"Hagen ist ganz einfach Basketball"
08.10.2009 | 11:00 Uhr 2009-10-08T11:00:00+0200
Am Freitag startet Aufsteiger Phoenix Hagen in die neue Saison der Basketball-Bundesliga. Kapitän Matthias Grothe äußert sich vor dem Auftakt im Interview mit der Westfalenpost.
Bis 2002 hat Matthias Grothe knapp 150 Spiele für Brandt Hagen in der Basketball-Bundesliga bestritten. Nach siebenjähriger Abstinenz in der Eliteklasse führt der 31-Jährige am Freitag nun Aufsteiger Phoenix Hagen in Gießen in die erste Erstliga-Saison. Er spielt zudem eine Nebenrolle im nächste Woche startenden Kinofilm „Hangtime”.
Westfalenpost: Eine Woche vor dem Start waren Sie in einer Fernsehshow zu Gast. Allerdings nicht beim DSF, das künftig wieder Basketball-Bundesliga überträgt. Sondern beim Musiksender Viva, um mit zwei Hauptdarstellern für den Kinofilm „Hangtime” zu werben. . .
Matthias Grothe: Ja, das war schon sehr aufregend, auch Tokio Hotel und Scooter waren in der Sendung. Für zwei Stunden war das eine ganz andere Welt, die sicher nicht meine ist. Aber für den Film, in dem der Basketball-Faktor sehr groß ist, war das wichtig. Schließlich handelt es sich um eine junge Sportart - und die Zielgruppe von Hangtime liegt zwischen 15 und 30.
Frage: Vor fünf Jahren sind Sie von Stammklub TuS Iserlohn bei der Phoenix-Gründung erneut nach Hagen gewechselt. Hatten Sie da ernsthaft daran gedacht, noch einmal in der Bundesliga zu spielen?
Grothe: Ich habe fest damit gerechnet, denn mir war bewusst, wie viel Potential in diesem Verein steckt. Spätestens vor drei Jahren nach Gründung der ProA hat man gemerkt, dass Phoenix mit die beste Struktur hat und früher oder später aufsteigen wird, wenn man eine Halle bekommt. Und einmal im Sportlerleben richtig aufsteigen wollte ich schon noch.
Frage: Wie hat sich die Bundesliga verändert seit Ihrem ersten Engagement dort?
Grothe: Sie ist sicher athletischer geworden durch die Flut an Amerikanern, die dort jetzt spielt. Ob sie auch attraktiver geworden ist, müssen andere entscheiden. Meiner Ansicht nach sind die einheimischen Nachwuchskräfte auf der Strecke geblieben, die jetzt bei der Europameisterschaft ja bewiesen haben, dass sie etwas können. Aber als Deutscher gehört man in der Bundesliga mittlerweile schon zu einer aussterbenden Art.
Frage: Die neue Quotenregelung der BBL, der zufolge bis 2012 von zwölf Spielern auf dem Spielberichtsbogen sechs einen deutschen Pass haben müssen, geht nicht weit genug?
Grothe: Die 4+1-Regel, bei der immer ein Deutscher auf dem Parkett stehen muss, wäre die richtige Entscheidung gewesen. In der ProA hat das ja auch gut funktioniert. Und meines Erachtens müsste das Endziel auch in der ersten Liga sogar sein, dass stets zwei Einheimische auf dem Feld sind. Als Nachwuchs-Trainer bei Phoenix will ich künftig soviele Talente wie möglich auf Bundesliga-Niveau bringen.
Frage: In der 2. Bundesliga ist Ihre Spielzeit zuletzt stetig leicht zurückgegangen. Welche Rolle können Sie in der Bundesliga noch spielen?
Grothe: Natürlich bin ich nicht so athletisch und schnell wie andere in der Liga. Dafür spiele ich mit Kopf und behalte mein Händchen. Deshalb bin ich noch überzeugt, dass ich in der ersten Liga nicht aufgefressen werde. Und ich habe auch keine Probleme damit, als Rollenspieler nur ein paar Minuten zu bekommen. Ich habe mir meinen Traum erfüllt, mit Phoenix aufzusteigen. Jetzt will ich alles dafür geben, dass wir auch in der Liga bleiben. Das wird schon nicht einfach in der neuen Halle.
Frage: Erschwert der Umzug in das Provisorium in Hohenlimburg die Bemühungen um den Klassenerhalt?
Grothe: Man hat ja am Beispiel der Schwelmer Baskets gesehen, dass das mit einem Umzug nicht so einfach ist. Gerade wenn es sportlich nicht laufen sollte, muss man viel arbeiten, um die Zuschauer zu überzeugen. Außerdem nehmen Miete und Umbau der Halle finanziell viel Raum ein, der für den sportlichen Bereich fehlt.
Frage: Haben Sie die Hoffnung, auch in einer ausgebauten Ischelandhalle noch Bundesligaspiele zu bestreiten?
Grothe: Mit jedem Tag, an dem die Bagger nicht rollen, schwindet diese Hoffnung. Aber mein Opa hat immer gesagt: Nichts ist so gut wie ein gutes Provisorium. Vielleicht wird dieses ja auch länger gebraucht.
Frage: Welche Teams sehen Sie als direkte Rivalen im Kampf um den Ligaerhalt?
Grothe: Gießen, Paderborn, Tübingen, Trier und Mitteldeutscher BC sind wohl die Teams, an denen wir uns orientieren müssen. Schon das erste Wochenende in Gießen und Sonntag daheim gegen Paderborn wird die Richtung zeigen. Mit zwei Siegen hätten wir eine gute Basis. Und das sollte mit unserer Euphorie am Anfang zu packen sein.
Frage: Welches Potential hat Hagen mittelfristig?
Grothe: Wenn man innerhalb von nur einer Woche mehr als 200 000 Euro zusätzlich einsammelt, um die Halle zu finanzieren, sagt das schon viel über den Standort. Und das Riesenpotential in dieser Stadt zeigt sich nicht nur beim Sponsoren-Geld, sondern vor allem an den Menschen, die zu Dutzenden den ganzen Sommer über geholfen haben, diese Halle zu realisieren. Hagen ist einfach Basketball.

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