Generalsekretäre im Auf und Ab der Politik
07.12.2009 | 22:48 Uhr 2009-12-07T22:48:00+0100Hagen. Das Auf und Ab in der Politik lässt sich in diesen Tagen eindrucksvoll an den Generalsekretären der NRW-Regierungsparteien CDU und FDP festmachen: Christian Lindner, der neue FDP-Generalsekretär in spe, und Hendrik Wüst, der sich durch seine "Gehalts-Affäre" kämpft.
Während Nachwuchstalent Christian Lindner (30) kurz vor einem Karrieresprung als neuer FDP-Generalsekretär steht, durchleidet CDU-Landesgeneral Hendrik Wüst (34) in der „Gehalts-Affäre” einen Absturz. Lindner, den sein einstiger Mentor Jürgen Möllemann „Bambi” nannte, gelangte als jüngster Abgeordneter mit gerade 21 Jahren in den Landtag. Da hatte der junge Liberale schon einiges hinter sich: Mit 17 gründete Lindner eine Werbefirma, später dann ein Internet-Unternehmen - mit dem er allerdings baden ging. Der Liberale nennte die Erfahrung des Scheiterns „lehrreich”. Parallel zum Politik-Studium, das Lindner erfolgreich abschloss, wurde der rhetorisch begabte Liberale 2004 Generalsekretär der Landespartei. 2009 wechselte Lindner über die Liste in den Bundestag - und wurde sofort energiepolitischer Sprecher.
Auch für den Münsterländer Hendrik Wüst verlief der politische Aufstieg lange Zeit ohne Brüche. Der Jurist wurde mit 29 Jahren in den Landtag gewählt, da saß er schon drei Jahre als Chef der jungen Union NRW im CDU-Bundesvorstand. In der Landespolitik erwarb sich der Konservative den Ruf als „Schwarzer Sheriff”, weil er in der Innenpolitik für Gesetzesbrecher „Null Toleranz” und harte Strafen forderte. Der eigene hohe moralische Anspruch aber wird nun zur schweren Hypothek für den General. Wüst musste einräumen, dass er seit April 2006 zu hohe Landeszuschüsse zur Kranken- und Pflegeversicherung kassierte. Er hätte dem Landtag den Anteil des Arbeitgebers NRW-CDU melden müssen - damit hätte sich der Zuschuss von 310 Euro um 120 Euro monatlich verringert. Erst als der Skandal aufgedeckt wurde, erstattete Wüst dem Landtag rund 6100 Euro und bedauerte den „Irrtum”.
Für SPD-Geschäftsführerin Gödecke, wachsen die Zweifel an Wüsts Darstellung. In einem unserer Zeitung vorliegenden Schreiben hatte die Landtagspräsidentin am 23. Januar 2009 alle Abgeordneten angeschrieben und aufgefordert, alle Zuschüsse anderer Arbeitgeber anzugeben. Wüst hatte aber behauptet, ihm sei nicht bewusst gewesen, dass er vom Landtag einen zu hohen Zuschuss erhalten habe. Gödecke fordert nach der „unwahren Ausrede” von Wüst dessen Rücktritt.
Strafanzeige
Wüst verdient neben seiner Diät von 9756 Euro monatlich weitere 8000 Euro als CDU-Generalsekretär. Inzwischen hat ein Stadtrat aus Neuss Strafanzeige erstattet. Während dem Liberalen Lindner in Berlin derzeit alle Wege nach oben offen stehen, sehen Unionspolitiker in der „Gehalts-Affäre” ein erhebliches Karrierehemmnis. Zwar hat Ministerpräsident Rüttgers (CDU) seinem General Wüst öffentlich den Rücken gestärkt, nachdem der seinen Fehler durch die Zahlung von 6100 Euro ausgebügelt hatte.
Für die Nachfolge von CDU-Fraktionschef Stahl kommt Wüst aber nicht mehr In Frage. Auch ein Wechsel als Minister in ein neues Kabinett Rüttgers halten Parteikenner für kaum wahrscheinlich.

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