Die grüne Basis fremdelt noch
12.02.2010 | 09:30 Uhr 2010-02-12T09:30:00+0100
Südwestfalen. Die schwarz-grünen Planspiele auf Landesebene spalten die Grünen-Basis in NRW. Während der linke Gelsenkirchener Grünen-Politiker Robert Zion mobil macht gegen die schwarz-grüne Option, zeigt sich die Basis in Südwestfalen skeptisch, aber gesprächsbereit.
Naturgemäß offen für eine Koalition mit der CDU gibt sich Peter Gerigk. Der Sprecher des Grünen-Ortsverbandes (OV) Herdecke hätte Schwarz-Grün vor zehn Jahren noch ins Reich der Utopie gewiesen, „jetzt ist das sehr viel näher gerückt”. Aber Gerigk präferiert - wie die grüne Basis durchweg - Rot-Grün und schließt Jamaika - in Herdecke bereits Realität - auf Landesebene aus - wie eigentlich alle Grünen. Letztlich, sagt Gerigk, kommt es auf die Inhalte an.
Das sieht Christian Röner so, Kreisverbandssprecher in Olpe, ähnlich. Drei Knackpunkte nennt er für mögliche Koalitionsverhandlungen: die Bildungspolitik - die Grünen fordern das längere gemeinsame Lernen -, den Atomausstieg und den Verzicht auf den Bau neuer Kohlekraftwerke. Für eine Koalition müsste sich die CDU „schon sehr bewegen”, zweifelt Röner. Dennoch sagt auch er: „Schwarz-Grün ist eine Option.”
Das hat Gründe. Rot-Grün - traut man den Umfragen - ist weit weg, die Erinnerung an die Zusammenarbeit mit der SPD hingegen noch nah - und nicht eben gut. Und die Linkspartei steht nicht hoch im Kurs in Südwestfalen. Rot-Rot-Grün ist für viele eben „keine Option” (Fritz Klocke, Fraktionschef im Olper Rat), auch weil die Linke „zu chaotisch” (Gerigk) ist. Allenfalls sei nicht auszuschließen, dass sich Rot-Grün von der Linken tolerieren ließe, sagt Röner.
„Sehr, sehr skeptisch”, ob Schwarz-Grün funktionieren könne, ist Elke Olbrich-Tripp, grüne Fraktionschefin im Iserlohner Rat. Hamburg gilt ihr als Negativbeispiel, weil sich die Grünen Zugeständnisse in der Bildungspolitik mit dem der Zustimmung zum Kohlekraftwerk Moorburg teuer erkauft hätten. „Grüne Kernaufgabe ist die Ökologie”, sagt Olbricht-Tripp, da dürfe man sich nicht abspeisen lassen.
„Ein bisschen fremd” sei ihr die Zusammenarbeit mit der CDU, meint Ingrid Ketzscher, OV-Vorsitzende in Menden. „Die Sozialdemokraten sind uns traditionell näher.” Dieter Groß geht weiter: „Das passt nicht zusammen!”, sagt das grüne Vorstandsmitglied aus Hagen. Besonders im Blick hat er die Affäre Friedrich, den Umgang mit dem ehemaligen (grünen) Abteilungsleiter im Umweltministerium: „Da denke ich: Oh Weh!”
Pragmatisch geht Thomas Wälter, OV-Sprecher in Arnsberg, mit dem Thema um: „Man wird doch gewäht, um zu gestalten!” Natürlich müssten die Inhalte stimmen, aber Wälter sieht speziell in der Schulpolitik („ein ganz wichtiges Thema”) in der Landes-CDU Bewegung: Wer standortnahe Schulen auf dem Land erhalten wolle, könne das dreigliedrige Schulsystem nicht erhalten, glaubt er.

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