Entscheidungen fallen erst Anfang 2011
04.11.2010 | 18:59 Uhr 2010-11-04T18:59:00+0100
Meschede.(step)
„Es läuft ganz gut bei Honsel.“ Das ist die nüchtern-positive Nachricht aus dem Büro des vorläufigen Insolvenzverwalters Jürgen Kebekus gut eine Woche nach seiner ersten Pressekonferenz.
Was das heißt? „Es wird in die Bücher geschaut, und es wird mit Lieferanten und Kunden gesprochen.“ Kurz: Ein vorläufiger Insolvenzverwalter - das Verfahren wird voraussichtlich Anfang 2011 eröffnet - prüft zunächst die Lage und schreibt ein Gutachten, auf dessen Grundlage das zuständige Gericht tätig wird.
Große Entscheidungen seien derzeit noch nicht abzusehen, teilt das Büro Kebekus weiter mit. Im ersten Quartal des kommenden Jahres werde der Verkaufsprozess dann sicherlich konkreter.
Ob die die Beschäftigten des Leichtmetall-Spezialisten zwischen Hoffen und Bangen so lange warten mögen, bis ihr Schicksal geklärt ist? Im Stammwerk Meschede zeigt sich die Chefetage überzeugt davon, dass die Stimmung der Mitarbeiter ebenso gut ist wie die Chancen des Unternehmens auf Fortbestand.
„In die Betriebsversammlung vergangene Woche sind die Beschäftigten mit einem mulmigen Gefühl hineingegangen und mit einem positiven Gefühl wieder herausgekommen“, weiß Honsel-Kommunikationschefin Regina Gödde. Und dann zählt sie auf: Die Gehälter seien bis Jahresende gesichert, das Weihnachtsgeld gesichert, das Insolvenzgeld da. Das seien doch gute Nachrichten.
Die Frage ist, ob eine derart kurzfristige Perspektive Beschäftigte zufriedenstellen kann, die etwa ein Haus gebaut und eine Familie zu versorgen haben. Die warten alle auf den einen, der es ehrlich meint, nämlich auf den Investor aus der Branche, der interessiert ist an Mitarbeitern und Produkten und der sein Engagement nicht bloß als Lizenz zum Gelddrucken begreift. Doch damit kann Regina Gödde nicht dienen, da wird sie einsilbig. Dass es um die 20 Interessenten sind, die bei Honsel einsteigen wollen und jetzt ihre Angebote abgeben, lässt sie sich entlocken. Und, dass der Prozess noch dauern kann. Nicht kommentieren möchte sie, dass Kunden wie Daimler und der Zulieferer ZF Honsel in der Krise unter die Arme gegriffen haben sollen, weil sie auf die Zulieferteile angewiesen sind. Auch nicht, dass der Branchenriese ZF Teile von Honsel übernehmen möchte. Das entscheidet sich im Frühjahr. Bis dahin werden die Beschäftigten unruhige Nächte haben.

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