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Friedrich Flick: Die Bürde eines Namens

25.09.2008 | 18:07 Uhr

Kreuztal. In Kreuztal geht es zu wie in einer ganz normalen, großen Familie. Man streitet sich, man verträgt sich. Und wie in jeder Familie gibt es auch einen lange verstorbenen Onkel mit nicht blütenweißer Weste. Einen - leider überaus reichen - Erbonkel.

In Kreuztal heißt der Erbonkel Friedrich Flick, milliardenschwerer Industriebaron und über viele Jahre hinweg der reichste Mann Deutschlands. Der 1883 geborene Flick, Sohn eines Kreuztaler Grubenholzhändlers, baute aus kleinen Anfängen ein Industrieimperium auf.

Bürgermeister Rudolf Biermann vor dem Kreuztaler Gymnasium. Foto: Friedrich Lück

In den Flick-Betrieben wurden während des Krieges viele tausend Zwangsarbeiter beschäftigt, oft unter menschenunwürdigen Bedingungen, wie Historiker inzwischen reichhaltig belegen können. Die Arisierung des tschechischen Petschek-Konzerns erreichte Flick mit Unterstützung des Reichsjägermeisters Hermann Göring. Bei den Nürnberger Prozessen wurde Flick als eine der einflussreichsten Industriellen-Persönlichkeiten des Reiches und als Mitglied des Freundeskreises SS zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt.

Doch Flick dachte nicht nur an Verteidigungsstrategien, sondern auch an seine Heimatstadt und stiftete in den sechziger Jahren drei Millionen Mark als Grundstock für eine Schule, das spätere Kreuztaler Gymnasium. Es sollte den Namen „Friedrich-Flick-Gymnasium” tragen, wurde vereinbart. Jedenfalls ist das eine der Kernausagen eines Rechtsgutachtens, das Kreuztals Bürgermeister Rudolf Biermann in diesem Jahr angefordert hat.

Der Gutachter kommt zu dem Schluss, dass vor einer Umbenennung auf jeden Fall die Meinung der Erben von Friedrich Karl Flick eingeholt werden müsse, damit die Stadt nicht plötzlich das Stiftungskapital zurückzahlen müsse.

Biermanns Sorgen begannen in diesem Jahr, als die ehemaligen Flick-Schüler Patrick Fick und Dr. Oliver Hirsch eine neue Debatte um den Namen des Gymnasiums starteten. Sie stellten die Homepage http://www.flick-ist-kein-vorbild.de/ ins Netz. Das Gästebuch der Seite füllte sich schnell mit 1200 Einträgen, überwiegend mit entsetzten Fragen, wie es denn möglich sei, ein Gymnasium nach einem verurteilten Kriegsverbrecher zu benennen. Inzwischen interessierten sich sogar Fernsehsender aus Polen und der Ukraine für das Thema Flick-Gymnasium. 

„Die Schule könnte auch einfach nur Städtisches Gymnasium heißen.” Rudolf Biermann

Seitdem ist in Kreuztal nichts mehr in Ordnung. Um den Gymnasiums-Namen ist ein heftiger Streit entbrannt. Die Historiker seien auf „Archivmaterial aus dem Osten hereingefallen”, schrieb ein CDU-Stadtverordneter zornentbrannt.

Die Kreuztaler CDU erwies sich als größtes Hindernis für eine Umbenennung. Doch die Front bröselte. SPD und FDP bewegten sich allmählich, und dann wandte sich schließlich die Schulkonferenz selber an den Rat. Man bat, die Schule nach der Entwicklung der vergangenen Monate „von der Bürde des Namens zu befreien”.

Das wird der Rat voraussichtlich tun, wenn Klarheit über die finanziellen Auswirkungen auf die Stadtkasse herrscht. Denn inzwischen hat sich auch Bürgermeister Biermann (CDU) auf die Seite der Umbenenner geschlagen. Sein Appell an die CDU-Fraktion verhallte nicht. Etwa die Hälfte der Christdemokraten werde sich der Umbenennung nicht verweigern, erklärte Biermann am Mittwoch. Sein Vorschlag: Dann könnte die Schule einfach nur „Städtisches Gymnasium” heißen.

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Kommentare
26.09.2008
12:17
Friedrich Flick: Die Bürde eines Namens
von Kellerhoff | #1

Knappe 40 Jahre, und schon erkennt die örtliche CDU, dass etwas dumm gelaufen ist? Auch wenn es ihnen sicher immer noch nicht über die Lippen kommt, einfach Scheiss gebaut zu haben - es ist immerhin ein Anfang. Selbst wenn einem die Erklärungsversuche des Bürgermeisters die Tränen in die Augen trieben können.

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