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Ultimate Fighting

Blut, Bier und Busen

14.06.2009 | 17:16 Uhr
Blut, Bier und Busen

Köln. Die Prügelei dauert fünf Stunden. Den 12 600 Zuschauern tut es nicht weh. Für sie ist die umstrittene Deutschland-Premiere von Ultimate Fighting in der nicht ausverkauften Kölner Lanxess-Arena am Samstagabend ein Riesenerlebnis.

Ihre Begeisterung gehört den Kämpfern im Käfig. Eine Geschichte über Blut am Boden, Bier im Bauch und Busen im Blick.

Es fängt nicht gut an. Bei der Parkplatz-Suche eskortiert eine Motorrad-Staffel den Wagen: Willkommen. Die Hell Angels Cologne fahren vor. Rocker auf zwei Rädern. Ihr Auftreten riecht nach Gewalt - und Benzin. Keine Bange. Aussteigen.

Maschendraht trennt Zuschauer und Kämpfer

Elf Minuten später geht es in der Arena richtig zur Sache. Acht Meter und ein Käfig aus mannshohem Maschendraht trennen den Beobachter von den Akteuren. Mittendrin. Der Sitz ist noch nicht warm, da fließt Blut. Die Nachbarin, sie berichtet für einen privaten Radiosender, sackt auf ihrem Platz zusammen: „Ich kann kein Blut sehen.” Es ist der zweite von zwölf Kämpfen.

Gnadenlos traktieren sich die Gegener beim Kampf im Käfig mit Fäusten, wie hier Cheick Kongo (Frankreich) und Cain Velasquez am Samstag in der Kölner Lanxess-Arena. Foto: ddp

Dem Holländer Stefan Struve, ein 2,11-Meter-Mann, pulsiert es aus einer Wunde auf der Stirn. Sein Gegner Denis Stojnic schlägt zu. Gnadenlos traktiert er mit seinen Fäusten den Schädel seines Gegners. Gesicht und Oberkörper sind blutüberströmt. Stopp. Der Ringarzt schaut nach - und weiter. Die Menge raunt und johlt. Das Spektakel ist nach ihrem Geschmack.

Vier Kameramänner liefern für die sechs Videoleinwände in der Halle die Bilder. Jede Einzelheit. In der Wiederholung, gerne in Zeitlupe, gibt es die brutalsten Szenen noch einmal und noch einmal. Hautnah. Jeder Treffer lässt das vornehmlich männlich bestimmte Publikum mitleiden. In der Mehrheit sind es Briten, US-Amerikaner und Kroaten. Viele mit viel Muskeln, vielen Tätowierungen und überschaubarem Haaransatz. Sie ähneln ihren Helden im Octagon. So nennen die Kampfsportler ihren Käfig. Umkreist wird er von vollbusigen und leicht bekleideten jungen Frauen. Sie stellen sich zur Schau und ein Schild mit der Rundenzahl. Eine von ihnen ist Logan Stanton. Was sie mag? „Ein schönes Lächeln, Selbstbewusstsein, Intelligenz und Humor.” Was sie will? „Ich will alles erreichen.

Regel 29: Feigheit vor dem Feind ist untersagt

Das wollen die Gladiatoren auch. Ihre Art, gewalttätig gegen Honorar miteinander umzugehen, bezeichnen sie als Mixed Martial Arts: eine Verbindung aus Boxen, Ringen, Judo, Taekwondo, Jiu-Jitsu und Kickboxen. Barfuß, ohne besonderen Schutz für den Körper, gehen die Männer mit abgeschnittenen Boxhandschuhen aufeinander los. Ein Ringrichter passt auf. Es gelten 31 Regeln. Kopfstöße, Tiefschläge, Fingerstiche in Körperöffnungen sowie Abwürgen der Luftröhre sind verboten. Ungewöhnlich ist Regel 29: Feigheit vor dem Feind ist untersagt. Wer ausweicht, spielt Foul. Das Einschlagen auf den am Boden liegenden Gegner ist erlaubt.

„Ein guter Schiedsrichter ist wichtig”, sagt Patrick, „sonst bringen sie sich noch um.” Der 24-jährige Schweizer, seinen Hausnamen will er nicht in der Zeitung lesen, ist mit seinem Freund aus Zürich angereist. „Für die Karte habe ich 170 Euro bezahlt. Es hat sich gelohnt. Die Atmosphäre ist super.” Die Eintrittspreise liegen zwischen 54,50 und 285 Euro.

Die Kämpfer sind freiwillig da

Wenige wollen mit einem Medienvertreter sprechen. Auch macht der Alkohol die Zunge schwergängig. Farrah Berlin, 26, aus Los Angeles, sieht es locker: „Ich liebe es.” Die Kritik an Ultimate Fighting findet sie übertrieben. „Die Menschen wissen, was sie erwartet. Wenn sie es nicht sehen wollen, gehen sie eben nicht hin. So einfach ist das.” Warum sich Gedanken machen? Die Kämpfer sind freiwillig da, die Zuschauer auch - und es gibt Geld. Der Mannheimer Dennis Siver kassiert 8000 US-Dollar für seinen Sieg über Daile Hartt. Und am Ende haben sich alle wieder lieb.

„Es war eine große Schau, Boss”, sagt Wanderlei Silva bei der Pressekonferenz an die Adresse von Dana White, Chef von Ultimate Fighting Championship. Das US-Unternehmen macht jährlich einen Umsatz von 250 Millionen US-Dollar. White regen die Proteste in Deutschland gegen die Veranstaltung nicht auf. „Bei Kontaktsportarten gibt es Verletzungen. Das passiert.” Weit nach Mitternacht gibt es im Umfeld der Halle Pöbeleien. Ein britischer angetrunkener Hüne packt den Medienvertreter auf dem Weg zum Wagen an den Kragen. Einfach so. Spaß? Nein. Seine Kumpane beruhigen ihn. Es hört nicht gut auf.

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Joachim Karpa

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Kommentare
07.10.2010
12:31
Blut, Bier und Busen
von Sven traube | #4

In Deutschland ist alles erlaubt, haupsache der rafgierige € rollt. Ist doch nicht schlim, wenn die Jugendlichen gewaltätig und saufen. Der Staat und die Polizei ist schon lange überfordert.

26.02.2010
22:52
Blut, Bier und Busen
von Gulli | #3

1. Sich prügelnde Protagonisten, die zum Ziel haben, den Gegner zu verletzen, betreiben keinen Sport, sondern erliegen einer archaischen Wettkampfkultur, die es in der Form nicht mehr geben dürfte. Und kein noch so wohl formliertes Argument kann darüber hinwegtäuschen, dass hier mit niedrigsten Instinkten und Voyeurslust gespielt wird.

2. Ausbildung schützt vor Dummheit nicht. Ganz egal, wer da in die Arena steigt: Alle Tassen kann er nicht mehr im Schrank haben.

3. Schlimm, dass es Leute gibt, die so etwas unterhaltenswert finden. Hier findet man die wahre römische Dekadenz.

14.06.2009
21:44
Blut, Bier und Busen
von RoC | #2

Hier redet ja einer vom Fach. Wieso ist jeder der sich im Käfig haut, gegen jemand anderes der auch Freiwillig da ist ein Vollidiot ? Der Sieger von gestern war übrigens Rich Franklin - ein Mathematiklehrer von Beruf ( bevor er Profi wurde )
Waren die Mathematiker nicht immer die Menschen, die von allen als schlau betitelt wurden ?
Die Sache ist einfach - das eine hat mit dem anderen wenig zu tun - Man kämpft um zu schauen ob sich sein training lohnt. Es ist der Stolz den man ernten kann.
Natürlich war der Kampf Struve - Strojnic sehr hart.
Struve wusste sich am Boden nicht gut zu verteidigen und Strojnic nicht anzugreifen.
Eine Rangelei war die Folge mit leider Platzwunden an Struves Kopf.
Fans des Sportes ( wie ich einer bin ) sehen diesen Kampf nicht als super an weil viel Blut floss. Dieser Kampf zeigte die Willenskraft von Struve in der UFC weiterhin kämpfen zu dürfen.
Beide Kämpfer hatten ihr erstes Match verloren und mussten gewinnen um zu bleiben.
Dort ging es um den Traum der beiden.
Die meisten hätten sich einen Sieg durch einen Hebel gewünscht, so dass der Gegner aufgeben muss.
Das Event wurde nicht erlaubt weil Politiker Schelme sind. Nein. Es wurde einfach von der Arena und Köln zugestimmt, ohne dass sich einer viele Gedanken gemacht hat.
Von daher ist es für alle Fans aus Deutschland sehr schmerzlich gewesen, dass ein Kampf von zwölf blutiger war als es ein durchschnittskampf im Boxen ist. Das gab den Nachrichtenagenturen genau dass, was sie brauchten um zu hetzen.
Echte Fans und Sportler trinken kein Bier, echte Fans interessiert nicht ob es Busen zu sehen gibt und echte Fans sehen nicht gerne jemanden der sich Verletzt.
Wie überall kann man aber vorher nicht selektieren wer zuschauen darf und wer nicht.
- Ein abgehobenes typisches Beispiel meinerseits - Auf der Straße fahren viele Autos - einige fahren zu schnell und riskieren Ihr und das Leben der Mitmenschen. Dort können auch nicht alles Raudis ausgebremst werden.
Das ist auf der Straße so, das ist beim Fußball so und das allgemein so, wenn viele Menschen auf einem engen Raum versammelt sind.
Ich danke fürs lesen und diskutiere bzw. erkläre auch gerne vielen etwas von diesem Sport.
einfach eine email an rayofcommand@gmail.com

14.06.2009
18:52
Blut, Bier und Busen
von dasgibsdochgarnich | #1

Kaum zu glauben: Da schlagen sich ein paar Vollidioten die Fresse ein und dieser fragwürdigen Inszenierung schauen tausende ebenso Vollidioten für viel Geld zu.
Und das nicht in Dumpfbackencountry Texas oder Null-IQ-Town Las Vegas. Nein ! Hier, ja hier in good old Germany, Land der Dichter und Denker!!
Tja, RTL ,9-Live & Co sei Dank ist es nun soweit: Das Volk zeigt mehr und mehr von dem, zu was es geworden ist: Schön blöd, abgestumpft, hohl wie ne Nuss.
Ach ja, und wo waren die eigentlich sonst so schnellen Behörden? Warum konnte diese Metzelorgie hier stattfinden, wo doch sonst jedes Paintballturnier, Zwergenweitwerfen und Peepshow wegen angeblicher Unsittlichkeit, Gewaltverherrlichung und Verstoß gegen Menschwürde verboten wird?

Tja, da scheinen doch wohl wieder ein paar Politiker und Beamte sehr großzzügig gewesen zu sein. Warum wohl? Ein Schelm, der Böses dabei denkt...

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