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Zulieferindustrie

Die Auftragsbücher füllen sich wieder

14.04.2010 | 13:00 Uhr
Die Auftragsbücher füllen sich wieder

Hagen. Nach den Auftragseinbrüchen in der Wirtschaftskrise sehen die in Südwestfalen stark vertretenen Zulieferbetriebe wieder Licht am Horizont.

Theodor Lutz Tutmann, Präsident des Hagener Wirtschaftsverbandes Stahl und Metallverarbeitung (WSM) und Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Zulieferindustrie (ArGeZ), äußert sich zu Lage, Perspektiven und Trends in der mittelständisch geprägten Branche.

Westfalenpost: Eine Umfrage der Zuliefer-Verbände in der ArGeZ unter 600 Firmen hat ergeben, dass das Geschäftsklima in Branche so gut ist wie seit drei Jahren nicht mehr. Ist die Krise damit überwunden?

Tutmann: Ich wäre da noch sehr vorsichtig. Wir können sicher feststellen, dass sich der Auftragseingang im ersten Quartal deutlich belebt hat und sich dieser Trend auch im zweiten Quartal fortsetzt. Die Gründe dafür sind zum einen eine sehr erfreuliche Entwicklung im Export und zum anderen, dass die Abnehmer aus der Industrie ihre geleerten Lager wieder aufstocken. Die große Frage ist aber: Wie geht's weiter in der zweiten Jahreshälfte? Wir müssen wieder mit leichten Rückgängen rechnen, wenn die Industrie ihren Lageraufbau abgeschlossen hat. Grundsätzlich glaube ich schon, dass die Marktkrise weitgehend überwunden ist, sehe aber noch deutliche Risiken am Finanzmarkt. Auch steigende Rohstoffpreise bleiben ein Risiko.

Frage: Gutes Stichwort: Die Stahlindustrie schlägt Alarm wegen einer befürchteten Explosion der Eisenerzpreise. Müssen die Stahlverarbeiter nun ihrerseits stark steigende Rohstoffkosten fürchten?

Tutmann: Das Risiko besteht, aber derzeit gibt es noch keinen Anlass die Stahlpreise zu erhöhen. Denn die Preisverhandlungen der Stahlindustrie mit den Erzproduzenten sind noch nicht gelaufen. Anders als bisher kommuniziert gibt es nach unserer Kenntnis nur einen Zwischenabschluss, aber keinen Pilotabschluss.

Frage: Zurück zur Wirtschaftslage: Macht sich der steigende Auftragseingang auch schon in der Beschäftigungslage bei den Zulieferern bemerkbar?

Tutmann: Ja, viele Betriebe konnten die Kurzarbeit zurückfahren oder sogar ganz einstellen. Bei den stahl- und metallverarbeitenden Unternehmen kommen inzwischen mehr als die Hälfte ohne Kurzarbeit aus. Im vergangenen Jahr waren fast alle darauf angewiesen, um ihre Mitarbeiter in der Krise halten zu können. Wo es doch zum Stellenabbau kam, blieb der weitgehend sozialverträglich. Darunter hat allerdings auch die Liquidität der Betriebe gelitten.

Frage: Deshalb brauchen sie neue Kredite von ihrer Bank. Stoßen die Mittelständler hier auf Schwierigkeiten, bahnt sich womöglich so etwas wie eine Kreditklemme an?

tutmann: Die Konditionen sind strammer geworden. Die Banken verlangen von den Betrieben mehr Sicherheiten. Und der ein oder andere erhält deshalb womöglich auch keinen Kredit. Aber von einer generellen Kreditklemme würde ich derzeit nicht reden.

Frage: Die Autoindustrie steht vor einem Strukturwandel. Kleine, spritsparende Fahrzeuge liegen im Trend. Der Elektro-Antrieb wird als Zukunftsmodell propagiert. Sind die Zulieferer dafür gewappnet oder droht ein schmerzhafter Aderlass?

Tutmann: Ich sehe die Entwicklung etwas differenzierter, und ein Aderlass ist derzeit nicht in Sicht. Denn neben dem Trend zu Kleinwagen gibt es auch deutliche Zuwachsraten bei Oberklasse-Fahrzeugen. Beide Segmente werden wachsen. Und der Elektro-Antrieb wird zwar kommen, aber vorerst nur als kleine Markt-Ergänzung. Er wird 2020 Prognosen zufolge nur einen sehr begrenzten Marktanteil von 2 bis 3 Prozent erreichen. Wir dürfen deshalb die anderen 98 Prozent nicht vergessen, die weiter durch Benzin- und Dieselmotoren abgedeckt werden. Diese bieten noch ein erhebliches Optimierungspotenzial hinsichtlich Sparsamkeit und CO2-Ausstoß. Und als Entwicklungspartner der Autoindustrie helfen die Zulieferbetriebe mit, diese Verbesserungen zu erreichen.

Sven Noelting

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