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Haftpflichtprämien

Hebammen geraten in die Kostenfalle

26.04.2010 | 13:39 Uhr
Hebammen geraten in die Kostenfalle

Hagen/Brilon. Selbstständige Hebammen fürchten um ihre Existenz. Grund sind die hohen Haftpflichtprämien, die Hebammen künftig zahlen müssen. Viele von ihnen wollen jetzt aussteigen. Deshalb wird eine Anhebung der Honorare gefordert.

Jede Geburt ist zweifelsohne ein Wunder. Dass sie aber zuzahlen soll, um dieses Wunder immer wieder möglich zu machen, das will Marion Stöber nun doch nicht einsehen. Vor 20 Jahren hat sich die Hebamme in Brilon selbstständig gemacht. Nun fürchtet sie um ihre Existenz.

Grund sind die hohen Haftpflichtprämien, die Hebammen künftig zahlen müssen. 3689 Euro pro Jahr verlangt die Versicherung ab dem 1. Juli von den Mitgliedern des deutschen Hebammenverbandes. Mit einem ähnlich hohen Betrag rechnet man beim Bund freiberuflicher Hebammen, der derzeit noch mit den Versicherern verhandelt.

Jahresgewinn

„Diese Summe können die Hebammen nicht mehr aufbringen”, fürchtet Andrea Bolz, Geschäftsführerin des Bundes. Etwa 15 000 Euro pro Jahr - das ist der durchschnittliche Jahresgewinn einer Hebamme. Für eine Hausgeburt bekommen die Hebammen von den Krankenkassen gerade einmal 537 Euro bei mindestens elf Stunden Arbeitszeit. 445 Euro erhalten die Hebammen für eine Geburt im Geburtshaus, 237 sind es im Krankenhaus. „Die ersten sieben Hausgeburten im Jahr arbeitet eine Hebamme künftig folglich allein für die Haftpflichtprämie”, rechnet Andrea Bolz vor. Zusätzlich allerdings müssen Hebammen von ihrem Honorar auch die eigene Kranken- und Rentenversicherung bezahlen, ferner ein Auto und die Praxis unterhalten.

Nur noch Hausbesuche

Gerade einmal sechs bis zehn außerklinische Geburten im Jahr begleitet Marion Stöber in Brilon. Noch. Angesichts der hohen Haftpflichtprämien schließt sie zumindest nicht aus, ab dem nächsten Jahr keine Geburtshilfe mehr anzubieten, sondern nur noch Hausbesuche im Wochenbett.

Viele wollen aussteigen

Hebamme Denise Berner mit Linus (4 Wochen). Foto: rd

„Zurzeit nehmen viele Hebammen niemanden mehr für eine Geburt an”, so Andrea Bolz vom Hebammenbund. „Wir haben viele Rückmeldungen von Mitgliedern, die aussteigen wollen und keine Geburtshilfe mehr anbieten”, warnt auch Edith Wolber vom deutschen Hebammenverband. Sie sieht die flächendeckende Versorgung in Gefahr - besonders im ländlichen Raum. Schließlich müssten viele kleine Kliniken auf dem Land mit freiberuflichen Beleghebammen zusammenarbeiten. Die Verbände warnen nun davor, dass manche Krankenhäuser auf dem Land womöglich ihre Kreißsäle schließen müssen.

Finanzielle Probleme

„Man muss überlegen, ob man sich die Arbeit überhaupt noch leisten kann”, sagt Beate Wink-Urbainczyk, freiberufliche Hebamme in Menden. „Massive finanzielle Probleme” sieht die Mutter zweier Kinder auf sich zukommen. Andererseits sei es gerade die Hilfe bei der Geburt, die die Arbeit ausmache. „Das gibt man nicht ohne Weiteres dran”, schildert Beate Wink-Urbainczyk ihren Konflikt.

Teure Selbstständigkeit

Als sie sich vor 15 Jahren selbstständig gemacht hat, das zahlte sie im Übrigen gerade einmal ein Zwanzigstel für die Versicherung: 175 Euro habe die Haftpflichtprämie damals betragen, erinnert sich Edith Wolber vom Hebammenverband. Zuletzt war der Betrag auf mehr als 2000 Euro angestiegen, nun kommen auf einen Schlag weitere 1500 dazu.

Steigende Kosten

„Die Hebammen aber haben diese hohen Prämien nicht verschuldet”, wehrt sich Edith Wolber gegen die steigenden Kosten: „Es gibt nicht mehr Schadensfälle.” Enorm gestiegen sind in den vergangenen Jahren für die Versicherungen allerdings die Kosten bei Personenschäden, wie eine Analyse der Münchner Rückversicherung belegt. So werden Opfer nicht mehr allein von ihren Familien, sondern zunehmend von Pflegekräften betreut. Auch verzeichnet die Münchner Rückversicherung immer höhere Schmerzensgelder bei Personenschäden.

Honorare anheben

Dass die Hebammen allein für diese Entwicklung aufkommen sollen, sieht man in den beiden Berufsverbänden nicht ein. „Entweder muss die Haftpflichtprämie künftig aus Steuern bezahlt werden”, fordert Edith Wolber die Politik auf. „Oder die Krankenkassen müssen die Honorare anheben.”

Nina Grunsky

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Kommentare
30.04.2010
09:27
Hebammen geraten in die Kostenfalle
von le_jardinier | #12

Nur ungern würde ich jemandem auf die Füße treten wollen... aber es drängt sich mir hier ein diffuser Verdacht auf, diese Haftpflichtprämienerhöhung könnte im Zusammenhang mit der Arbeit einer Lobby zu sehen sein, die z.B aus der Richtung Hospitäler/Krankenhäuser kommt... Leider ist immer wieder festzustellen, daß die freie Hebammenarbeit aus eben jener Richtung oft genug kritisch beäugt wird. Hält man sich gleichzeitig vor Augen, wie z.B. eben in Krankenhäusern um Belegungszahlen geschachert wird, könnte der Eindruck entstehen, man wäre dort vielleicht sogar froh, wenn demnächst weniger Hebammen Schwangere weitestgehend unabhängig vom Krankenhaus betreuen und allenfalls zur Geburt oder bei absehbaren Komplikationen die Verlegung ins Krankenhaus empfehlen... ? Ein Schelm, der Böses dabei denkt??
Honi soit, qui mal y pense!

28.04.2010
05:07
Hebammen geraten in die Kostenfalle
von vantast | #11

Auch Taxifahrer und Feuerwehrleute sollen sehr gut sein. Hier sieht man gut, wie lieb und teuer uns Menschenleben sind.

27.04.2010
20:13
Hebammen geraten in die Kostenfalle
von DerRheinberger | #10

Liebe Hebammen! Willkommen im Club der Billiglöhner und Arbeitnehmersklaven!

27.04.2010
16:46
Hebammen geraten in die Kostenfalle
von popeye2 | #9

Ich bin uneingeschränkt für eine Anhebung der Honorare für Hebammen. Ich kann nicht nachvollziehen, warum ein Beruf mit so hoher Verantwortung und erforderlichen Engagement (zu jeder Uhrzeit, an 365 Tagen) so schlecht bezahlt wird. Diese schlechte Bezahlung findet man in medizinischen Berufen öfters. So ist auch die Bezahlung für Rettungsassistenten teilweise eine Zumutung. Gutes Personal findet man für gute Bezahlung. Sonst folgt dem Idealismus schnell ein Burn-Out.

27.04.2010
15:55
Hebammen geraten in die Kostenfalle
von zuversicht1 | #8

Bitte helfen Sie ALLE mit, dass aus der Berufsgruppe der Hebammen keine aussterbende Spezies wird.
(Angesichts der enorm gestiegenen Pflichtversicherungen für selbständige Hebammen wird die, m. E. ohnehin zu geringe Bezahlung, fast schon zum Hungerlohn!)
Und es scheint so ,dass bereits jetzt Hebammen aufgeben möchten!

Dagegen ist zu halten:
Es ist eine besonders wertvolle Berufung, Menschen an der bedeutungsvollen, auch wehrlosen, Schwelle ihres Lebens gut zu geleiten!
Hebammen als Begleiterinnen, schon währende der frühen, ersten Schwangerschaftsmonate sind wertzuschätzen!
Hier im Duisburger Norden, ist mir Frau Birgit Przyrembel, nun schon 27 Jahre praktizierende Hebamme, bekannt! Sie, die ich persönlich kennen gelernt habe, genießt meine Achtung, da Sie über die ,für Ihre Arbeit,relevanten Persönlichkeitsmerkmale, wie Empathie und Akzeptanz verfügt (vermute diese Qualitäten auch bei all `Ihren weiteren Kolleginnen)!

Neben der, einer möglichen Entbindung, vielleicht auch hier in einem unseren Hamborner Krankenhäusern, wurden wir doch Alle, auch durch die helfenden Händen der, einer, Hebamme geboren!

Und unsere Kinder und Enkel sollten dasselbe fürsorgliche medizinische Privileg ,diese Option,genießen können!

Gute vorbereitende mitfühlende Hebammen- Arbeit
UND begleitende, falls gewünscht medizinische Hilfestellung im Krankenhaus
UND danach eine weiteres Geleit ,durch eine Eltern-Kind – Gruppe (Pekip, wird auch hier, Abteizentrum angeboten) lassen doch eine hoffnungsvolle Mutter – sorry , Eltern Beziehung entstehen!

Und somit können nach einer feinfühlig geführten Schwangerschaft und nach GLÜCKbringender Geburt ,sich die ersten Lebensmonate für die „ jungen“ Persönlichkeiten positiv ,somit für Alle Betroffenen und Beteiligten wie wir Männer es nur sind ;-) entwickeln!

Meine freundliche solidarische Grüße gehen an alle Hebammen und somit weit über den Duisburger Norden hinaus !

Und an die , vielleicht haben Sie, geduldige Mitleser, schon davon gehört, an die Initiative aus Köln:

Hebammen für Deutschland
Eine Initiative zum Erhalt des Berufstandes
Geschäftsadresse:
Bucheimer Str. 32-34
51063 Köln
www.hebammenfürdeutschland.de
mail@hebammenfuerdeutschland.de,

die sich zusammengeschlossen hat, um diesen wertvollen Berufstand zu erhalten.

Theo van Wesel

27.04.2010
06:50
Hebammen geraten in die Kostenfalle
von _:Brain:_ | #7

|„Es gibt nicht mehr Schadensfälle.” Enorm gestiegen
| sind in den vergangenen Jahren für die
| Versicherungen allerdings die Kosten bei
| Personenschäden,

Also die Personengruppe, die die wenigste Steigerung in Sachen Personenschäden zu verzeichnen hat wird an z.B. der Niederhaltung der KFZ-Haftpflicht oder der Unfallversicherung beteiligt?

Klasse Solidarprinzip!

Eine gesetzliche Haftpflicht für Hebammen wie eine gesetzliche Krankenkasse könnte das Problem mittel- bis langfristig lösen, ..ei, wie prima, man könnte eine Kommission gründen, Besprechungen organisieren, in Brüssel beraten, ob das mit der europäischen Gesetzgebung konform geht, Kohl ohne Ende aus dem Fenster werfen und nach 7 Jahren sagen: Unser beauftragtes $Beratungsunternehmen hat uns vor den nicht absehbaren Kosten gewarnt!

26.04.2010
16:41
Hebammen geraten in die Kostenfalle
von TrollUser | #6

Also bei 15.000 Euro Gewinn im Jahr, da nehme ich wohl an, dass alle weiteren Kosten schon abgezogen sind ... da muss man ja nicht unbedingt meckern. Da bleiben dann noch 11.000 Euro über. Mehr haben viele andere Berifstätige auch nicht an gewinn im Jahr, um davon den Lebensunterhalt zu bezahlen.

Versicherungen anzuprangern ist falsch. Man kann das Leben zwar nicht mit geld auf wiegen, aber wenn etwas passiert ist eine gute Absicherung für das Kind wünschenswert!

Naja, schaden kann es nicht, das Honorar pro Geburt etwas anzuheben. Vielleicht kann eine Hebamme auch weitere Dienstleistungen rund um die Geburt anbieten, die dann privat abgerechnet werden?

26.04.2010
15:19
Hebammen geraten in die Kostenfalle
von holmark | #5

Tja, da hat man also doch noch eine Kleinverdienergruppe gefunden, der man zu Gunsten der Dagoberts in die Tasche greifen kann.

26.04.2010
14:49
Blockierter Kommentar.
von holmark | #4

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

26.04.2010
14:43
Hebammen geraten in die Kostenfalle
von Kritiker12 | #3

Was soll denn die Mövenpickpartei mit diesem Thema anfangen? Wir lasen doch, das die Hebammen sehr wenig verdienen, wie sollen die denn die notwendigen Spenden aufbringen?

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