Frauen machen mit Lehre Karriere
08.09.2009 | 18:40 Uhr 2009-09-08T18:40:00+0200Hagen. Frauen machen Karriere im Handwerk - das zeigt nicht nur eine Sonderausstellung im LWL-Freilichtmuseum Hagen, sondern auch zahlreiche Handwerkerinnen selbst beim Aktionstag am 13. September.
Mit einer Modenschau fing alles an: „Ich konnte nicht mal einen Knopf annähen, aber danach habe ich ein Praktikum im Modeatelier Szoltysik in Hohenlimburg gemacht”, erzählt Jana Geitmann. Nun ist die junge Maßschneiderin eins der erfolgreichen Beispiele beim Aktionstag zur Sonderausstellung „Karriere mit Lehre - Frauen im Handwerk in Westfalen-Lippe”.
Mit ihrer Korsagen-Kreation steht Jana Geitmann vom Paul-Ehrlich-Berufskolleg in Dortmund vor dem Haus Sümmern im LWL-Freilichtmuseum Hagen. Hinter dem Fachwerk verbergen sich nicht nur Fotos und Geschichten von Handwerkerinnen - auch eine handbestickte, geradezu winzige Korsage von 1880 und eine Adler-Nähmaschine von 1920 vermitteln das frühere Handwerk.
Schneiderin - das war über viele Jahre ein typischer Frauenberuf. Bis der Wandel in den 70er Jahren diesen und viele anderen weibliche Handwerksberufe fast komplett aussterben ließ. Heute ist der Beruf hart umkämpft: „Ich habe meine Lehre als Kammersiegerin abgeschlossen und suche seit zwei Monaten eine Stelle”, sagt Geitmann. Aber noch gibt sie nicht auf: „Schließlich ist es genau das Richtige.” Ein Design-Studium kommt nicht in Frage - eher die Meister-Prüfung.
Auch Martina Gralki-Brosch hat ihre Entscheidung fürs Handwerk nicht einen Tag bereut: Seit 27 Jahren stellt sie Schilder- und Lichtreklame in Witten her. „Bei vielen herrscht noch das Vorurteil: Handwerker sind dumm. Dabei eint das Handwerk Kopf und Hand”, so Gralki-Brosch. Das sichtbare Ergebnis sei der große Vorteil des Handwerks.
Über weitere Vorteile und Möglichkeiten können sich Besucher beim Aktionstag am Sonntag,13. September, informieren: Bei Dachdeckerin Eva Risse aus Warstein kann Schiefer geschlagen werden, Friseurin Gabriele Stiewe aus Hagen zeigt ihr Können auch an Gästen, bei Hörakustikmeisterin Britta Faust aus Hagen steht ein Lärmtest an und Gas- und Wasserinstallateurmeisterin Anna Luise Mahret aus Hohenlimburg präsentiert ihre Arbeit.
„Beim Mitmachen und Zuschauen sollen Besucher und Handwerkerinnen ins Gespräch kommen”, sagt Museumspädagogin Simone Pachulski. „Das Handwerk sucht Frauen, denn sie haben bessere Abschlüsse und sind motivierter”, erklärt Anke Hufschmidt, stellvertretende Museumsleiterin. Infostände, Führungen durch die Ausstellung und eine Modenschau der Maßschneiderinnen runden das Programm ab
Im Rahmen der Ausstellung findet ein Vortrag am 24. Oktober statt: „Was soll unsere Tochter werden? Mädchen im Handwerk.” Die wissenschaftliche Volontärin Julia Setter stellt vor, welche weiblichen Berufe in den vergangenen 60 Jahren als schicklich galten. Nach 1945 wurden vermehrt Frauen für Männerberufe angeworben - eine Folge der zahlreichen Kriegstoten. In der Berufswahl-Literatur hat Setter allerhand Humorvolles und Haarsträubendes entdeckt: „Bis 1949 durften Frauen keine Männer frisieren, denn es galt als unsittlich, fremden Männern so nah zu kommen.”

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