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Fahrbare Fontäne

13.08.2011 | 12:00 Uhr
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Fahrbare Fontäne
Hoch hinaus will Raul Walch mit seinem Kunstprojekt: Einem fahrbaren Brunnen für den Arnsberger Kunstsommer.

Arnsberg.  Am Anfang stand die Idee eines mobilen Brunnens. Daraus ist eine Kombination aus Oldtimer und Fontäne geworden. Der Berliner Bildhauer Raul Walch hat für den Arnsberger Kunstsommer einen „Arnssprudel“ entwickelt.

Am Anfang stand die Idee eines mobilen Brunnens. Daraus ist eine Kombination aus Oldtimer und Fontäne geworden. Der Berliner Bildhauer Raul Walch hat für den Arnsberger Kunstsommer einen „Arnssprudel“ entwickelt.

Verblüffende Rauminstallationen sind mittlerweile zum festen Bestandteil des Arnsberger Kunstsommers geworden. Der Wunderbaum 2009 und das Museo Aero Solar 2010 haben gezeigt, wie kreativ, fantasievoll und nachdenklich Kunst im öffentlichen Raum sein kann. Möglich wird das durch die Zusammenarbeit von Kunstsommer und Kunstverein Arnsberg, dessen Leiter Vlado Velkov gute Kontakte in die junge Szene hat, speziell zum Institut für Raumexperimente von Olafur Eliasson, in dem auch Raul Walch arbeitet.

„Das dritte Wort nach Mama und Papa ist Auto“, sagt der 30-Jährige. Autos faszinieren ihn, sie sind Fetische des modernen Lebens, ihnen gehört die ganze Liebe und Zuneigung ihrer Besitzer, und trotzdem drohen sie, sich im Zeitalter von Energiekrise und Umweltzerstörung in aussterbende Arten zu verwandeln. „Es ist schwierig, etwas im öffentlichen Raum zu platzieren. Aber Autos stellt man überhaupt nicht in Frage“, schildert Raul Walch. Also wird ab dem 21. August auf dem Arnsberger Neumarkt ein falsch geparktes Mercedes Coupe Baujahr 1974 stehen – und die Augen auf sich lenken. Dass dieser Wagen eine merkwürdige Konstruktion auf dem Dach hat, registriert der Betrachter erst beim zweiten Blick. Und dass sich aus dieser Kiste völlig unberechenbar, durch einen Zufallsgenerator gesteuert, ab und zu eine meterhohe Fontäne erhebt, gehört zu den Überraschungen, die die Kunst für das Leben bereithält.

Der gebürtige Frankfurter Walch kommt eigentlich von der Arbeit mit Wasser - wie sein Professor Eliasson, der berühmt geworden ist für seine Wasser-Installationen. Viele erinnern sich noch an die Bilder der vier riesigen künstlichen Wasserfälle, die Eliasson 2008 rund um die Südwestspitze Manhattans installierte. Walch selbst hat im Frühjahr in den USA eine Fontäne gebaut und ist begeistert von den Hydranten, die es in Amerika an den Straßen gibt. „Was passiert, wenn die Hydranten das Wasser nicht halten, sondern lassen?“, fragt er. „Was für eine vertikale Schönheit sich dann im Straßenbild entfaltet.“

Der „Arnssprudel“ verknüpft mit Auto und Wasser zwei jeweils mit sehr vielen Bedeutungen aufgeladene Begriffe, die Raul Walch selber gar nicht als gegensätzlich empfindet. „Die Kombination von Auto und Wasserspiel ist ungewöhnlich, aber nicht abwegig“, sagt er. „Fontäne und Auto sind beide mit vielen Assoziationen behaftet und sehr deutungsfreundlich. Da treffen sich zwei Sachen, die nicht wirklich zusammengehören. Ich möchte zum Umdenken anregen: Das Auto als Bestandteil des öffentlichen Lebens umformen in etwas, das der Allgemeinheit dient wie die Fontäne.“ Wasser sei ein starkes Medium, unterstreicht der Bildhauer. „Es ist flüssig, in Bewegung. Da gibt es eine gewisse Terminologie, die sich mit der der Autos deckt. So spricht man zum Beispiel von Verkehrsströmen. Hinter der Idee des mobilen Brunnens stand auch die Überlegung, dass die öffentliche Hand kein Geld mehr hat, um Brunnen zu unterhalten, da ist es ganz praktisch, wenn man etwas Fahrbares hat.“

Der Neumarkt wurde nicht zufällig als Kunstort ausgewählt: Er liegt einsam mitten im Herzen der historischen Stadt, unter ihm wurde eine Tiefgarage gebaut. Walch: „Das ist ein Problem mit öffentlichen Plätzen, dass sie verwaisen.“

Allein das geeignete Fahrzeug zu suchen, war bereits ein Abenteuer. Denn das Gefährt dient als Sockel für die Fontäne und muss deshalb viel Gewicht tragen können. „Der Vorteil an kleinen Städten ist, dass jeder jeden kennt“, lobt Raul Walch. „Die Kfz-Technik, die Dachlast, die Elektronik der Pumpe, da kam einiges zusammen, wo man nicht gerade Fachmann ist. Ich habe in Arnsberg viel Hilfe erfahren. Beim Bau hat sich schon eine kleine Fangemeinde entwickelt.“

Am 21. August um 17 Uhr wird die „Street Fountain“ erstmals öffentlich vorgeführt. www.kunstsommer-arnsberg.de; www.raulwalch.net

Monika Willer

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