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Konzert

Himmelsmusik

26.08.2009 | 19:00 Uhr
Himmelsmusik

Die Hagener Philharmoniker begeistern mit einer eindrucksvollen Interpretation von Gustav Mahlers vierten Sinfonie.

Hagen. Der langsame Satz gilt als Stolperfalle für unaufmerksame Dirigenten in Gustav Mahlers vierter Sinfonie. Denn es ist schwer, die komplexe 20-minütige Komposition in dem geforderten ruhigen Tempo zu halten, ohne dass die Spannung zusammenfällt. GMD Florian Ludwig macht mit den Hagener Philharmonikern allerdings gerade diesen Satz zum Kraftzentrum des ganzen Werkes und somit gleichzeitig das erste Sinfoniekonzert der Saison zu einem großen Hörerlebnis.

Wegen des Spardrucks ist Mahler nicht mehr oft in Hagen zu hören. Dass die Stadthalle mit rund 800 Besuchern dennoch erschreckend bescheiden gefüllt war, ist sicherlich auch als Reflex auf das umstrittene letzte Sinfoniekonzert der vergangenen Spielzeit zu werten - und dennoch ein bestürzendes Alarmsignal. Die derzeitige Programmatik hat eine gravierende Abwanderung des Publikums zur Folge.

„Kein' Musik ist ja nicht auf Erden,

die unsrer verglichen kann werden.”

Das himmlische Leben

Gleichwohl zeigt der Mahler-Abend zu welcher Hochform ein städtisches Orchester auflaufen kann. Ganz leise singen Bratschen, Celli und Kontrabässe den langsamen Satz an, und das Gesangliche bleibt bestimmend für die Interpretation. Zwischen Gebet und Choral zelebriert Ludwig hier jene Himmelsmusik, die im Finale nur mit Worten beschworen werden kann.

Bereits im Eingangssatz hält Ludwig den riesigen Orchesterapparat in luftiger Transparenz, arbeitet Strukturen und Motive klar heraus. Die auf der linken Bühnenseite aufgestellten Kontrabässe schieben die musikalische Bewegung gleichsam von unten an. Das gespenstisch-burleske Scherzo ist dagegen zu langsam angelegt, bleibt zu brav, obwohl Konzertmeister Bernhard Ratajcak mit seiner einen Ton höher gestimmten „Teufelsgeige” das Unheimliche Klang werden lässt. Jedoch ist das Scherzo schwer zu spielen und für die Hörner und Trompeten unfallträchtig, deshalb ist das gemessene Tempo vielleicht hier angebracht.

Das Finale mit dem Gedicht „Das himmlische Leben” aus „Des Knaben Wunderhorn” bildet die Grundlage der Sinfonie. Susanne Bernhard ist eine großartige Sängerin, die mit anrührendem Sopran die volkstümliche Vision vom Paradies vorträgt und dabei in stratosphärische Höhen entschwebt. Aber unsere Vorstellung vom Paradies ist trügerisch: Während die Flöte noch dem Lied der Engel nachlauscht, zupfen die Kontrabässe bereits mit fahlen Quinten zum Totentanz auf.

Es erweist sich als Glücksfall, dass die Hagener Philharmoniker so wunderbare Holzbläser an ihren Pulten sitzen haben, die all die zahlreichen Solostellen delikat zum Blühen bringen können.

Vom himmlischen Leben erzählt auch Richard Strauss' „Tod und Verklärung”, ein Werk, das die Philharmoniker mit viel Gespür für raffinierte Farbwirkungen glänzend meistern.

Monika Willer

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