Holz rücken in der fünften Generation
14.08.2011 | 10:00 Uhr 2011-08-14T10:00:00+0200
Schmallenberg-Jagdhaus.Holz rücken im Wald - das klingt sehr nach Erzählungen des Großvaters aus ferner Vergangenheit, als noch Pferde mithalfen. Aber diese schwere Arbeit ist noch immer nötig im Sauerland mit seinen Steilhängen, in denen Maschinen oft keinen Halt mehr finden.
Markus Vonnahme (33) aus Latrop übt seinen Beruf gern aus - als einer von 20 Kollegen im Umkreis. Eine stabile Statur und eine gute körperliche Verfassung sind dabei von Vorteil. Es gilt, gefällte und entastete Baumstämme - Langholz genannt - aus unwegsamstem Gelände auf befestigte Wege zu ziehen, wo sie mit Lkw abtransportiert werden können. Da sind feste Arbeitszeiten nicht einzuhalten. „Meist bin ich 10 Stunden am Tag im Wald, im Sommer auch schon mal zwölf.“
Bis zu 100 Meter geht er mit dem Stahlseil in der Hand bergab, bis der Stamm erreicht und das Seil befestigt ist. Dann geht er zurück zum zur Forstmaschine umgebauten Trecker, der das Seil aufwickelt und den Baum Richtung Weg zieht. Und das viele Male am Tag, in einem Umkreis von 50 bis 70 Kilometer um Latrop. Im Süden bis Kreuztal und Richtung Osten bis weit nach Hessen hinein.
Vonnahme ist tief im Raum Schmallenberg verwurzelt, die Familie - der Vater (63) führt den Zwei-Mann-Betrieb - ist in der fünften Generation für das Forstamt Schmallenberg tätig, das auch zu 50 Prozent der Auftraggeber ist, wie der Holzrücker berichtet. Den Rest machen private Aufträge aus, die die Firma Vonnahme bis in den Raum Hagen führen. Sogar in Frankreich hat sie schon Windbruchschäden beseitigt.
Dabei ist Auftrag nicht gleich Auftrag. „Das Volumen reicht von 10 Festmetern bis zu 1000“, erzählt der kräftige Mann. „Im Schnitt sind es 50 bis 70 pro Tag. Man kann davon leben.“ Aber reich werden wohl kaum. Das Gehalt schwankt von Auftrag zu Auftrag, je nach Festmetern, Holzstärke, Hangneigung und Rückeentfernung. Diese Liste stellt der Förster vor dem Abtransport des Holzes zusammen. „Bis zu 500 Euro Differenz pro Monat sind da möglich“ räumt der junge Familienvater - eine Tochter (5) und ein Sohn (11 Monate) - ein. „Es kann gut laufen, oder nur kostendeckend.“
Es sollte eigentlich gut laufen, denn die Investition von 220 000 Euro in den Spezial-Trecker sollte sich irgendwann amortisieren. Ein kleines Wunderwerk der Technik. Ist die Position im Wald erreicht, wird das Lenkrad abgeschraubt, der Sitz lässt sich um 360 Grad drehen und die weitere Arbeit, etwa am Seilzug oder am Greifarm erfolgt per Joystick und Monitor. Das Schichten des Langholzes am Wegesrand wirkt von der Fahrerkabine aus wie Mikado mit ziemlich großen Stäbchen.
Und das Risiko? Vonnahme hat noch keinen Unfall gehabt. Stahlkappenschuhe und Schnittschutzhose sind obligatorisch. „Vor 20 Jahren war das noch gefährlicher“, lacht der Holzrücker. Aber eigentlich sind nur Sicherheitsvorkehrungen und Notrettungssysteme besser geworden. „Aufpassen muss ich schon selbst.“

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