Gaspreise in der Region vorerst stabil
24.08.2010 | 18:41 Uhr 2010-08-24T18:41:00+0200
Hagen.Gute Nachricht für Verbraucher in Südwestfalen: Anders als in vielen anderen Regionen Deutschlands kommen hier auf die meisten Haushalte zu Beginn der Heizperiode keine steigenden Energiepreise zu.
Bei den drei größten Versorgern Südwestfalens bleiben sowohl die Gas- als auch die Stromtarife bis zum Jahresende stabil. „Vor dem 1. Januar tut sich da nichts“, erklärte Enervie-Sprecher Andreas Köster mit Blick auf die beiden Töchter Mark-E (Hagen) und Stadtwerke Lüdenscheid. Auch bei RWE und beim Ennepe-Ruhr-Versorger AVU wird es im laufenden Jahr keine Preiserhöhung geben, wie RWE-Sprecher Martin Rothenberg und AVU-Sprecher Jörg Prostka versicherten.
74 deutsche Versorger heben dagegen ihre Gaspreise im Schnitt um 8,9 Prozent zum September oder Oktober an, wie der Internetdienst toptarif.de gestern berichtete. Andererseits haben danach aber auch 40 Gas-Anbieter Tarifsenkungen von durchschnittlich 6,7 Prozent angekündigt. Diese uneinheitliche Entwicklung spiegelt sich auch in Südwestfalen wider, wie aus den Toptarif-Daten hervorgeht. Während die Stadtwerke Lippstadt und Menden ihre Gaspreise vor Beginn der Heizsaison erhöhen, können sich die Kunden der Stadtwerke Iserlohn und Altena über Preissenkungen freuen.
Der Wettbewerb auf dem deutschen Gasmarkt scheint zunehmend in Gang zu kommen - zum Vorteil der Verbraucher. Denn die zuletzt spürbar gestiegenen Ölpreise hätten in vergangenen Jahren auch stets allenthalben steigende Gaspreise erwarten lassen. „Es ist zunehmend festzustellen, dass sich der Gaspreis vom Ölpreis abkoppelt“, erklärt Peter Blenkers, Energie-Experte der Verbraucherzentrale NRW. Eine Beobachtung, die auch RWE-Sprecher Rothenberg bestätigt. Dass der Konzern nach der kräftigen Erhöhung 2008 und drei Tarifsenkungen 2009 den Gaspreis seither stabil hält, erklärt er damit, dass „wir ganz gut eingekauft haben“. Heißt: RWE hat sich am Terminmarkt günstige Konditionen gesichert.
Auch die wachsende Konkurrenz spielt in der Preiskalkulation eine Rolle. Wenn ich einen starken Wettbewerber habe, dann überlege ich mir zweimal, ob ich den Preis erhöhe oder nicht, wenn ich ein guter Kaufmann bin“, sagt AVU-Sprecher Prostka. Es sei inzwischen leichter, den Stromanbieter zu wechseln als die Bank, so Rothenberg. „Und beim Gas kommen wir da jetzt auch hin.“
Ob die Energiepreise aber auch über den Jahreswechsel hinaus stabil bleiben, ist ungewiss. Keiner der Sprecher von RWE, Enervie und AVU mochte sich auf eine Prognose für 2011 einlassen. Toptarif-Energie-Experte Thorsten Bohg rechnet wegen der weltweiten Konjunkturerholung tendenziell auch mit steigenden Gaspreisen. Sicher ist das aber nicht, und in Deutschland dürfte die Entwicklung weiter uneinheitlich sein.
Für Verbraucher, die sich gegen diese Unwägbarkeiten absichern wollen, haben die Versorger vermehrt Festpreis-Tarife im Angebot - sowohl für Strom als auch für Gas. Wer sich darauf einlässt, bindet sich für höchstens zwei Jahre (mehr ist gesetzlich nicht zulässig) fest an einen Anbieter und erhält im Gegenzug die Sicherheit stabiler Preise. Ein spekulatives Geschäft, dass sich für Kunden in der Regel nur rechnet, wenn die normalen Tarife tatsächlich steigen. Zumal der Festpreis laut Verbraucherschützer Blenkers meistens höher ausfalle als jeweils geltende Grundpreis oder zumindestens der günstigste Tarif des Versorgers. Erhöhungen von Steuern und Abgaben seien zudem oft von der Preisgarantie ausgenommen, warnt Blenkers und betont: „Festpreis ist nie Bestpreis.“ Für Verbraucher, die lieber auf Nummer Sicher gehen, könne er aber trotzdem attraktiv sein. „Dann sollte man aber zusehen, dass man ein Festpreis-Angebot erhält, das unter dem Grundtarif des örtlichen Versorgers liegt“, rät der Energie-Experte.

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