CDU setzt Videoprofis auf SPD-Landeschefin Kraft an
16.09.2009 | 18:31 Uhr 2009-09-16T18:31:00+0200Düsseldorf. Gerade erst hat ein Juso-Amateurvideo mit abfälligen Äußerungen von Jürgen Rüttgers (CDU) über faule rumänische Arbeiter bundesweit für negative Schlagzeilen gesorgt. Im Gegenzug hat die CDU Videoprofis auf Hannelore Kraft angesetzt, um „Ausrutscher” der SPD-Landeschefin zu filmen.
Die „Video-Spionage” schlägt in Düsseldorf hohe Wellen. Die SPD bezeichnete die „Schnüffelpraxis” der CDU als „Höhepunkt der Hasskampagne” gegen Kraft. CDU-Generalsekretär Hendrik Wüst wies das zurück. „Bei Veranstaltungen von Jürgen Rüttgers sind immer SPD-Video-Teams präsent. Sie reisen sogar mit SPD-Dienstwagen an. Wenn die SPD anderes behauptet, dann lügst sie”, sagte Wüst.
Eine freie Mitarbeiterin der Düsseldorfer Produktionsfirma „Segami Web.Tv” hatte unter anderem Krafts Auftritt letzte Woche beim Wahlkampf in Herford aufgezeichnet. Dabei hatte die freie Mitarbeiterin verschwiegen, dass sie im Auftrag der NRW-CDU filmt. CDU-Generalsekretär Hendrik Wüst sieht darin eine normale Wahlkampfpraxis. „Bei jeder Veranstaltung, die uns mit Frau zur Kenntnis kommt, sind wir mit der Kamera dabei”, sagte der CDU-Wahlkampfplaner. Der Videobeweis sei der CDU wichtig. „Deshalb machen wir das seit Jahren.”
Die NRW-SPD hält die gelegentliche „Gegnerbeobachtung” zwar nicht für ungewöhnlich. Dass die NRW-CDU die rote Spitzenkandidatin aber seit Jahren permanent professionell „ausspioniert”, darin sieht SPD-General Michael Groschek den unzulässigen Versuch der Einschüchterung. Offenbar verstehe sich die CDU als „Staatspartei mit Allmachtfantasien”. Bei der SPD gebe es keine flächendeckende Beobachtung des politischen Gegners, betonte Groschek.
Für die CDU wird die dubiose Videoüberwachung nun zum strategischen Eigentor. Schon erlebt das fast vergessene Rumänien-Video mit Rüttgers im Internet eine Renaissance. In der SPD ist man nicht unglücklich über die neue Video-Debatte. In Herford nutzte Kraft den „Fauxpass” der CDU-Zentrale: „Neuerdings begleitet mich die CDU durch Kamerateams. Von mir werden sie solche Aussagen wie von Rüttgers nicht hören: Ich denke sie erst gar nicht.”
Grünen-Fraktionschefin Sylvia Löhrmann sprach von „geschmacklosen Kampagnen” des CDU-Generals. Dabei sei bekannt, dass die CDU für eine „flächendeckende Überwachung per Kamera eintritt”. Grüne und FDP lehnen den „Negativ-Wahlkampf” per Video-Überwachung des Gegners ab.
Weil die Mitarbeiter von „Segami Web.Tv” auch am Sonntag bei einem Kraft-Auftritt in der Essener Dampfbrauerei den Auftraggeber nicht nennen wollten, mussten sie den Saal verlassen. Gestern nun gaben sie die CDU als Auftraggeber an. Die CDU hält den Vorwurf der „Retourkutsche” für Rüttgers' Rumänen-Video für unbegründet. Schließlich sei schon vorher per Video das „Geeiere der SPD-Chefin im Umgang mit der Linkspartei entlarvt” worden. Seitdem werden alle Videos für Anti-Kraft-Kampagnen ausgewertet.
Die Video-Firma „Segami” produziert für die CDU-Bundespartei seit dem Stuttgarter Parteitag „CDU-TV”. Für die Union ist das Internet „eine unverzichtbare Ergänzung zu den klassischen Kommunikationsmitteln mit weiterhin wachsender Bedeutung”. Dabei geht es offenbar in NRW vor allem um den Nachweis von Schwächen der politischen Gegnerin Kraft.
