Gemeinschaft ist die Stärke der Dörfer
18.09.2011 | 23:00 Uhr 2011-09-18T23:00:00+0200
Hagen.Der demografische Wandel, die Abwanderung der Jungen, ist eine Bedrohung für den ländlichen Raum. Dagegen müssen die Dörfer ihre Stärke setzen: erlebte Gemeinschaft. Der erste „Tag der Dörfer am Rothaarsteig“ war gestern eine Demonstration der Zusammenarbeit.
Die Idee kommt von der Südwestfalen Agentur und dem Regionale-Projekt „Zukunft der Dörfer“. Aber die Attraktionen, die trotz teilweise strömenden Regens und wenig spätsommerlicher Temperaturen zahlreiche Gäste anlockten, wurden vor Ort auf die Beine gestellt: in Oberschledorn, Schanze und Lützel.
Für die Oberschledorner war der Rothaarsteig-Tag dabei nur die Fortsetzung ihres eigentlichen Festes: Sie begingen am Wochenende ihr 775-jähriges Dorfjubiläum - mit Ritterburg und geschichtlichem Dorfrundgang, Musik und Kinderprogramm und vielen Darstellungen vom Wandel des dörflichen Lebens im Lauf der Jahrhunderte.
In Schanze wurde 1787 das erste Haus gebaut, 30 sind es heute. Die Einwohnerzahl gibt Bernd Hanses, Vorsitzender des Dorfvereins, mit ungefähr 43 an. Da braucht man Hilfe, um ein Fest auf die Beine zu stellen. Die kam aus Girkhausen und Kühhude, Oberkirchen, Grafschaft und Latrop. Das genau ist es, wenn vom neuen Wir-Gefühl gesprochen wird, das der ländliche Raum braucht: Die Zusammenarbeit in der Dorfgemeinschaft und mit den anderen Dörfern.
Karl Schneider, Landrat des Hochsauerlandkreises, zeigte sich beeindruckt von der Motivation der Dorfgemeinschaften: „Je mehr es gelingt, das Gemeinschaftsleben zu stärken, desto größer sind die Chancen der Dörfer, auch in Zukunft noch attraktiv zu sein.“ Regierungspräsident Gerd Bollermann formulierte es so: „Das dörfliche Miteinander steht vor einem radikalen Wandel. Aber wo Gemeinschaft erlebt wird, da bleiben die Menschen. Das macht dörfliches Leben spannend.“
Dann erwähnte Bollermann bei 7 Grad in 720 Meter Höhe, auf der ersten Station der Drei-Dörfer-Reise der SüdWestfalen-Delegation, in Lützel, wo ein „Tag der Sinne“ Wanderer und Stressgeplagte unter anderem mit Pferdekuscheln verwöhnte, habe es Glühwein gegeben. Prompt kam ein Schnaps-Tablett. Und Frau Antje brachte Käse. Matjes gab es auch. Blumenzwiebeln ebenfalls. Und eine niederländische Delegation samt Staatssekretär.
Das war kein Zufall: „Dass die Holländer sich hier so einbringen, ins Dorfleben und auch ins Fest, ist sehr schön“, freute sich Bruno Beste, Vorsitzender des Verkehrsvereins Grafschaft-Schanze. Gestern mit selbst gemachtem Eierlikör. Der passte sogar zu den frischen Grafschafter Geyseken, einer Art Kartoffel-Crepe.
Optisch und akustisch auffällig wurden die Alphornbläser vom Musikverein Langenei. Hugo Tigges, Jahrgang 1930, hat die 3,60 Meter langen Instrumente selbst aus Fichtenholz gebaut. Die Langhörner hatten es ihm einst in der Schweiz angetan. Aber da waren sie viel zu teuer. Allen drei Dörfern überreichte Dirk Glaser, Geschäftsführer der Südwestfalen Agentur, ein kleines Pflaumenbäumchen, als Symbol für Wachstum und Gemeinsamkeit. Zum Pflanzen immerhin war der gestrige Regen wohl gut.

0mitdiskutieren