Der richtige Mann am richtigen Ort
13.04.2009 | 23:00 Uhr 2009-04-13T23:00:00+0200
Mike Büskens setzt seine Erfolgserie als Trainer von Schalke 04 auch gegen Karlsruhe fort. Doch auf der letzten Strecke der Saison geht es gegen harte Konkurrenz.
Am Ende des Tages schlenderte Mike Büskens im Foyer der Arena auf ein paar Journalisten zu. Er berichtete ihnen, Rafinha sei pünktlich aus Brasilien zurückgekehrt. „Ist das nicht schön”, lächelte er: „Das ist doch mal eine positive Geschichte.”
Die Selbstverständlichkeit, als Berufsfußballer absprachegemäß wieder beim Arbeitgeber aufzukreuzen, war einigen Profis des FC Schalke 04 zuletzt häufiger mal abhanden gekommen. Bitte schön, signalisierte Büskens, hier ist doch nicht alles so schlecht, wie ihr immer annehmt. Ein Schuss Selbstironie schwang in seiner Aussage mit.
Klima verbessert
Zwar ist das Gewitter noch nicht völlig abgezogen, es grummelt noch, aber das Klima hat sich merklich verbessert. Das kleine Hoch über Gelsenkirchen ist ein Verdienst von Büskens. Der 41-Jährige gilt offiziell als eines von drei gleichrangigen Mitgliedern des Trainerteams, doch in Wirklichkeit ist „Buyo”, wie sie ihn in Schalke nennen, das Gesicht und das Hirn dieses Stabes.
Der vorherige Trainer-Assistent muss nicht dauerlächeln, um dunkle Wolken zu vertreiben. Er braucht nur er selbst zu sein: Ein Schalker durch und durch, nicht gekünstelt und nicht verbogen. Büskens ist authentisch. Auch nach der Entlassung von Fred Rutten ist er bei seiner Meinung geblieben, dass der Holländer ein guter Trainer sei. Gegen den Karlsruher SC ließ er die Mannschaft im Rutten-System agieren und kam mit dem 2:0 (1:0) zum zweiten Sieg im zweiten Spiel.
Fundierte Analyse
Anschließend lieferte Büskens eine sachliche, fundierte Analyse, bei der er die Schwächen nicht verschwieg. Er wirkte dabei überzeugend, auch weil er anders als etwa einst Mirko Slomka darauf verzichtete, seine eigene Person hervorzuheben. Damit projiziert er sein Auftreten in der Vergangenheit als Spieler des Klubs nun 1:1 auf seine Tätigkeit als Trainer: Der Linksverteidiger Büskens setzte sich stets bis zur letzten Minute aufopferungsvoll für die Mannschaft ein und wurde so zum Publikumsliebling.
"Orlando Engelaar ist ein Spieler des FC Schalke 04"
Als Mitglied der „Eurofighter” hat er erlebt, was das Ganze erreichen kann, wenn sich die Einzelteile uneigennützig zusammenfügen. Deshalb stützt er den Spieler Orlando Engelaar. Der Niederländer wurde bei seiner Einwechslung in die Karlsruhe-Partie mit heftigen Pfiffen vom Publikum empfangen. Büskens machte nicht viele Worte zum Fall. Er sagte: „Orlando ist ein Spieler des FC Schalke 04.”
Mit diesem schlichten Satz transportierte er eine ganze Philosophie. Büskens ist vor bald zwei Jahrzehnten aus Düsseldorf nach Schalke gekommen, sechs Monate war er zwischendurch mal beim MSV Duisburg und heilfroh, als dieses Intermezzo beendet war. „Ich bin mit dem Schalke-Virus infiziert”, stellte er fest. Der Verein ist für Büskens nicht zuerst ein Wirtschaftsunternehmen, sondern ein Verbund von Menschen, die eine gemeinsame Sache machen. Dazu gehört Orlando Engelaar. Der Niederländer ist ein besserer Spieler als er es bisher zeigen konnte, und Büskens weiß, dass er ihn noch brauchen wird auf der letzten Strecke dieser Saison.
Internationale Startplätze
Denn es steht zwar am Freitag gegen Energie Cottbus eine weitere lösbare Heimaufgabe an, doch danach wird es haarig: Dann stehen Büskens Spitzenteams gegenüber, die ebenfalls um internationale Startplätze kämpfen.
Es mag hart auf hart gehen in diesen Spielen, doch Büskens wird ganz sicher nicht seine Ruhe und Gelassenheit verlieren. Vor vier Jahren lag er mit einer Magen- und Darminfektion mit Blutvergiftung auf der Intensivstation. Sein Zustand war kritisch.
Büskens hatte Glück. Er kam zurück. Nicht aus Brasilien wie jetzt Rafinha, sondern aus der Dunkelheit des künstlichen Komas.

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