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Es darf auch gelacht werden auf der Berlinale

18.02.2010 | 17:16 Uhr
Es darf auch gelacht werden auf der Berlinale

Berlin. Und wo bleibt der Humor? Das Leichte, das Heitere, die Zuversicht und die Lebenslust? Doch, auch das gibt es auf dieser Berlinale. Und zwar mit den Familiengeschichten "The Kids are All Right” und „Please Give”.

Es darf gelacht werden auf der Berlinale. Dazu zwei Beispiele aus Amerika. „The Kids are All Right” (Die Kinder sind wohlgeraten) heißt der Wettbewerbsbeitrag der US-Regisseurin Lisa Cholodenko mit Annette Benning und Julianne Moore in den Hauptrollen.

Die beiden Hollywood-Stars mimen ein lesbisches Paar, das vor 15 und 18 Jahren mittels eines anonymen Samenspenders einen Jungen und ein Mädchen bekommen hat. Als die Teenager herauskriegen, wer ihr biologischer Vater ist, beginnen die unausweichlichen Verwicklungen, in deren Verlauf sowohl die lesbische Zweisamkeit als auch die bislang so intakte Familiensituation in akute Gefahr geraten.

Gemengelage

Es ist die etwas komplizierte Gemengelage, vor allem aber das hinreißende Spiel aller Beteiligten, wodurch dieser Film zu einem Stück herrlicher Unterhaltung mit durchaus nachdenklichen Zwischentönen wird. Wie Annette Benning und Julianne Moore ihre Liebe und gleichzeitige Verletzlichkeit geradezu zelebrieren, wie sie durch ihre Beziehung aber auch immer wieder in die kuriosesten Situationen geraten, ist entwaffnend ehrlich und ungemein komisch.

Die britische Schauspielerin Rebecca Hall (v.l.), die US-amerikanische Schauspielerin Amanda Peet und die US-amerikanische Regisseurin Nicole Holofcener. Foto: ddp

Dass diese Geschichte dabei nie ins Peinliche oder Alberne abrutscht und sich jeder klischeehaften Darstellung oder billiger Seitenhiebe versagt, macht „The Kids are All Right” zu einem wirklich berührenden Vergnügen.

Ein wenig leiser aber keineswegs schwächer oder gar langweiliger präsentiert sich die US-Produktion „Please Give” von Nicole Holofcener. Vielleicht ist es ein bezeichnender Hinweis, dass sowohl Holofcener wie auch Lisa Cholodenko in der Vergangenheit jeweils eine Folge der beliebten TV-Serie „Six Feet Under - Gestorben wird immer” inszeniert haben. Nicole Holofcener hat zudem auch noch bei „Sex and the City” sowie bei „Gilmore Girls” im Fernsehen Regie geführt.

Familiengeschichte

Auch „Please Give” ist eine Familiengeschichte, die sich um eine pubertierende Tochter und die Pläne einer Wohnungserweiterung dreht. Während die 15-Jährige verzweifelt gegen ihre Pickel und für eine 200-Dollar-Jeans kämpft, sehnen die Eltern den Tod der alten und garstigen Nachbarin herbei, um dann endlich den Durchbruch in die anliegende Wohnung realisieren zu können, die sie längst schon gekauft haben.

Catherine Keener und Oliver Platt spielen das Ehepaar in den mittleren Jahren, das sich in seiner Bürgerlichkeit scheinbar gut eingerichtet hat, aber dennoch leicht aus der Fassung zu bringen ist. Die über drei Generationen hinweg angelegte Handlung entwickelt zutiefst menschliche Spannungen, wie sie jeder Kinobesucher nur zu gut nachvollziehen kann.

Pointensicher

Pointensichere Dialoge und das gnadenlose Aufdecken altersbedingter Schwächen von der Jüngsten bis hin zur Ältesten verdichten die alltäglichen Schwierigkeiten im Umgang miteinander zu einem sehr schönen Film. Das Drama findet hier im Kleinen, im vermeintlich fast Nebensächlichen statt und doch trifft gerade diese genaue Analyse den Kern so vieler Konflikte, die ein jeder in der ein oder anderen Weise auch im eigenen Leben erfährt.

Nicole Holofcener sagt über ihren so gelungenen Film: „Auch wenn meine Charaktere einige unschöne Dinge tun, so hoffe ich doch, dass wir ihnen verzeihen, vor allem während wir über sie lachen. Mit meinem Film wollte ich diese Art von widersprüchlichen Momenten illustrieren, die uns einfach menschlich machen.”

Andreas Thiemann

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