Ein Blick in die Zukunft des Gesundheitssystems
01.04.2009 | 20:00 Uhr 2009-04-01T20:00:00+0200Neuss. Trendforscher Matthias Horx wagte in Neuss einen Blick in die Zukunft des deutschen Gesundheitssystems. Sein Fazit: Eine Japanisierung ist notwendig.
Das Unternehmen Johnson & Johnson hatte am Dienstagabend zum ersten „Health Community Forum” geladen. Mit dabei waren NRW-Innovationsminister Andreas Pinkwart, die Europa-Abgeordnete Silvana Koch-Mehrin und Bergsteiger Reinhold Messner. Horx' Referat über die Zukunft des heimischen Gesundheitsmarktes zog die 300 Gäste in seinen Bann.
Zweckoptimist
Horx, der allergisch auf das Wort „Kristallkugel” reagiert, ist ein Zweckoptimist. Er blickt frohen Mutes aus der vermeintlichen Talsohle der Wirtschaftskrise zum Gipfel empor. „Alle 30 bis 40 Jahre sorgt eine Schlüsseltechnologie für ein wirtschaftliches Hoch. Der Automobilindustrie folgte die Computertechnologie.” Für eine neue „Boomzeit” stünde nun der Gesundheitsmarkt bereit. Kein anderer sei in den letzten Jahren derart rasant gewachsen. Umfragen hätten ergeben, dass das Verhalten der Menschen immer mehr vom Streben nach Gesundheit geprägt wird.
Lob für das japanische Gesundheitssystem
Horx setzt in Neuss zu einer Lobeshymne auf das Gesundheitssystem in Japan an. „Sie besitzen die aktivsten und gesündesten Senioren der Welt.” Und die seien nicht aus heiterem Himmel gefallen. „Die Asiaten haben bereits vor Jahrzehnten fast alles richtig gemacht. Sie haben erkannt, dass Gesundheit etwas mit Bildung zu tun hat.”
Tatsächlich hat Japan als eines der ersten Länder der Welt Schulfächer eingeführt, die Kindern nahe bringen, wie man sich gesund ernährt und wie wichtig ausreichende Bewegung ist. Nirgendwo gibt es mehr Senioren-Sportkurse.
Die Gesundheitsdiskussion habe, so Horx, im Land der aufgehenden Sonne mittlerweile alle Lebensbereiche erreicht. „Sogar Firmenchefs werden für die Gesundheit ihrer Mitarbeiter haftbar gemacht.” In Tokio finde zudem eine weltweit einmalige Vernetzung zwischen Patient und Mediziner statt. „Gesundheitsexperten sind rund um die Uhr erreichbar. Blutwerte und der Herzrhythmus können durch neueste Software täglich überwacht werden, per Interaktion wird schnellstmöglich reagiert.”
„Nicht ohne meine Laufschuhe.” Matthias Horx
Der Zukunftsforscher fordert Gleiches auch in Deutschland. „Wir mussen weg von einer funktionalen- hin zu einer Erlebnismedizin.” Zu lange habe man in Gesundheitsfragen die USA als Vorbild gesehen. „Die Amerikaner setzten von Anfang an darauf, einen kranken Körper zu reparieren, statt in die Prävention zu investieren.” Nirgendwo werde mehr Geld für High Tech in den Kliniken ausgegeben, nirgendwo lebten in einem Industriestaat mehr Menschen im hohen Alter so kränkelnd wie im Land der unbegrenzten Möglichkeiten.
Vorsorge ist der Schlüssel
Auch in Neuss kommt der Horx'sche Begriff „Selfness” zum Einsatz. So laute das Zauberwort für eine gelungene Vorsorge. Die Deutschen müssten sich von der reinen Wellness verabschieden, von der Zeit des Verwöhnens. Stattdessen sei die bewusste Steuerungsgewalt über Körper, Geist und Seele gefragt.
Horx, ein rhetorisch geschulter Journalist, mixt aus einem alten Weltbild ein neues: Körper, Geist und Seele müssen im Einklang sein. Selfness bedeute, diese „Drei” rechtzeitig zu befriedigen.
Gesundheit als wertvollstes Gut
Jeder Mensch, sagt Horx, der Gesundheit als wertvollstes Gut betrachte, sollte sich selbst einmal fragen, warum er abends statt zu joggen lieber auf dem Sofa vor dem Fernseher liegt. Erst wenn jeder Deutsche zu einer Antwort gelangt sei, sei die Voraussetzung dafür gegeben, sich gut zu fühlen, mehr vom Leben zu haben und sich im Spiegel als einen schönen Menschen wahrzunehmen.
115 Tage im Jahr ist Matthias Horx, so Horx, in Sachen Zukunft zwischen Flensburg und Konstanz unterwegs. „Aber nie ohne meine Laufschuhe”, sagt der Mann, der sich ab und zu Pommes frites und Currywurst gönnt.

17:32
#Beatrice2,
etwas holzschnittartig ist Ihr Bild vom US-Gesundheitsmarkt , und was in diesem Zusammenhang die Wortkeule neoliberal soll, verstehe ich nicht. Auch in den USA, die in der Tat einige gesundheitspolitische Sünden begangen haben, ist seit langem ein Gegentrend zu beobachten. Nirgendwo sonst gibt es so viele Bio-Fetischisten, Öko-Freaks und Alternativmediziner. Man muss halt nur genauer hinschauen oder, wie ich, mindestens einmal im Jahr das Land besuchen. In Deutschland sind die Voraussetzungen sicher besser, weil die Bevölkerung längst erkannt hat, dass man nur gesund bleiben kann, wenn man gesund lebt: kein Nikotin, kaum Alkohol, viel Bewegung, gesunde Ernährung und viel Schlaf. Ist im Grunde banal, oder? Nur lebt es sich nicht immer leicht danach.
12:26
Ab heute nur noch Karotten, Yoga und Ommmmh.... :-))
12:09
Da hat Herr Horx recht. An den USA sollte sich Deutsland beim Gesundheitswesen wirklich nicht orientieren.
Deren System ist neoliberal und ziemlich pervers eingestellt und der Mensch wird eher sterben gelassen, nur um Profite einzufahren!
Die Versicherungen haben in den USA die alleinige und absolute Kontrolle über das Gesundheitswesen.
Michael Moores neuer Film Sicko zeigt die ganze, unglaubliche Wahrheit über das kranke US Gesundheitssystem.