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Dioxin-Skandal

Es kann noch mehr werden

04.01.2011 | 16:56 Uhr
Es kann noch mehr werden
Eier werden auf Dioxin überprüft, bevor sie in den Handel kommen.

Münster.Seit mehr als 20 Jahren prüft das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Münsterland-Emscher-Lippe als einziges Institut in NRW Futtermittel auf Dioxine und nimmt jährlich um die 400 Proben. Deshalb kann Amtsleiter Axel Preuß zumindest in einem Punkt Entwarnung geben. „Wir gehen davon aus, dass wir ein aktuelles und punktuelles Problem haben, keines, dass seit vielen Jahren flächendeckend vorhanden ist.“

Das spezielle Fett, das für die erhöhten Dioxinwerte in Eiern und Hühnerfleisch (und möglicherweise auch bei Schweinen und Puten) verantwortlich ist, sei bisher noch nicht verwendet worden. Ansonsten gab es beim gestrigen Besuch des NRW-Verbraucherschutzministers Johannes Remmel (Grüne) beim Münsteraner Amt wenig gute Nachrichten: Man habe am Montagnachmittag eine weitere Schnellwarnung aus Schleswig-Holstein erhalten, wonach auch drei Futtermittelbetriebe aus NRW mit dem verseuchten Fett beliefert worden seien, sagte Remmel. Weitere Hofsperrungen in NRW zusätzlich zu den bisher 14 ­seien deshalb nicht auszuschließen.

Von den 14 Betrieben mit 25 Ställen im nördlichen NRW sind bisher lediglich zwei Proben analysiert - und die waren beide positiv. Ergebnisse von drei weiteren Höfen werden für heute erwartet, andere Ende dieser Woche und in der nächsten. „Eine Unter­suchung auf Dioxin ist aufwendig und dauert drei Tage“, sagt Preuß. Anders als in Niedersachsen wurden in NRW auch über die Feiertage schon Proben analysiert.

Wie viele Höfe insgesamt betroffen sind, wie viele Eier und Hühner in den Handel gelangt sein könnten, wie viele Hühner nach den 8000 im Kreis Soest noch getötet werden müssen - dazu will sich Remmel nicht äußern: „Das wäre reine Spekulation.“ Der Siegener betont allerdings, dass Tötungen von den Behörden nicht vorgeschrieben würden: „Das ist eine Entscheidung des Unternehmers.“ Und der wollte im Soester Fall offenbar die Futterkosten einsparen. Bei jüngeren Legehennen, die nach einiger Zeit mit sauberem Futter wieder unbelastete Eier legen könnten, würde die Entscheidung möglicherweise anders ausfallen, vermutet Ministeriums-Abteilungsleiter Peter Knitsch.

Nach Angaben des Bundesamtes für Verbraucherschutz hat der Futtermittelhersteller Harles & Jentzsch aus Schleswig-Holstein insgesamt 527 Tonnen mit dioxinverseuchtem Futterfett an zwölf verschiedene Futtermischbetriebe geliefert, die Höfe in mindestens fünf Bundesländern versorgten. Nach eigenen Angaben nutzt das Unternehmen dazu seit Jahren Reste aus der Herstellung von Biodiesel. Dass die nur für technische Zwecke, etwa als Schmieröl zugelassen sind, will die Firma nicht gewusst haben. Die Staatsanwaltschaft Itzehoe hat gestern gegen den Geschäftsführer ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Es bestehe der Verdacht, dass gegen das Futtermittelrecht verstoßen und die gesundheitliche Beeinträchtigung von Menschen in Kauf genommen wurde, sagte Oberstaats­anwalt Ralph Döpper.

Remmel kündigte an, NRW werde versuchen, Eier, Fleisch und verarbeitete Produkte aus dem Handel zu nehmen, gestand aber ein: „Wir werden nicht alles erreichen können.“ Die bisher betroffenen Betriebe - mit Legehennen, Schweine- und Putenmast - hätten ihre Produkte weitgehend lokal vermarktet, sagte Preuß.

Eier und Fleischproduzenten sorgen sich unterdessen um den Absatz. Der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG) „weist entschieden die Empfehlung der Verbraucherverbände zurück, aktuell keine Eier und kein Geflügelfleisch zu verzehren“. Der gelegentliche Verzehr von Lebensmitteln oberhalb des amtlichen Grenzwerts sei gesundheitlich unbedenklich, sagte ZDG-Präsident Gerhard Wagner.

Harald Ries

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