Eine Magna Charta für die Kinder
08.02.2011 | 18:17 Uhr 2011-02-08T18:17:00+0100
Hagen/Wetter. Die Stadt Wetter will - wie alle Kommunen im Ruhrgebiet - beim Einkauf darauf achten, dass die Waren ohne Kinderarbeit hergestellt worden sind.
Am Kaffee will man sich in Wetter nicht mehr verschlucken. Damit das Getränk nicht sauer aufstößt, will die Stadt künftig beim Einkauf nicht mehr allein auf den günstigen Preis achten, sondern vor allem darauf, dass bei Ernte keine Kinder ausgebeutet worden sind.
Wetter hat nun, wie alle Gemeinden des Ennepe-Ruhr-Kreises, wie die Stadt Hagen und insgesamt 53 Kommunen der Metropole Ruhr, eine Magna Charta gegen Kinderarbeit unterzeichnet. Damit haben sich die Kommunen verpflichtet, keine Produkte mehr anzuschaffen, für die Kinder in der Welt leiden mussten.
Also keine Steine für den Gehweg mehr, für die Kinder in Indien schuften mussten. Keine Blumen für die Goldhochzeitspaare , für die Jungen und Mädchen in Südamerika ausgebeutet wurden. Keine Fußbälle aus Kinderarbeit für das Sportfest, kein billiger Orangensaft für den Empfang. Claudia Pempelforth vom Hagener Aller-Welt-Haus kann eine lange Liste von Produkten aufzählen, die „unter dramatischen Umständen hergestellt werden“. Daher hat das Aller-Welt-Haus das Projekt „Faire Metropole Ruhr“ angestoßen, an dem sich dort alle Kommune beteiligen.
Auch wenn das die Städte vielleicht etwas teurer zu stehen kommt. Wetter steht bis zum Jahr 2014 unter Haushaltssicherung, sagt Stadtsprecher Kay Obergfell. Dennoch muss die Stadt, wenn sie Aufträge vergibt, nicht mehr allein dem billigsten Anbieter den Zuschlag geben. Sie kann seit dem Jahr 2009 laut Bundesgesetz auch „soziale, umweltbezogene oder innovative Aspekte“ berücksichtigen.
„Wir müssen mit den Steuergeldern unserer Bürger natürlich sorgsam umgehen“, betont Obergfell. Aber auf Kosten der Kinder will man in Wetter dennoch nicht sparen. „Global betrachtet, geht es uns recht gut“, so Obergfell.
Und so viel teurer muss die Kommunen der soziale Anstand offenbar gar nicht zu stehen kommen, wie man in Düsseldorf bereits vor zehn Jahren herausgefunden hat. Damals musste man in der Stadt neue Feuerwehruniformen bestellen. Und so verlangte man von den Anbietern einfach die Zusicherung, dass ihre Produkte nicht aus ausbeuterischer Kinderarbeit stammten. Während einige Bewerber diese Garantie nicht unterschreiben wollten, waren es ausgerechnet die kostengünstigsten, die sie gaben, berichtet Werner Görtz, Leiter des zuständigen Umweltamtes der Stadt. „Produkte, in denen Kinderarbeit steckt, sind nicht unbedingt billiger als faire Waren“, versichert er und fügt hinzu: „Die Mehrkosten für fair gehandelte Produkte wie Kaffee, Tee und Blumen fallen unter dem Strich nicht ins Gewicht.“ Zumal sich der höhere Preis auch kreativ einsparen lässt: „Dann fällt der Blumenstrauß zur Goldhochzeit für den gleichen Preis künftig eben kleiner aus“, sagt Kay Obergfell.
Schwierig allerdings ist es für die Städte zu kontrollieren, ob das was sie einkaufen, auch tatsächlich nicht von Kinderhänden gefertigt worden ist. Und eine Garantie, dass die Ware ohne Ausbeutung gefertigt worden ist, mag manches Schwarze Schaf unter den Anbietern vielleicht schnell unterschreiben. Daher fordert Görtz: „Es muss - ähnlich wie bei Kaffee und Tee - mehr Zertifizierungen geben, die die Unbedenklichkeit nachweisen.“

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