Die Nein-Sager
18.02.2010 | 18:48 Uhr 2010-02-18T18:48:00+0100Hagen. Die Theaterpädagogische Werkstatt Osnabrück bringt Kindern nahe, wie sie sich gegen sexuellen Missbrauch besser schützen können.
Lea hat Alfred zum Knuddeln gern. Alfred ist der Lieblingsteddy der Sechsjährigen. Ein Geschenk von ihrem Onkel. Wenn das Mädchen mit Alfred spielt, ist ihr Onkel oft ganz nah' - und legt seine Hand auf ihren Po . . .
Wie kann man Kinder vor sexuellem Missbrauch besser schützen? Diese Frage stellen sich immer mehr Eltern nicht erst seit den Skandalberichten über Fälle in katholischen Bildungseinrichtungen. Hilfe bietet unter anderem die Theaterpädagogische Werkstatt Osnabrück an. Seit 16 Jahren führt die mittlerweile auf 100 Mitarbeiter angewachsene gemeinnützige Gesellschaft ein interaktives Theaterstück in Grundschulen auf. In NRW, in Deutschland, in Österreich und in der Schweiz. All das in enger Zusammenarbeit mit dem jeweiligen Kommissariat für Vorbeugung vor Ort.
Mein Körper gehört mir
Im aktuellen Stück „Mein Körper gehört mir” wird Dritt- und Viertklässlern spielerisch der Unterschied zwischen dem Ja- und dem Nein-Gefühl erklärt. Zwei Mitglieder der Theatergruppe spielen Alltagssituationen nach und beziehen die Schüler im Rollenspiel mit ein. Das können Annäherungsversuche im Bus, im Park oder im Kinderzimmer sein. Wann Erwachsene zu weit gehen und die körperlichen Grenzen von Kindern verletzen, das steht im Mittelpunkt der Aufführung.
„Die Kinder lernen bei uns, wie sie sich wehren können”, fasst Heike Schönemann die Arbeit der Theaterpädagogischen Werkstatt zusammen. Ihnen werde vermittelt, dass einem ausgeprägten Nein-Gefühl auch ein deutlich ausgesprochenes „Nein” folgen sollte. „Die Kinder erfahren, dass sie Besitzansprüche auf ihren Mund, Beine, Po, eben auf ihren Körper haben.”
Positive Reaktionen der Eltern
Die Vorbehalte dem Theaterstück gegenüber, sagt Heike Schönemann, seien bei den Eltern schnell abgebaut. „Wir stehen auf Elternabenden Müttern und Vätern eineinhalb bis zwei Stunden lang Rede und Antwort. Natürlich wird ihnen auch das Stück vorgeführt.” Die Reaktionen seien fast immer positiv.
Die Reaktionen der Schüler sind die Motivation für die Mitarbeiter der Theaterwerkstatt. „Manchmal öffnen sie sich noch während der Aufführung und berichten unseren Kollegen über Missbrauchsfälle. Wir geben den Lehrern dann Tipps, an wen sich die Eltern der betroffenen Kinder wenden können.”
Nein, ich mag nicht, wie er mich anfasst
Im dritten Teil des Theaterstückes wird ein immer noch tabuisiertes Thema angesprochen: Missbrauch durch einen Verwandten. „Nicht selten sind es gute Bekannte, die eine Situation ausnützen”, berichtet Heike Schönemann. Da helfe nur eines: „Die Kinder müssen lernen, den Mut zu fassen, einer Vertrauensperson offen zu sagen: ,Ja, ich mag meinen Onkel. Nein, ich mag nicht, wie er mich anfasst.'” Werde den Kindern im Gespräch das Gefühl der Mitschuld genommen, breche auch die Macht derer, die sich an ihnen vergehen.
Eltern, rät Heike Schönemann, sollten ihre Kinder ernst nehmen und genau hinhören. Die Tatsache, dass ein misshandeltes Kind in der Regel neunmal um Hilfe bitten müsse, bis es jemanden gefunden hat, der ihm glaubt, sei schockierend.
Heike Schönemanns Tochter hat vor 16 Jahren das erste interaktive Theaterstück der Osnabrücker gesehen. „Und es hat sie tatsächlich etwas stärker und selbstbewusster gemacht”, weiß die 51-Jährige zu berichten. Anderen Müttern empfiehlt sie, früh das Nein-Gefühl ernst zu nehmen: „Ein Fremder sollte einem Kind bei der ersten Begegnung nicht über den Kopf streicheln. Das mögen sie definitiv nicht.”
Weitere Infos: www.theaterpaed-werkstatt.de

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> „Ein Fremder sollte einem Kind bei der ersten
> Begegnung nicht über den Kopf streicheln. Das
> mögen sie definitiv nicht.”
Das mögen Tiere, z.B. Hunde auch nicht. Diese wehren sich mit ihren eigenen Mitteln.
DAS sollte gelehrt werden. Ein Nein, ich möchte das jetzt lieber nicht! hat, glaube ich, noch keine(n) davon abgehalten, seinen/ihren Willen durchzusetzen, um den Trieb auszuleben.
Es mag zwar lächerlich aussehen, wenn sich ein Kind körperlich an einem Erwachsenen vergreift, aber wenn es dabei um Hilfe ruft werden alle wissen, dass nicht das Kind, sondern der Kampfpartner der eigentliche Agressor ist.