Bundesbürger horten 13,8 Milliarden altes Geld
23.09.2009 | 10:00 Uhr 2009-09-23T10:00:00+0200
Frankfurt/Hagen. Die D-Mark steht bei den Bundesbürgern weiter hoch im Kurs. Knapp acht Jahre nach der Euro-Einführung horten sie Geldscheine und Münzen. Nach Angaben des Bundesverbandes Deutscher Banken handelt es sich um 13,8 Milliarden Mark, davon 6,8 Milliarden Banknoten und 7 Milliarden Münzen.
Das Geld hat für die Besitzer Sammlerwert, oder es sind stille Reserven in geheimen Verstecken, die bisher niemand entdeckt hat. Gleichwohl schmilzt der Bestand des einst so vertrauten Geldes dahin. So hielten die Deutschen Ende 2004 noch 15,17 Milliarden D-Mark zurück.
„Der Umtausch gehört zu unserem täglichen Geschäft”, sagt Arno Hill, stellvertretender Leiter der Filiale der Deutschen Bundesbank in Hagen. „Täglich sind es acht bis zehn Kunden, die D-Mark in Euro umtauschen.” Welche Summen? „Es sind überwiegend kleine Beträge.”
Täglich werden 760 000 D-Mark umgetauscht
Bundesweit gesehen kommt ein hübsches Sümmchen zusammen. „Pro Tag sind es 760 000 Mark”, sagt Gerd Röttger, Sprecher der Deutschen Bundesbank in Frankfurt, „die von 1400 Kunden in unseren 47 Filialen umgetauscht werden.” Der Umtausch zum offiziell festgelegten Kurs von 1,95583 DM je Euro ist kostenlos.
Die Geschichten, die die Menschen am Schalter erzählen, sind nicht selten skurril. Die Deutsche Bundesbank hat eine Sammlung zusammen gestellt, um die Irrwege scheinbar verloren geganger D-Mark Bestände aufzuzeigen.
Da ist der zerstreute Bibliothekar aus Freiburg, der in zahlreichen Büchern Geldscheine versteckt hat, die ihm ab und an zufällig in die Hände fallen und ihm partout nicht einfallen will, nach welchem System er die Scheine verteilt hat oder das Ehepaar aus Dortmund, das 10 000 Mark zur Hochzeit geschenkt bekommt, mit dem Geld eine Reise antreten will, aber die Summe so gut verlegt, dass sie jetzt, elf Jahre nach der Trauung, wieder auftaucht. Röttger: „Die Anekdoten ähneln sich. Die Leute entdecken das Geld beim Aufräumen, bei Umzügen oder Wohnungsauflösungen.”
Pro Kopf 170 DM verschollen
Mit einem vollständigen Rücklauf des ausstehenden DM-Bargeldes rechnet die Bundesbank nicht. Eine erhebliche Menge an Noten und Münzen bleibt verschwunden oder ist vernichtet. So liegen Münzen als Glücksbringer in Brunnen und horten Bundesbürger Scheine aus nostalgischen Gründen. Pro Kopf kommen auf jeden Bundesbürger 170 DM, die seit der Euro-Einführung bis heute verschollen sind oder gesammelt werden. Der Rückfluss bei den Scheinen ist in dieser Zeit nach Ansicht Röttgers durchaus beachtlich: „Ende 2000 waren Banknoten im Wert von 262,09 Milliarden DM im Umlauf. Die 6,8 Milliarden, die noch ausstehen, entsprechen damit lediglich rund 2,6 Prozent des damaligen Banknotenumlaufs.”
Fleißig beim Einsammeln der D-Mark hilft das Bekleidungsunternehmen C & A. Seit November 2004 kann die Ware in den 450 Filialen wie zu alten Zeiten mit D-Mark bezahlt werden. „D-Mark ist für uns kein Problem. Die Leute wissen im Zweifel eher wo eine C & A-Filiale ist als die der Bundesbank”, sagt Unternehmenssprecher Thorsten Rolfes. „Und an der Kasse wird die D-Mark wie eine Fremdwährung gehandelt. Das ist für die Kassiererin ein Tastendruck.” Im Jahr kommen so gut zwei Millionen Mark zusammen.

0mitdiskutieren