Elementares Spiel mit dem Erz der Erde
12.08.2010 | 19:01 Uhr 2010-08-12T19:01:00+0200
Meschede/Bad Berleburg.Meschede/Bad Berleburg. Südwestfalen trauert um den großen Bildhauer Ansgar Nierhoff, der kurz vor der Vollendung seines 69. Geburtstages starb. Der in Meschede geborene Nierhoff gilt nicht nur als einer der renommiertesten Bildhauer der Gegenwart. „Er ist einer der führenden Künstler, die das Sauerland hervorgebracht hat“, so Prof. Dr. Carl-Peter Buschkühle, Kuratoriumsvorsitzender des August-Macke-Preises.
Ansgar Nierhoff, am 1. Oktober 1941 in Meschede geboren, hat mit seinen Stahlskulpturen den öffentlichen Raum nachhaltig geprägt. Die Documenta 6 von 1977 machte sein Schaffen auch einer größeren Öffentlichkeit präsent. Nierhoff wurde mit dem Förderpreis des Landes NRW für Bildende Kunst und dem August-Macke-Preis ausgezeichnet. Er starb bereits am 2. August in seiner Wahlheimat Köln, wie erst jetzt bekannt wurde.
Gerade in seiner südwestfälischen Heimat ist Ansgar Nierhoff besonders eindrücklich vertreten. Die Skulptur „Kein leichtes Spiel“ auf dem Waldskulpturenweg zwischen Schmallenberg und Bad Berleburg ist ein weithin prägendes künstlerisches Wahrzeichen. „Für mich ist dieses schwergewichtige ,Kein leichtes Spiel’ die interessanteste Skulptur, weil sie von allen Seiten Spannung hat“, würdigt der Bad Berleburger Otto Marburger, Mitglied im Künstlerischen Beirat des Waldskulpturenweges, den bedeutenden Künstler: „Seine Fähigkeit, den Raum mit seinen Skulpturen zu verweben, ist beeindruckend. Wir sind so traurig.“
Überzeugter Sauerländer
„Er war ein großer Förderer des Waldskulpturenwegs. Zusammen mit seiner Frau war er auch Mitglied des Fördervereins“, trauert Wolfgang Völker, Vorsitzender der Wittgensteiner Akademie und Projektleiter des Waldskulpturenweges. „Prof. Nierhoff hat die erste Skulptur am Waldskulpturenweg kreiert. Das war auch die erste Arbeit, die dem Waldskulpturenweg seine Bedeutung gegeben hat. Nierhoff war der erste, der herausgearbeitet hat, dass Sauerland und Wittgenstein zwei unterschiedliche Kulturen sind, und er hat mit den zwei geöffneten Fenstern die Überwindung von Grenzen sichtbar gemacht.“
HSK-Kreisdirektor Winfried Stork unterstreicht: „Wir können stolz sein, dass das Sauerland einen solchen Künstler hervorgebracht hat, der in einer ganz hohen Liga spielt und überzeugter Sauerländer war.“ Stork ergänzt: „Nierhoff war auch menschlich eine beeindruckende Persönlichkeit, er wusste genau, was er wollte.“
Prof. Dr. Carl-Peter Buschkühle aus Olsberg, Kunstprofessor in Gießen und Kuratoriumsvorsitzender des August-Macke-Preises: „Nierhoff war ein Aushängeschild für das Sauerland. Wenn es um die international bekannten Künstler geht, die das Sauerland hervorgebracht hat, muss er an zweiter Stelle nach August Macke genannt werden.“ Prof. Buschkühle hebt die Schöpferkraft des Meisters hervor. „Im Bereich der Bildhauerei hat sich Nierhoff eine bestimmte Position erarbeitet. Er hatte eine große Materialsensibilität. Er hat neue Werkstoffe wie Edelstahl für die Kunst entdeckt, und er hat diesen Werkstoffen eine neue ästhetische Qualität gegeben.“
Der gelernte Maurer und langjährige Hochschullehrer Nierhoff blieb seiner Heimat verbunden: Siedlinghausen, wo die Eltern herkamen und wo er ein Ferienhaus hatte, den Städten Siegen, Schmallenberg, Bad Berleburg, wo er 2008 unter dem Titel „umFormen und umStellen“ ein spektakuläres Ausstellungsprojekt realisierte.
„Er war durchaus auch Handwerker, jemand der bodenständig ist, eine Persönlichkeit, die Ecken und Kanten hatte“, erinnert sich Buschkühle. „Kein leichtes Spiel“ auf dem Waldskulpturenweg fasziniert ihn: „Es ist das Erz der Erde, was sich da in Nierhoffs Skulptur formt.“
Ein spannender Mann
„Er war unglaublich genau, wusste sehr genau, was er wollte, erfasste intuitiv die richtigen Plätze für seine Skulpturen. Das hat mich immer inspiriert. Er war ein spannender Mann“, trauert Bildhauerkollegin Gabriele Schulz aus Schmallenberg.
„Er war ein Künstler, der seine Kunst selbst in die Hand genommen hat, im wahrsten Sinne des Wortes. Er war ein Gestalter. Ansgar Nierhoff war immer offen für Menschen, er begeisterte auch die Leute, die mit gefalteten Stahlplatten nichts anfangen können. Mit dem Waldskulpturenweg hat er sich identifiziert“, so Rikarde Riedesel, Leiterin des Museums der Stadt Bad Berleburg.
Wolfgang Suttner, Kulturreferent des Kreises Siegen-Wittgenstein: „Er hat nie gegen das Material gearbeitet, er zähmte es. Das ist gerade bei Eisen schwer. Er hat das Eisen auch in den kleinen Formen beherrscht. Das ist ein noch größeres Kunststück. Er war Künstler und Schmied zugleich.“

0mitdiskutieren