Weber. Für ihn ist Brandt als junger Erwachsener ein Motor, der Anschub gab. „Wir wollten die Welt verändern, und das in kürzester Zeit”, sagt Weber. Ungeduldig sei er zu seinen politischen Anfängen gewesen. „Erst im Laufe der Zeit habe ich gelernt, dass Politik das Bohren von dicken Brettern mit stumpfen Bohrern ist.”

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