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Beziehungskisten

12.02.2010 | 17:23 Uhr
Beziehungskisten

Es war Liebe auf den ersten Blick.

Manchmal muss man einfach von Beziehungskisten erzählen. Dieser Typ ist ein Traum. Er ist aus hartem Holz geschnitzt, also robust und kultiviert zugleich. Den muss ich haben.

Monika Willer WP-Sängerforum, Foto: Birgit Helmers

 

Doch wie das so ist: In guten Partnerschaften sollte man sich den Kerl immer ein wenig zurechtschrauben, bis der Alltag harmonisch und zur gegenseitigen Zufriedenheit funktioniert. Ohne Kompromisse wird die Sache nicht laufen, soviel ist von Anfang an klar. Deshalb habe ich allzuhohe Erwartungen bezüglich der Bauart und der Ausführung rasch zurückgesteckt. Dafür ist er zuverlässig, das zählt doch auch.

Ingolf, so heißt der Auserwählte, zeigt sich im Gegenzug entgegenkommend, wenn es um meine persönlichen Bedürfnisse geht. Ich brauche nun mal ab und zu eine Auszeit. Dann lehne ich mich gerne an. Ingolf hat dafür Verständnis. Er ist flexibel und belastbar. Und er hat starke Arme.

Im Prinzip bin ich glücklich. Wer wollte allerdings verschweigen, dass mir Ingolfs Beine von Anfang an nicht wirklich gefallen haben. Sie sind nicht gleich lang. Das kommt vor. Nun könnten Sie einwenden, dass es doch in Beziehungen nicht in erster Linie auf das Aussehen und schon gar nicht auf das perfekte Fahrgestell ankommt. Die inneren Werte sind es, die zählen. Standfestigkeit und Ehrlichkeit sollten mehr Punkte bringen als eine polierte Außenfassade und ein gelacktes, allzu selbstbewusstes Auftreten.

Nun bin ich aber nicht die Sorte Frau, die aus ihrem Herzen eine Mördergrube macht und taktvoll den Mantel des Schweigens über allzu offensichtliche Mängel bereitet. Was raus muss, muss raus. Und schon ist er da, der erste Zweifel am verträglichen Zusammenleben. Ingolfs Beine sind ganz und gar nicht schönzureden. Klar, man kann sich die Männer nicht backen, sonst liefen viele von ihnen in anderer Erscheinungsform herum.

Und man soll bei Konflikten auch nicht gleich den Hammer aus der Werkzeugkiste holen. Aber genau das tue ich jetzt, denn ich bin es leid. Ingolf kriegt einen mit dem Akkuschrauber auf die Mütze, pardon auf die Beine. Hier ein wenig drehen, dort ein wenig anziehen. Siehe da. Geht doch, passt und sitzt. So wie ich auf meinem neuen Armlehnstuhl der Marke Ingolf vom schwedischen Selbsterfahrungs-Unternehmen in Sachen hölzerner Beziehungskisten.

Monika Willer

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