Der Hase rangiert mit langen Löffeln zwischen Mausi und Spatz
22.04.2011 | 18:12 Uhr 2011-04-22T18:12:00+0200
Soest/Lüdenscheid. Ein Porsche ist kein Omnibus. Nur weil beide Fahrzeuge Räder haben, kann man sie nicht in einen Topf werfen. Das wollte ich Ihnen als Hase schon immer mal gesagt haben. Gerade jetzt, zu Ostern.
Denn ihr Menschen neigt dazu, unterschiedliche Dinge, die sich ähnlich sehen, über einen Kamm zu scheren. Das nervt. Ihr verwechselt mich – also den Hasen – permanent mit meinem weitläufigen Verwandten, dem Kaninchen. Dabei müsst Ihr nur genau hingucken.
Gegenüber dem Kaninchen sind wir Hasen wahre Prachtkerle. Wir bringen als ausgewachsene Mümmelmänner satte fünf Kilo auf die Waage, ein wildes Karnickel gerade mal 1,5 Kilo. Wir haben lange Ohren – der Jäger nennt sie Löffel. Unsere kleinen Verwandten lauschen mit kurzen Stümmelkes.
Wir - Wissenschaftler nennen uns Lepus europaeus - sind Fluchttiere. Darum nennt Ihr schreckhafte oder ängstliche Menschen auch einen „Hasenfuß“ oder ein „Hasenherz“. „Hasen lassen sich nicht auf einen Kampf ein“, weiß Andreas Schneider vom Landesjagdverband NRW, „sie geben Fersengeld.“ „Und das mit einer Spitzengeschwindigkeit von bis zu 80 km/h“, ergänzt Eva Goris von der Deutschen Wildtier Stiftung. Kaninchen suchen ein Versteck. Und noch ein gravierender Unterschied: Wir ziehen unsere Jungen in einer oberirdischen Mulde - der Sasse - auf. Kaninchen graben sich eine Wohnhöhle. Dort kommt ihr Nachwuchs blind und nackt zur Welt.
Gerade jetzt, im Frühjahr, könnt Ihr uns besonders in der Soester Börde gut beobachten. „Dort lebt die größte Hasenpopulation des gesamten Bundesgebietes“, weiß Andreas Schneider.
Menschen, die nach den handfesten Auseinandersetzungen die Kampfarena von uns Rammlern aufsuchten, entdeckten häufig auf den Feldern Gelege von Kiebitzen oder anderen Bodenbrütern. So soll es zu der Mär gekommen sein, dass wir Hasen zu Ostern Eier verstecken. Und bumms – da hatten wir den Stempel „Osterhase“ weg. Ein Irrtum von Euch. Ein gutes Marketing für uns.
Als wir vor einigen Jahren auf der roten Liste der aussterbenden Arten standen, haben sich Jäger und Förster darum gekümmert, dass Ackerrandstreifen mit Wildblumen und -kräutern angebaut wurden. Wir hatten genug zu mümmeln. Das hat unsere Population nach vorne gebracht. Jetzt bedrohen riesige Monokulturen von Pflanzen zur Energiegewinnung aber wieder unseren Speiseplan.
Im Sauerland legte der Orkan Kyrill große Fichtenbestände um. Es entstanden in den einst dunklen Wäldern sonnige Freiflächen, auf denen Kräuter und jungen Pflanzen gedeihen. „Darum finden wir jetzt auch bei uns immer mehr Waldhasen“, erklärt Richard Nikodem vom Regionalforstamt Märkisches Sauerland in Lüdenscheid. Gejagt wird der Waldhase nicht. Bevorzugtes Objekt bleibt auch im Sauer- und Siegerlandland der Osterhase. Und zwar aus Schokolade. Das kann ich als Feldhase nur begrüßen. Schokohasen schmecken am besten. Auch wenn meine Kakaokumpel bei den Ostersüßigkeiten statistisch gesehen mit 27,3 Prozent weit hinter den Schoko-Eiern (43,3 Prozent) rangieren.
Apropos Statistik – Hase wird nur von 8,8 Prozent der menschlichen Paare als Kosewort benutzt. Damit liegen wir genau zwischen Mausi (8,9) und Spatz (8,5).

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