Eine Reihe von Misstönen
24.06.2009 | 18:54 Uhr 2009-06-24T18:54:00+0200Hagen. Die Verwertungsgesellschaft Gema und deutsche Konzertveranstalter streiten sich um die geplante Gebührenerhöhung.
Wenn der Ton die Musik macht, dann ist das Verhältnis deutscher Konzertveranstalter zur Verwertungsgesellschaft Gema am Tiefpunkt angelangt. Nicht nur, dass eine Schiedsstelle im Streit um Gebührenerhöhungen schlichten muss, auch der Petitionsausschuss des Bundestages wird über die Sache beraten. Bei der Online-Petition des Parlaments ist gestern die 50 000. Unterschrift eingegangen.
Gebührenerhöhung um 600 %
Die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (Gema) vertritt die Rechteinhaber von Musikwerken wie Komponisten, Texter und Verleger gegenüber deren Nutzer wie Plattenfirmen, Radio- und TV-Sender und Konzertveranstalter. Weil der Gema, die von Kritikern bisweilen als GEZ der Musikbranche bezeichnet wird, die Einnahmen aus CD-Verkäufen weggebrochen sind, hat sie im Februar eine stufenweise Erhöhung der Gebühren für Musikveranstaltungen begonnen. Schrittweise plane die Gema, tönt der Bundesverband der Veranstaltungswirtschaft, eine Erhöhung der Tantiemen um 600 %. „Die Gema wird zunehmend vom ,Kultur-Schützer' zum ,Kultur-Vernichter'”, heißt es in der Bundestags-Petition. Während derzeit Konzertveranstalter 1,5 bis 3,6 % ihrer Einnahmen an die Gema zahlen müssen, könnten es in absehbarer Zeit 15 bis 18 % sein, befürchtet der Verband.
„Das grenzt an Wucher und ist gesetzlich nicht haltbar”, schimpft Fred Handwerker, Geschäftsführer von Handwerker Promotion in Unna, und benennt den Hauptleidtragenden einer Gebührenerhöhung: der Kunde.
Höhere Preise für Konzertkarten erwartet
Er müsse ohnehin schon mehr für Konzertkarten bezahlen als vor Jahren, weil die Künstler als Folge des Einbruchs bei den Plattenverkäufen höhere Gagen für ihre Auftritte verlangten. Jetzt drohen noch happigere Ticketpreise. „Der Kunde ist nicht unendlich belastbar”, warnt Handwerker.
Die Umsetzung der Gema-Pläne hätten auch in der so genannten Subkultur fatale Folgen. „Dort, wo Neues entsteht, wo junge Bands eine Chance bekommen, wird es weniger Konzerte geben, weil Clubbesitzer und andere kleine Konzertveranstalter diese finanziell nicht mehr stemmen können - wenn die Gema-Gebühren höher als die Einnahmen sind”, meint Handwerker. Das betreffe Clubs z.B. oder Kulturzentren, die ohnehin ums Überleben kämpfen, weil die Zuwendungen seitens der Städte und Gemeinden gekürzt wurden.
Im vergangenen Mai hat die Betreiberin der Kulturwerkstatt in Sonthofen (Bayern) eine Online-Petition gegen die Gebührenerhöhung gestartet, die gestern die Zahl von 50 000 Unterschriften geschafft hat. Der Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages wird sich demnächst öffentlich mit den Geschäftspraktiken der Verwertungsgesellschaft beschäftigen.
Keine Änderung für kleine Clubs
Bei der Gema selbst kann man die Anfeindungen nicht verstehen. „Die vielzitierten ,kleinen Clubs' sind von den Tariferhöhungen nicht betroffen”, stellt Vorstandsvorsitzender Dr. Harald Heker klar. Den Kleinveranstaltern komme man durch eine „Vielzahl und Sondernachlässen auf vielen Ebenen” entgegen. Und überhaupt: „Die Urheber waren bislang an den stetig wachsenden Umsätzen der Konzertwirtschaft nicht angemessen beteiligt.”
Über diese Äußerung kann Veranstalter Fred Handwerker nur den Kopf schütteln. „Nur 65 Prozent der Gema-Gebühren gehen an die Rechteinhaber. Und das mit langer Verzögerung.”

0mitdiskutieren