Deutscher Film zeigt Selbstbewusstsein
15.02.2010 | 17:22 Uhr 2010-02-15T17:22:00+0100
Berlin. Anspruchsvoll, selbstbewusst und facettenreich, so stellt sich der deutsche Film einmal mehr auf der Berlinale-Bühne dem internationalen Publikum vor.
Vor zwei Jahren überraschte Doris Dörrie mit ihrem bewegenden Drama „Kirschblüten”. Jetzt hat sie mit leichter Hand und nicht weniger Gefühl die Komödie „Die Friseuse” gedreht. Im Mittelpunkt steht eine stark übergewichtige Frau, die aufgrund ihrer enormen Leibesfülle keinen Job im Friseursalon bekommt. Als eine Optimistin durch und durch wagt sie den Schritt in die Selbstständigkeit, um es allen so richtig zu zeigen.
Gabriela Maria Schmeide spielt diese buchstäblich umwerfende Frau geradezu mit entwaffnender Todesverachtung. Ohnehin schon nicht sonderlich schlank, hat man der Schauspielerin noch ordentlich Kunstspeck unter die Kleider geschoben, und so rollt sie sich, mehr schlecht als recht, durch ein schwierig-schweres Leben, das schon bereits beim Aufstehen erhebliche Tücken birgt.
Plädoyer für Menschlichkeit
„Die Friseuse” ist keineswegs ein Plädoyer für das Dicksein, wohl aber eine Parteinahme für die Menschlichkeit und ein Plädoyer gegen verletzende Vorurteile. Mit Berliner Schnauze und Herz meistert die Hauptdarstellerin ihre Aufgaben voll hinreißender Bravour und herrlicher Situationskomik, die auch noch in anrührenden Niederlagen greifen. Es gibt ja bekanntermaßen wenig zu lachen im Berlinale-Programm; hier kann man es umso herzlicher.
Dagegen vergeht einem das Lachen angesichts des Historiendramas „Henri 4” in Anlehnung an die beiden Romane von Heinrich Mann. In der Produktion von Regina Ziegler hat Regisseur Jo Baier („Stauffenberg”) ein ebenso opulentes wie blutiges Geschehen inszeniert. In den Massenmetzeleien verlieren Tausende ihr Leben; das wird mal in Nahaufnahme, mal in Zeitlupe regelrecht zelebriert.
Dabei geht es um die grauenhaften Kriege zwischen Katholiken und Hugenotten im 16. Jahrhundert, aus denen schließlich Heinrich IV. siegreich hervorging. Glanzvolle Rollenleistungen bieten Hannelore Hoger und Ulrich Noethen als königliches Mutter-Sohn-Gespann, während die Titelfigur mit Julien Boisselier leider deutlich blasser bleibt.
Sorgfältige Kulissen
Dass die Produktion stattliche 18 Millionen Euro gekostet hat, sieht man ihr vor allem an den sorgfältigen Kulissen an, die keine Musketier-Romantik aufkommen lassen. Insgesamt wirkt der Film aber doch weit überdehnt und eben in der brüchigen und nicht überzeugenden Führung des Hauptdarstellers immer wieder hölzern und kaum nachvollziehbar. Das Premierenpublikum zeigte sich enttäuscht bis lautstark empört.
Der Filmemacher Benjamin Heisenberg, Enkel des berühmten Physikers Werner Heisenberg und zudem Absolvent der Filmhochschule München, ist mit der Produktion „Der Räuber” in Berlin vertreten. Heisenberg, ein ernsthafter, aber keineswegs humorloser Regisseur, zeichnet hier eine wahre Geschichte nach, die in den 80er Jahren die größte Polizeiaktion Österreichs nach dem Zweiten Weltkrieg auslöste: Ein vielfacher Bankräuber ist gleichzeitig einer der besten Marathonläufer seines Landes.
„Der Weg ist das Ziel”, bezeichnet Benjamin Heisenberg die doppelte Antriebsfeder des Handelnden, für den das Laufen wie das Rauben Momente größter Anspannung und Erfüllung zugleich sind. Andreas Lust spielt diese gespaltene Persönlichkeit mit großer Überzeugungskraft: „Ich wollte nicht so aussehen wie ein Schauspieler, der einen Marathonläufer nachmacht, es sollte möglichst echt wirken. Dafür habe ich sehr, sehr viel trainiert”, erzählt er.
Ein Phänomen
„Der Räuber” ergreift weder Sympathie für die Hauptfigur, noch richtet er über sie. Hier wird vielmehr ein Phänomen begleitet. Heisenberg, der schon mit seinem Film „Schläfer” international sehr erfolgreich war, wollte auch dieses Mal „keine Action-Ästhetik” drehen, sondern möglichst gewissenhaft eine ungewöhnliche, schwierige Persönlichkeit in all ihrer unberechenbaren, auch gefährlichen Exzentrik nachzeichnen. Das ist ihm hervorragend gelungen.

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