Energieriesen entdecken das Sauerland
27.12.2010 | 18:16 Uhr 2010-12-27T18:16:00+0100
Hagen/Schwelm/Menden.Der globale Hunger nach Energie wird von Tag zu Tag größer. Um die Gier nach fossilen Rohstoffen stillen zu können, suchen die Energieunternehmen jetzt auch im Münster- und im Sauerland nach wertvollem Erdgas.
Ohne, dass die Öffentlichkeit groß Notiz nehmen konnte, teilten elf Energielieferanten große Teile von Nordrhein-Westfalen unter sich auf. „Die Claims wurden still und heimlich abgesteckt. Wir sind überrascht. Wir wussten von nichts“, meint Oliver Krischer, Energieexperte der Grünen im Bundestag.
Betroffen sind der Ennepe-Ruhr-Kreis, die Stadt Hagen, der nördliche Teil des Märkischen Kreises, der westliche Abschnitt des Hochsauerlandkreises, ein nördliches Segment des Kreises Olpe und ein kleiner Teil im Westen des Kreises Soest. Diese Areale fallen alle in das Bergbaufeld Ruhr. Hier hat die Wintershall Holding GmbH am 5. August 2010 die Aufsuchungsberechtigung zu gewerblichen Zwecken - so der Fachausdruck - auf insgesamt 2 492 855 300 Quadratmetern bekommen. In den Kreis Soest ragt außerdem das Feld Falke hinein, dass der BNK Petroleum aus dem kanadischen Vancouver am 26. November 2009 zugeschlagen wurde.
Während im Sauerland, in der Börde und im südlichen Ruhrgebiet noch keine konkreten Probebohrungen begonnen haben, steht der Energiemulti ExxonMobil im nördlichen Münsterland (die Kreise Borken und Steinfurt sowie Nordwalde und Drenstein.
Die Bohrung in Nordwalde, um nach dem sogenannten unkonventionellen Erdgas zu suchen, ist bereits beantragt. Dieses unkonventionelle Gas ruht nicht - wie das „normale Erdgas“ - umhüllt in einer Blase, sondern es ist in Gesteinsschichten eingelagert und kann nur mit hohem Aufwand gefördert werden. Dabei wird ein Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien mit Druck in das Bohrloch gepumpt, um den Fels zu spalten und das Gas ausströmen zu lassen.
Und genau diese Fördertechnik stößt im Münsterland auf Kritik. Nicht nur die Anwohner befürchten, dass giftige Chemikalien und radioaktive Stoffe ins Grundwasser gelangen können. Auch der Trinkwasser-Lieferant Gelsenwasser macht Front gegen die Exxon-Bohrungen. Gelsenwasser-Vorstandschef Manfred Scholle teilte mit, er sei „in großer Sorge“. Denn bei der Suche nach heimischen Energiequellen müsse man immer „den Schutz der Ressource Trinkwasser berücksichtigen“.
Bei dieser Auseinandersetzung spielt die Arnsberger Bezirksregierung eine wenig rühmliche Rolle. Denn obwohl sie die Genehmigungsbehörde für die Vergabe der Bohrlizenzen ist, verschickte der zuständige Mitarbeiter zur vermeintlichen Versachlichung der Diskussion „interessante Informationen“ an die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden. Der Pferdefuß: Die vorgeblich objektive Information ist Bestandteil eines Info-Paketes, das der Wirtschaftsverband Erdöl- und Erdgasgewinnung herausgegeben hat. An der Spitze des Verbandes steht zu allem Überfluss auch noch der ExxonMobil-Chef für Europa, Dr. Gernot Kalkoffen.
„Das war etwas unglücklich“, kommentierte Michael Kirchner, Leiter der Abteilung 6 bei der Bezirksregierung Arnsberg und zuständig für die Erdgasprobebohrung, den Brief seines Mitarbeiters gegenüber unserer Zeitung, „hier hat die notwendige Sensibilität gefehlt.“ Das dürfe sich in der Zukunft nicht wiederholen.
Kirchner unterstreicht, dass seine Behörde die weitere Entwicklung genau beobachten werde. Wann und wo Wintershall im Sauerland aktiv wird, entzieht sich allerdings seiner Kenntnis: „Es liegt in der Entscheidungsbefugnis der Unternehmen, wo sie Geld in die Hand nehmen werden.“ Kirchner geht aber davon aus, dass Wintershall oder BNK Petroleum vorher an die beteiligten Kreise und Kommunen herantreten: „Wir können uns nur wünschen, dass die Energieunternehmen in dieser Sache eine offensive, transparente Informationspolitik betreiben.“

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Es würde uns schon freuen, wenn die Genehmigungsbehörde eine solche offensive, transparente Informationspolitik betreiben würde statt Werbemails an Bürgermeister betroffener Städte zu schicken.
Ich befürchte leider das schlimmste...
Ich hab als braver, interessierter Bürger die Website dafür die Website des Umweltbundesamtes konsultiert. Ich war schockiert.
"...Voraussetzung dafür ist allerdings, dass auch die jeweils kompetenten Vollzugsbehörden überhaupt am Verfahren beteiligt werden und auch personell und fachlich derart ausgestattet sind, dass sie die Gewässerschutzbelange effektiv wahrnehmen können."
Da gibt das zuständige Amt quasi zu, dass es nichts zu sagen haben wird - oder zumindest sagen sie, dass sie BEFÜRCHTEN nichts zu sagen zu haben dabei. Sehr sehr bedenklich. Andererseits ein - erleichterndes - Indiz dafür, dass zumindest DIESES Bundesamt nicht auch schon durchsucht ist von sogenannten "LEIHBEAMTEN".
Zitat von oben kann jeder nachlesesen, unter 6.2 zu finden, zweiter Absatz.
http://www.umweltbundesamt.de/chemikalien/publikationen/stellungnahme_fracking.pdf