„Der letzte Fingerzeig des Opfers an den Täter”
11.08.2009 | 17:41 Uhr 2009-08-11T17:41:00+0200
Arnsberg. Der Mordprozess gegen einen 40-jährigen Familienvater aus Soest vor dem Landgericht Arnsberg ist nach wenigen Minuten auf den 1. September vertagt worden. Der Mann soll vor 22 Jahren eine junge Frau erstochen haben. DNA unter den Fingernägeln des Opfers brachte die Polizei auf die Spur.
Die Staatsanwaltschaft wirft dem Kreisliga-Fußballer Jörg B. vor, nach einer Aufstiegsfeier vor 22 Jahren eine 26-Jährige aus Ostönnen mit 74 Messerstichen umgebracht zu haben. Die Festnahme des Angestellten im Februar 2009, dem die Ermittler mit Hilfe eines neuartigen DNA-Analyseverfahrens auf die Schliche gekommen sein wollen, hat bundesweit für Aufsehen gesorgt.
Also richten sich zahlreiche Kameraaugen auf den Mann im blau-schwarzen Sweatshirt auf der Anklagebank, auf seine Ehefrau auf einem Besucherplatz und auf die Brüder der getöteten Ursula S., die als Nebenkläger dabei sind.
Sechs Monate nach der Verhaftung
Es ist auf den Tag sechs Monate her, dass Jörg B. in seiner Wohnung verhaftet wurde. Und es ist damit die letzte Gelegenheit, die Hauptverhandlung zu eröffnen, ohne eine Frist verstreichen zu lassen (maximal sechs Monate Untersuchungshaft) und damit den dringend Tatverdächtigen auf freien Fuß setzen zu müssen.
Also bittet Richter Erdmann um Verständnis, dass beim Prozessauftakt um den Mord am Hellweg „nur Formalien” kurz besprochen werden („wir können nicht immer eine mediengerechte Durchführung garantieren”) und nennt „interne Gründe” für die Vertagung - womit wohl „zeitliche Abstimmungsprobleme zwischen den Prozessbeteiligten in der Urlaubszeit” und doch wohl nicht etwa Überlastung gemeint sind.
Angeklagter plant eine "knappe Erklärung"
Also kündigt Jörg B.'s Anwalt Frank Klement noch eine „knappe Erklärung” seines Mandanten am 1. September an und entspricht der Richter der Bitte des Angeklagten, mit seiner Ehefrau zehn Minuten unter vier Augen reden zu können: „Ich verstehe die Belastung aller Beteiligten.” Derweil gibt Klement auf dem Gerichtsflur Einblicke in das Gefühlsleben des Soesters, der die Tat weiter von sich weisen wird. „Er ist bedrückt, aber seit er Arbeit in der JVA hat, geht es etwas besser.”
Der Verteidiger zeigt sich zuversichtlich, dass Jörg B. nicht des laut Anklage sexuell motivierten Verbrechens überführt wird. Die DNA-Spur hält er für eine offene Thematik: „Wir werden der Spurengewinnung von Anfang an und der Frage der Sekundärübertragung nachgehen.”
Familie vermutete Mörder in ihrem Umfeld
Wenige Meter weiter stehen die beiden Brüder von Ursula S.. Sie seien „sehr aufgewühlt”, sagt Rainer Köper, Anwalt von Eberhard S., weil sie zum ersten Mal Jörg B. in dem Bewusstsein gegenübertreten, dass er der mutmaßliche Mörder ihrer Schwester ist, dass sie dem Täter über viele Jahre die Hand gegeben haben. „Der ganzen Familie ist es in all den Jahren schlecht gegangen. Sie lebten immer mit dem Gefühl, dass der Mörder aus ihrem sozialen Umfeld kommen muss. Das war allgemeine Meinung” so Köper.
Jörg B. wohnte bis 2004 in unmittelbarer Nähe zum Tatort, der Wohnung von Ursula S. Für die Familie ist der Fall von 1987 bis heute präsent. „Soetwas vergisst man nicht”, sagt Köper. „Ich werde jedem Zeugen nicht trauen, der behauptet, dass er sich an nichts erinnern kann.” Der Anwalt versteht den dringenden Tatverdacht gegen Jörg B. Eine der DNA-Spuren des Fußballers von GW Ostönnen habe man unter den Fingernägeln von Ursula S. gefunden. „Es ist der letzte Fingerzeig des Opfers an den Täter.”

08:57
@sPD Wähler
anscheind habe ich dann doch besser die Zeitung verfolgt wo vorher schon fest stand das am 11.08.09 nur die Anklageschrift vorgelesen wird!
Keine frage es soll der (richtige) Täter verurteilt werden ......und bis jetzt steht noch nix fest!
Wenn ich ein guter Freund wäre hätte ich damit auch kein Problem!!!! Es geht mir halt nur um Gerechtigkeit!!!
23:03
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16:02
@tert65
Warte doch den weiteren Prozess ab. Es sind DNA Spuren von ihm unter einem Fingernagel gefunden worden, das ist richtig. Allerdings muss man abwarten um was für Spuren es hier geht. Ist es eventuell Misch DNA?? Dann würde diese Spur nichts aussagen. Ausserdem hat man die DNA von jemand anderem schneller unter dem Fingernagel als man denkt. Da reichen schon kleine Hautschuppen die sich beim Tanzen unter dem Nagel festsetzen. Und wenn die in dem Fall gefundene DNA Spur deutlicher gewesen wäre hätte man den mutmaßlichen Täter wohl schon längst überführt.
13:53
Die Unschuldsvermutung????? Seine DNA wurde unter den Fingernägeln des Opfers gefunden!!!!!
00:29
zu sPD Wähler:
Warum vertagt das war ein ganz normaler Prozessauftakt wo nur die Anklageschrift vorgelesen wurde !!! Und mehr passiert halt an so einem Tag nicht weiter geht es am 1.9.09!!!
BIS JETZT GILT IMMER NOCH DAS UNSCHULDSPRINZIP HIER IN DEUTSCHLAND!!!
22:37
Warum vertagen ? Prozess gleich fortsetzen und den Täter verurteilen !!!!!
18:34
Dieses „neuartige DNA-Analyseverfahren“ sollte im vorliegenden Strafverfahren mit aller größter Sorgfalt geprüft werden, bevor es zur Verurteilung eines vermeintlichen Täters als alleiniges Indiz dient. Bis in die jüngste Vergangenheit kam es bei den bisherigen DNA-Analyseverfahren mehrfach zu Pannen und auch zu Fehlurteilen.