Faire Chancen für Jungen und Mädchen
14.04.2011 | 18:29 Uhr 2011-04-14T18:29:00+0200
Iserlohn.Mit großen Augen strahlen Rebecca und Samantha den 13-jährigen Thijs an. Die beiden drei und vier Jahre alten Mädchen freuen sich über den männlichen Besuch in ihrer Kita. Zeit für eine Verschnaufpause lassen sie ihm nicht. Mit einem Kind an jeder Hand geht es Richtung Sandkasten.
Thijs Tap (13) und Patrick Schmitt (12) sind zwei von bundesweit rund 35 000 Jungen, die gestern am ersten offiziellen Boys’ Day teilgenommen haben. Beim Boys’ Day wie auch beim parallel stattfindenden Girls’ Day können Jungen und Mädchen einen Tag lang Einblicke in die Berufswelt bekommen. Dabei sollen sich Jungen vor allem typische „Frauenberufe“, Mädchen männlich dominierte Berufe ansehen.
Ihren Tag in der Awo-Kindertagesstätte in Iserlohn haben sich Thijs und Patrick schon ein bisschen anders vorgestellt. „Das ist anstrengender als man denkt“, gibt Patrick zu. „Ich habe mir das viel ruhiger vorgestellt.“
Die beiden Sechstklässler, die die Gesamtschule Gerlingsen besuchen, sind auf dem Spielplatz der Awo-Kita immer von einer Traube Kinder umringt. „Die halten einen ganz schön auf Trab“, sagt Thijs mit einem Lachen. Wohin die beiden Schüler auch gehen, eine Schar Kinder ist ihnen dicht auf den Fersen. Zwei junge Männer haben sie schließlich nicht jeden Tag zu Besuch.
Mehr männliche Unterstützung, das wünscht sich auch die Einrichtungsleiterin Britta Holt-Hermerschmidt. „Das tut nicht nur den Kindern gut, sondern auch dem Team“, sagt sie aus voller Überzeugung. „Wir spielen zwar auch gern mit den Kindern Fußball, aber Männer machen das vielleicht doch mit ein bisschen mehr Motivation.“
Später einmal mit Kindern zu arbeiten, kann sich der zwölfjährige Patrick schon vorstellen. Thijs hingegen weiß noch nicht, was er werden möchte. Mit seinen gerade mal 13 Jahren will er sich noch nicht festlegen lassen. „Ich war einfach neugierig“, erklärt der gebürtige Niederländer, warum er sich freiwillig zum Boys’ Day angemeldet hat.
In der Abschlussrunde in der Fachschule Sozialwesen am Berufskolleg Iserlohn wird schnell klar, dass viele der Jungen einfach nur neugierig waren, andere spielen aber tatsächlich mit dem Gedanken, Erzieher zu werden. In der Diskussionsrunde tauschen die Schüler aus den Klassen 6 bis 9 ihre Erfahrungen aus. Für die Älteren wird die Berufswahl schließlich schon konkreter.
Fünf bis zehn Prozent der Studierenden in einer Klasse seien männlich, erzählt André Lümkemann, Lehrer an der Fachschule Sozialwesen. „Die Tendenz ist aber steigend“, sagt er zuversichtlich. „Die Weichen sind gestellt.“ Als Grund dafür nennt er vor allem die verstärkte Öffentlichkeitsarbeit.
Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) hat den erstmals eingeführten Boys’ Day gestern als „vollen Erfolg“ gewürdigt. „Viele Jungs wissen gar nicht, welche Chancen sich ihnen in Branchen wie Alten- oder Krankenpflege oder Erzieher bieten“, sagte Schröder gestern in Berlin. Sie habe deshalb parallel zum Girls’ Day erstmals in diesem Jahr den Boys’ Day eingeführt. „Es ist Zeit, beide Geschlechter in den Blick zu nehmen. Mehr Gleichberechtigung erreichen wir nicht durch Umerziehung, sondern in dem wir beiden Geschlechtern faire Chancen eröffnen“, meint Schröder. 123 000 Mädchen haben gestern beim Girls’ Day, der bereits zum elften Mal stattgefunden hat, mitgemacht.

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