Ben Stiller in "Greenberg" - wie ein Stadtneurotiker
30.03.2010 | 17:12 Uhr 2010-03-30T17:12:00+0200
Hagen. Bei den Berliner Filmfestspielen im Februar gehörte der New Yorker Regisseur Noah Baumbach mit seiner Produktion „Greenberg” zum engeren Favoritenkreis um den Goldenen Bären. Obwohl es zum Sieg nicht gereicht hat, ist der Film dennoch sehr sehenswert.
Die melancholische Komödie steht deutlich in der Tradition von Woody Allens „Stadtneurotiker”, und wer an einem solchen Stoff Freude hat, wird auch „Greenberg ” unmittelbar lieben.
Ben Stiller, in vielen Rollen ein eher abgedrehter Komödiant, spielt hier den leisen, unsicheren Aussteiger. Eine ordentliche Depression hat er gerade hinter sich, und nun will er erst einmal im Hause seines Bruders dem süßen Nichtstun nachgehen. Eine Leidenschaft verfolgt er aber immherhin doch: Er befeuert Einrichtungen, Unternehmen und Privatleute pausenlos mit Beschwerdebriefen, denn dieser Roger Greenberg kann sich über alles und jeden herrlich aufregen.
Kaum lebenstüchtigere Existenzen
Regisseur Baumbach zeichnet ein Menschenbild am permanenten Rand des neuerlichen Zusammenbruchs, und er führt diesen Roger Greenberg mit anderen Existenzen zusammen, die ihrerseits kaum lebenstüchtiger sind. Hier treffen sich Überlebenskünstler wider Willen, weitgehend talentfreie Alltagsbewältiger, die sich und anderen andauernd im Wege stehen.
Das ist hinreißend hilflos und anrührend ohnmächtig, was die Zufallsgemeinschaft um Greenberg da anstellt, wie sie sich behutsam einander nähern, sich immer wieder abstoßen und irgendwie doch nicht loslassen können.
„Das Leben ist eine einzige, nicht enden wollende Krise” könnte ihr Motto sein, dem sie zwanghaft nachfolgen müssen. Dabei haben die Charaktere zumeist schon die Lebensmitte durchschritten. Erfolg, privat oder beruflich, haben sie allerdings auf ihrem Konto noch nicht verbuchen können. Sie scheuen sich geradezu kollektiv, Verantwortung zu übernehmen, Bindungen einzugehen, Disziplin und Ordnung in das eigene Alltagschaos einkehren zu lassen.
Mit viel Sympathie für die Gestrandeten
Kinostart: 1. April 2010
Regie: Noah Baumbach
Darsteller: Ben Stiller, Greta Gerwig, Rhys Ifans, Jennifer Jason Leigh und andere
Das alles wird mit viel Sympathie für die Gestrandeten vorgestellt, aber es bleibt auch noch eine Menge Platz, sich darüber zu wundern und zu schmunzeln. Nicht auf der Ebene des Auslachens, wohl aber des amüsierten Mitempfindens entwickelt dieser Film seine ganz besondere Ausstrahlung.
„Greenberg” zeigt exemplarisch, wie das Leben läuft, wenn es eigentlich doch weitgehend misslingt: Es läuft eben dennoch weiter, irgendwie.
Für strukturierte Menschen ist „Greenberg” ein bestaunenswertes Verhaltensbilderbuch, das sie Seite um Seite mit dem ewig gleichen Kommentar umblättern: „Nur gut, dass ich nicht so bin.” Aber keine Frage, es gibt solche Typen wie Roger Greenberg.

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