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Der Barzahler als Widerstandskämpfer

20.06.2011 | 17:55 Uhr
Der Barzahler als Widerstandskämpfer
Eilig einkaufen, dann lange an der Kasse warten: Das soll sich ändern.

Hagen.Viel wird erwartet, manches getestet und einiges wieder still beerdigt. Sicher scheint nur ein Trend beim Bezahlen im Einzelhandel: Das Bargeld wird weniger. Alles weitere ist Spekulation.

„Wir haben da nichts in der Schublade“, sagt Karina Brühmann, Sprecherin des Einzelhandelsverbandes Südwestfalen: „Wir schauen, was der Kunde will und was sich durchsetzt. Ob das die Karte oder das Handy ist, wird sich zeigen.“ Im Moment ist noch das alte Lastschriftverfahren, also EC-Karte (die schon lange nicht mehr so heißt) mit Unterschrift, auf dem Vormarsch.

Das ist für den Handel relativ preisgünstig und für manch einen Kunden relativ nervig: Wenn vor ihm mehrere andere stehen, die Kleinstbeträge mit der Karte bezahlen. Das dauert. Aber nicht mehr lange. Wenn es nach den Sparkassen und Edeka geht, die, wie gestern gemeldet, im Februar 2012 in Norddeutschland ein Pilotprojekt starten, das kontaktloses Zahlen per Funkchip erlaubt. 25 Prozent schneller. Immerhin.

Andreas Löbbe, Sprecher des Sparkassenverbandes Westfalen-Lippe, kann erklären wie das funktioniert: „Bei Kleinbeträgen bis 20 Euro muss der Kunde die Karte in kein Gerät schieben, keine PIN eingeben und keine Unterschrift leisten, sondern nur über ein Lesegerät halten. Das funktioniert auch, ohne dass er sie aus der Brieftasche nimmt.“ Also wie eine Einlasskarte, die in vielen Firmen üblich ist. Nachteil des neuen Systems: Der Kunde muss die Karte vorher aufladen. Diese Geldkarten-Funktion wurde bisher kaum genutzt. „Aber bisher hatte der Kunde auch weniger Vorteile dadurch“, sagt Löbbe. Es sei ein Abo wie bei einer Prepaid-Telefonkarte möglich. Bis zu 200 Euro könnten aufgeladen werden.

Wann die NFC-Chips - das steht für Near-Field-Comminication - in Südwestfalen zum Einsatz kommen, kann Löbbe nicht sagen. Die ersten neuen Karten würden frühestens 2012 ausgegeben, im Rahmen des ganz normalen Austauschs, der alle vier bis fünf Jahre erfolgt. Und dann müssen die Händler auch entsprechende Lesegräte anschaffen.

Das ist momentan des Problem bei der schönen Idee vom Zahlen mit dem Handy: Die Hersteller statten sie kaum mit NFC-Chips aus, weil die Händler keine Lesegeräte haben, und die Händler schaffen keine Geräte an, weil die Handys keine Chips haben. Aber alle arbeiten daran. Google, und Apple und Nokia und T-Mobile und Mastercard und Visa. Die Frage ist nur, wer wann das Geschäft macht. In den USA wollte die Kaffeekette Starbucks nicht so lange warten und hat eine App für Smartphones entwickelt. Das Prepaid-Verfahren dazu ist aber recht umständlich.

Nicht alles, was neu ist, geht auch schnell. Wenn Kunden ihre Waren selbst scannen, wie bei Ikea und Real, dauert es eher länger. Aber der Automaten-Check-in am Flughafen klappte auch nicht auf Anhieb so reibungslos. Ein Stellenabbau an den Kassen ist also weiter nicht ausgeschlossen. Rewe geht den umgekehrten Weg und bietet Zusatzdienste an: Wer die EC-Karte zum Bezahlen gezückt hat, kann auch gleich Bargeld mitnehmen.

Andere Systeme scheinen sich nicht durchsetzen zu können: Bereits 2005 startete Edeka in der Pfalz einen Versuch der bargeldlosen Bezahlung per Fingerabdruck. Man hat nicht mehr viel davon gehört.

60 Prozent aller Einkäufe werden sowieso noch mit Bargeld abgewickelt. 118 Euro, davon 6,70 Euro in Münzen enthält das deutsche Durchschnitts-Portemonnaie. Dem Handel beschert das ein Transport- und Überfall-Problem, den Banken ist es ein Dorn im Auge, dass sie an diesen Geldbewegungen so gut wie nichts verdienen. Vielleicht hat deshalb trotz aller Smartphones und Funkchips das Barzahlen doch noch eine Zukunft: Als Akt des Widerstandes gegen die Banken.

Harald Ries

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Kommentare
22.06.2011
07:03
Der Barzahler als Widerstandskämpfer
von SethAC | #2

Ich bevorzuge die Zahlung mit der EC-Karte, aber auch nur bei Beträgen ab ca. 15 Euro (kann natürlich auch mal weniger sein). Wenn vor mir in der Schlange jemand knapp 1 Euro mit der Karte zahlt, sowas nervt ungemein...

Was die Geschwindigkeit betrifft: Zumindest das Verfahren mit der PIN-Eingabe geht meiner Beobachtung nach genauso schnell wie Barzahlen. Ob man nun Bargeld gibt und warten muss bis das ganze Wechselgeld rausgegeben ist oder einfach nur eine Karte ins Gerät schiebt und eine 4-stellige Nummer eingibt. Das Lastschriftverfahren mit der Unterschrift finde ich eher lästig... und Unterschriften sind leichter zu kopieren als eine PIN rauszukriegen.

21.06.2011
10:31
Der Barzahler als Widerstandskämpfer
von FrauJ | #1

Das Barzahlen wird auch einen bestimmten Grund haben: So kann ich beim Einkaufen nur so viel ausgeben, wie ich dabei habe. Weil ich zum Beipiel nicht so viel Geld habe, um ganz ungehemmt einkaufen zu können. Nennt sich auch gesundes Wirtschaften - und wird immer wieder von Haushalts- und Schuldnerberatern empfohlen. Und solange wir nicht alle Millionen auf dem Konto haben und viele Menschen sparen müssen, wird auch das Bargeld nicht weniger werden. Denn auf dem Geldkartenchip kann ich nicht erkennen, wie viel Geld ich noch dabei habe. Das sehe ich dann erst an der Kasse, wenn es zu wenig ist. Und das ist erstens peinlich... und kostet auch Zeit, wenn ich überlegen muss, was ich ggfs. wieder weglegen muss.

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