Das große Tafeln in Berlin
10.06.2009 | 19:01 Uhr 2009-06-10T19:01:00+0200
Berlin. 50 WP-Leser nehmen Platz vor dem Brandenburger Tor. Serviert wird Eintopf, Präsidenteneintopf.
Natürlich gibt es wieder Eintopf, „Präsidenteneintopf”, wie es heißt, was damit zu tun hat, dass Horst Köhler auch kulinarisch Hausmannskost bevorzugt. Es ist freilich der Küchenchef des noblen Berliner Adlon, der das Gericht serviert, wenn am 3. Juli das Präsidentenpaar und 1500 Bürger, unter ihnen 50 WP-Leser, an der „Tafel der Demokratie” Platz nehmen.
An vier langen, weiß gedeckten Tischreihen, um ganz genau zu sein, die vor der Kulisse des Brandenburger Tores aufgestellt werden. Im Freien auf dem Pariser Platz, wenn auch von Zelten überdacht - es soll ja niemand nass werden, falls es wider Erwarten regnet.
Zu feiern ist Köhlers neue Amtszeit, die zwei Tage zuvor begonnen haben wird. Das Schützenkönigspaar aus Olpe kommt zum Gratulieren, das Saxophonquartett „The Chameleon” aus Meschede ist ausersehen, zur musikalischen Begleitung beizutragen, und einige der etwas namhafteren Teilnehmer des Gelages sollen kleine Ansprachen beisteuern, um ihre Wünsche und Erwartungen an die nächsten fünf Köhler-Jahre zu formulieren. Den Schauspieler Mario Adorf wird man da unter anderen zu hören bekommen, den neuen Bahnchef Rüdiger Grube, womöglich auch Adorfs Kollegin Iris Berben und den Fernsehkoch Johann Lafer. Die Tafel, das sei, sagt Klaus Riebschläger, eine „urdemokratische Institution”, eine Gelegenheit für die „Bürger als Träger der Demokratie, mit dem Staatsoberhaupt ins Gespräch zu kommen, politische Repräsentanten und Bürger einander anzunähern”. Ein nobles Anliegen, fürwahr.
In einer Zeit, an die sich kaum noch jemand erinnert, unter den sozialdemokratischen Bürgermeistern Klaus Schütz und Dietrich Stobbe, ist Riebschläger einmal Bausenator in Berlin gewesen. Heute führt er den Vorsitz des Vereins „Werkstatt Deutschland”, der sich seit seiner Gründung 1993 darauf kapriziert hat, allerlei Staatstragendes anzurichten, vom „Prinzip aktiver Community” sprechen die Werkstättler.
Sie haben sich um die Versöhnung von Bonnern und Berlinern bemüht, um die Fusion der Länder Berlin und Brandenburg, dies freilich ohne Erfolg, sie überreichen jährlich eine Nachbildung der Quadriga auf dem Brandenburger Tor an vier Menschen als Preis für „Vision, Mut und Verantwortung”, und vor fünf Jahren, als Köhler ganz frisch ins Amt kam, hat der Verein erstmals eine „Tafel der Demokrate” ausgerichtet.
Wein statt Wasser
Die Idee geht auf eine nette Gepflogenheit aus jener Zeit zurück, als in Aachen und Frankfurt noch deutsche Könige und Römische Kaiser gekrönt wurden, und die guten Bürger der Stadt, während im Rathaus die Fürsten feierten, sich draußen an gebrateten Ochsen gütlich tun durften. Aus den Brunnen floss Wein statt Wasser: Der Souverän bewirtete das Volk. Heute ist das Volk selbst der Souverän und bewirtet seinen obersten Repräsentanten: So soll man sich die Sache vorstellen.
Der Souverän lässt sich das 200 000 Euro kosten, allesamt aus Spenden privater Sponsoren, was Riebschläger gerade in diesen Krisenzeiten ebenso bemerkenswert und erfreulich findet wie den Umstand, dass diesmal 200 Bürger mehr dabei sein werden als vor fünf Jahren.
Der Eintopf übrigens wird schon einen Tag früher gekocht, denn die Regel gilt: Eintopf schmeckt erst am zweiten Tag. Darüber, sagt Küchenchef Christian Müller, habe er sich mit Köhler persönlich verständigt.

22:16
Eintopfsonntag wieder einführen! ( Mindestens für Hartz4 Empfänger der BP gibt zauberhaftes Beispiel)!