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Altkleidersammlungen

Des Spenders alte Kleider: Drama in drei Körben

11.12.2010 | 12:00 Uhr

Hagen. Eines morgens steht er da. Der blaue Wäschekorb mit dem Loch im Boden und der schriftlichen Bitte: „Wir brauchen dringend Schuhe“. Angeblich caritative Kleider- und Schuhsammlungen sind ein weit verbreitetes Ärgernis. Denn nur selten kann man sich sicher sein, dass die eigene Spende auch wirklich einem guten Zweck dient.

„Die Menschen möchten am liebsten, dass am Ende ein Obdachloser unter der Brücke ihre Kleidung trägt“, formuliert Andreas Voget die Gedanken der Spender. Dabei sei dieser Wunsch utopisch. Nur 40 Prozent der gesammelten Kleider sind noch tragbar, der Rest wird anderweitig verwertet und zu Geld gemacht.

Voget ist der Geschäftsführer des Netzwerkes „Fairwertung“ mit Sitz in Essen. Er kennt sich aus mit den Schwarzen Schafen der Altkleiderbranche. Auch mit ihrem neuesten Trick: den gemieteten Logos.

Seriöse caritative Vereine „vermieten“ ihr Logo, und damit ihren guten Namen, an gewerbliche Altkleidersammler. Diese verleihen ihren Spendenaufrufen, meist sind das Handzettel in Postkästen, so mehr Glaubwürdigkeit. Ungesetzlich sei dieses Vorgehen allerdings nicht, betont Voget. Allenfalls unmoralisch. Und dumm. „Vereine, die ihren Namen hergeben, sind naiv, denn sie können nicht kontrollieren, was damit geschieht“, sagt Voget. Gemietete Logos finden sich auch auf Altkleidercontainern wieder. Ein zweiter, längerer Blick auf das Kleingedruckte lohnt sich also.

Körbe vor Hautüren sind einen „aggressive Sammelmethode“

Bei Haussammlungen sollte man generell vorsichtig sein, rät der Experte. Denn dieses Vorgehen berührt in vielerlei Hinsicht eine rechtliche Grauzone. Weder auf Privatgrundstücken noch auf öffentlichen Flächen dürfen die Körbe oder Tonnen einfach so, ohne Erlaubnis, abgestellt werden. Andererseits dürfen die potenziellen Spender die Wäschekörbe vor ihrer Tür auch nicht behalten.

Die Behörden sind oftmals überfordert mit dieser, so Voget, „aggressiven Sammelmethode“. Meist sind die Zuständigkeiten nicht klar, und es legt sich selten einer nachts auf die Lauer, um die unlauteren Sammler zu erwischen. Anders geht es jedoch in Arnsberg zu. „Dort geht der Fachdienst Gewerbeordnung seit Jahren systematisch gegen gewerbliche Kleider- und Geldsammlungen unter karitativem Deckmantel vor. Mehreren „Vereinen“ untersagte die Behörde das Sammeln durch Ordnungsverfügung“, lobt Fairwertung auf seiner Internetseite.

Ein weiterer Trick der Betrüger: Sie drücken auf die Tränendrüse. „Wenn auf dem Spendenaufruf „Hilfe“ oder „Opfer“ steht, dazu noch ein verfremdetes Symbol bekannter sozialer Einrichtungen, wie ein Kreuz oder eine Weltkugel, sollte man vorsichtig sein“, erklärt Voget. Meist fehle eine genaue Adresse, angegebene Handynummern seien immer besetzt.

Wer sicherstellen möchte, dass abgelegte Kleider tatsächliche Bedürftigen zugute kommen, sollte an bekannte Kleiderkammern vor Ort spenden. Bei Containern sollte man darauf achten, dass es das Logo des Netzwerkes Fairwertung trägt. Damit dürfen sich nur geprüfte Organisationen schmücken. Zudem gehören nur gut erhaltene, saubere und trockene Kleider und Schuhe in die Sammlung. Lumpen werden nämlich entsorgt.

Pia Mester

Kommentare
11.12.2010
13:41
Des Spenders alte Kleider: Drama in drei Körben
von ochottochott | #1

Sehr schön. Allerdings dürfte nicht jeder bereit sein, einen Tag Urlaub zu nehmen, um bei den Öffnungszeiten der DRK-Kleiderkammer eine Möglichkeit...
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Des Spenders alte Kleider: Drama in drei Körben
Des Spenders alte Kleider: Drama in drei Körben
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2010-12-11 12:00
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