Geschichten für Kopf und Herz
21.06.2009 | 19:02 Uhr 2009-06-21T19:02:00+0200
Essen. Die Nachwuchs-Reporter der WESTFALENPOST räumen ab: Bei der Preisverleihung des größten medienpädagogischen Wettbewerbs für Schüler in NRW gehen vier der acht Preise an Schüler aus dem Hochsauerland: Jubel in Arnsberg und Meschede, Brilon und Marsberg.
„Die besten Geschichten sind die, die im Kopf und im Herz des Lesers Eingang finden”, sagt Bodo Zapp, Jury-Mitglied und WP-Chefredakteur. „Das ist guter Journalismus.” Ein dickes Lob für Felix Piontek (Gymnasium Brilon), Jenny Büchler, Simon Büngener und Joel Duhme (Konrad-Adenauer-Hauptschule Freienohl), Patrick Ehlich (Schule am Bomberg in Marsberg) sowie Taifun Karakulak und Max Klein vom Franz-Stock-Gymnasium Arnsberg.
Unterschiedlichste Themen
Ihre Beiträge beim Schüler-Projekt Zeitung und Schule 2008/2009 („Zeus”) gewähren ernste Einblicke in das Innenleben des Komikers Ingo Appelt, beschreiben die schrecklichen Folgen des Anabolika-Missbrauchs eines Kraftsportlers, erklären erstaunliche Unterschiede zwischen dem Schulalltag in Deutschland und Schweden und spiegeln die erschütternde Erfahrung eines Adoptivkindes wider, das seine leibliche Mutter im Alter von 15 Jahren endlich kennen lernt.
Bei der Feierstunde mit anschließendem Show-Programm und Abendessen im Gop-Varieté in Essen, veranstaltet von der Journalisten-Schule Ruhr, die seit 1997 die Zeus-Awards vergibt, würdigten Vertreter der Chefredaktionen und der Sponsoren (Mark-E, Stadtwerke Dortmund und Bochum, Gazprom Germania, Unicef, Bundeswehr, Schalke 04 und Mediengruppe WAZ) die Leistungen der Schüler.
Überraschung
Felix Piontek freut sich über den Preis für den besten Text und die beste Recherche: „Damit hatte ich nicht gerechnet.” Sein Berufsziel geht trotzdem in eine andere Richtung: „Ich möchte Psychologie studieren.”
Komiker Ingo Appelt erklärt den Hauptschülern Jenny Büchler, Simon Büngener und Joel Duhme, warum er nach der 9. Klasse die Schule beendete, seine eigenen Kinder aber auf eine Privatschule schickt. Dafür gibt es den Sonderpreis in der Kategorie bester Text/beste Recherche. Zum Feiern brachten die Preisträger ihre Klasse mit.
Adoptivkind Patrick Ehlich beschreibt seine verzweifelte Suche nach Identität - und findet sie durch die Begegnung mit seiner leiblichen Mutter. Juryurteil: Ein authentischer und bewegender Bericht, der nichts verschweigt und trotzdem Mut macht. Patrick bekam viel Resonanz auf seinen Text: „Leser berichteten, dass ihnen die Tränen gekommen seien.” Er würde gerne das Schreiben zum Beruf machen.
Außergewöhnliche Sportgeschichte
Mit dem Prädikat „eine Sportgeschichte, wie ich sie noch nie gelesen habe” würdigte Bodo Zapp das Interview von Taifun Karakulak und Max Klein mit dem Titel „Ich hatte wochenlang Todesangst”, in dem ein ehemaliger Anabolika-Abhängiger Gründe und Folgen des Muskel-Dopings schildert: Erst Haarausfall, dann Herzrasen, Atemnot. „Ich wurde aggressiver. In der Disco habe ich schon zugeschlagen, wenn mich ein Junge schief angeguckt hat.” Er setzt die Drogen zwei Mal ab - und fängt wieder an: „Der Drang nach dicken Muskeln war größer.” Den Absprung schafft er erst, als die Ärzte Tumore entdecken. Für den „einzigartigen” Sportbericht gibt es den Sonderpreis „Zeus-auf-Schalke.”
Und was nehmen die Schüler neben ihren Urkunden mit nach Hause? Die Sponsoren überreichen Laptops, Konzertkarten, eine Reise nach Berlin, einen i-Pod mit Download-Guthaben, eine Klassenreise zur Bundeswehr und die Teilnahme an der Pressekonferenz „Foto des Jahres” in Berlin. Und die Erkenntnis: „Zeitung in der Schule weckt die Lust am Lesen - und am Schreiben.”

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