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WP-Jahreskonferenz

"Die Zeitung ist ein lesbares Stück Heimat"

22.11.2009 | 18:41 Uhr
"Die Zeitung ist ein lesbares Stück Heimat"

Hagen. Mitarbeiter der Westfalenpost haben sich am Samstag zur Jahreskonferenz in der Mensa der Feruniversität Hagen getroffen. Mit dabei waren auch Arbeitsminister Karl-Josef Laumann und Medienwissenschaftler Steffen Büffel.

Stimme der Heimat - Echo der Welt. Die Westfalenpost erscheint sechs Mal in der Woche. Frauen und Männer geben ihr ein Gesicht. Lokal, regional, global. Einmal im Jahr treffen sie sich zur Jahreskonferenz: am vergangenen Samstag in der Mensa der Fernuniversität in Hagen. Mehr als eine interne Geschichte.

Mit einer Empfehlung verabschiedet er sich. Ihm sitzt der Schalk im Nacken: „Wenn Sie gut über uns schreiben, sind Sie nah bei der Wahrheit.” Hört, hört. Ein Politiker darf, kann und muss das sagen. Arbeitsminister Karl-Josef Laumann, sein Name ist nicht Programm, erntet Beifall.

Bodenständig

Bodenständig, temperamentvoll und mit Witz versprüht er eine gute halbe Stunde in der Mensa seine Sicht der Dinge und Sorgen, die ihn umtreiben. „Das Schlimmste ist, wir erreichen einen Teil der Bevölkerung nicht mehr. Ein Viertel der Bevölkerung interessiert sich nicht für den Wahlausgang. Viele sehen auch keine Chance mehr, persönlich auf einen grünen Zweig zu kommen. Das kann auf Dauer nicht gut gehen.”

Eine gute Ausbildung für Jungen und Mädchen aus allen Schichten ist für den Christdemokraten das A und O einer stabilen Gesellschaft. „Nur mit Beschäftigung im Niedriglohnsektor lässt sich unser Wohlstand nicht sichern.” Der 52-Jährige fordert angesichts der gegenwärtigen Entwicklung, so seien allein jedes Jahr zehn Prozent der Schulabgänger nicht ausbildungsfähig, ein Ende ideologischer Debatten über die Schulform. „Jedes Modell funktioniert, wenn Eltern, Lehrer und Schüler vernünftig zusammenarbeiten.”

Talfahrt stoppen

Der Zusammenhalt der Gesellschaft ist dem Minister ein Anliegen. Die schwierige Situation der Leiharbeiter - „sie reagieren am flexibelsten und stehen als erste wieder auf der Straße” - kann seiner Ansicht nach nicht so bleiben. „Sie müssen höheres Arbeitslosengeld bekommen, um nicht immer diese Talfahrten zu haben.”

Auch die Frage nach dem fehlenden Nachwuchs lässt ihn nicht kalt: „Wir verlieren heute schon ein Stück Zukunft.” Er sieht die Unsicherheit auf dem Arbeitsmarkt als Bremse für fehlende Familienplanung. „Familien brauchen Sicherheit, das geht nicht mit befristeten Arbeitsverträgen.”

Laumann belässt es nicht bei konkreten Forderungen. Der Minister erklärt die Welt, „die christliche Soziallehre hat den Kommunismus in Griff bekommen, Menschen wie Lech Walesa und Papst Johannes Paul II.”, und glaubt, „dass die Angst vor Aids früher viele Beziehungen mehr gefestigt hat als alle christlich-moralischen Wertvorstellungen”.

Digitale Welt

In eine ganze andere Welt, in die digitale Zukunft, taucht Steffen Büffel die Versammlung ein. Der Medienwissenschaftler klärt über Twittern, Web 2.0 und Crossmedia auf. Begriffe, die in der Branche kursieren und nicht selten für jeden etwas anderes bedeuten. Die Zeitung sieht der 34-Jährige im digitalen Zeitalter nicht auf verlorenem Posten. „Ihre Zukunft ist nicht crossmedial, sie ist lesernah.” Und Papier spielt für ihn nach wie vor eine wichtige emotionale Rolle, sei es Buch oder Zeitung. „Das Umblättern baut jedes Mal Spannung auf. Es gehört beim Lesen einfach dazu.”

Bei der Lektüre der Zeitung zählt der Wiedererkennungswert, ein lesbares Stück Heimat. Um Jugendliche stärker anzusprechen, raten die Volontäre Dennis Jerchow und Ilka Wiese, sich mehr den Themen der nachfolgenden Generation zu widmen. „Auch wenn Jugendliche mit dem Begriff Heimat nicht so viel anfangen können”, sagt Ilka Wiese, „sie leben dort und sind dort verwurzelt. Wir müssen sie mit Geschichten abholen.”

Man lernt nie aus

Stichwort abholen: Mit lesernahem Journalismus der besonderen Art glänzt die Lokalredaktion Arnsberg. Die Chefredaktion zeichnet ihre Serie „Wo drückt der Schuh?” aus. Projektleiter Martin Haselhorst nimmt den Scheck über 1000 Euro in Empfang. Über einen Sonderpreis des Chefredakteurs Bodo Zapp für unermüdliches Engagement dürfen sich Kulturredakteurin Monika Willer und Christoph Vetter, Lokalredakteur in Bad Berleburg, freuen.

Beim Geld darf die Stimme des Verlagsleiters der Westfalenpost, Jan Wachtel, nicht fehlen. Er sieht die WESTFALENPOST nach der Umstrukturierung in der WAZ-Mediengruppe „langfristig auf einem guten Weg”. Daran glaubt Chefredakteur Bodo Zapp auch. „Die durchweg positiven Reaktionen auf die neuen Elemente in der Zeitung, von der Kinderpost bis zur Frage des Tages, geben uns recht. Wir sind lernfähig.” Eine Vokabel, die dem Rektor der Fernuniversität, Helmut Hoyer, ausgesprochen geläufig ist. Der Gastgeber: „Unsere Zahlen zeigen, dass es einen großen Bedarf nach lebenslangem Lernen gibt.”

Joachim Karpa

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