Beim Finanzberater AWD sind 60.000 Kundendaten verschwunden
16.10.2009 | 17:46 Uhr 2009-10-16T17:46:00+0200
Hagen. Datenskandal beim Finanzdienstleister „Allgemeiner Wirtschafts-Dienst” (AWD) aus Hannover: Wie der Norddeutsche Rundfunk mitteilt, wurden dem Hörfunk „NDR Info” 27 000 Datensätze des „unabhängigen Finanzoptimierers” zugespielt.
„Diese Excel-Tabellen enthalten 60 000 Vertragsangaben mit vertraulichen Daten wie Kundennummer, Adresse, Telefonnummer, Berufsbezeichnung, Geburtstag und die Abschlüsse der einzelnen Kunden”, berichtet Sofie Donges von NDR Info. Besonders brisant für die Leserinnen und Leser unserer Zeitung: Die Kundendaten stammen fast alle aus Nordrhein-Westfalen. Sofie Donges: „Aber es gibt auch einige Norddeutsche Adressen.”
Veraltete Daten
Der AWD hat bestätigt, dass es sich um Daten seiner Kunden handelt. Allerdings seien sie veraltet („Die jüngsten der uns übermittelten Daten stammen aus dem Jahr 2001”) und sie enthielten keine „sensiblen Fakten” — also Konto- oder Bankverbindungen. AWD habe Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Eine interne Task-Force soll ermitteln, wie die Daten in die Öffentlichkeit gelangen konnten.
Ärgerlich
Sofie Donges, die Datenhändlern gemeinsam mit ihrem Kollegen Jürgen Webermann bereits seit einem Jahr auf der Spur ist, will sich dazu nicht weiter äußern. Niedersachsens Landesdatenschutzbeauftragter Joachim Wahlbrink räumt ein, dass die Datenweitergabe ärgerlich für die betroffenen Kunden ist. Bettina Gayk, Pressesprecherin der Landesbeauftragten für Datenschutz in NRW, sieht es eben so nüchtern: „Das Kind ist in den Brunnen gefallen. Sind die Daten einmal im Umlauf, kann sie niemand mehr zurückholen.”
Ernster Vorfall
Trotzdem dürfe nach diesem „ernsten Vorfall” nicht einfach zur Tagesordnung übergegangen werden. NRW-Bürgerinnen und Bürger, die Kunden beim AWD seien, sollten bei ihrem Finanzberater nachfragen, ob sie zu den Verbrauchern gehören, deren Daten weitergegeben wurden. Nur so könnten sie sich davor schützen, bei Auslaufen ihres Vertrages nicht von anderen — eventuell zweifelhaften - Geldanlegern überrannt zu werden.
Auch wenn die Daten alt seien, laufe ein großer Teil der Verträge noch. Das mache den Datensatz interessant. Denn so könne man die Menschen gezielt anrufen und aus dem Datenwissen unumwunden Kundenaquise betreiben.
Datenschutzgesetz
Bettina Gayk zieht nach der AWD-Datenpanne den Schluss: „Unternehmen, die sensible Daten besitzen, müssen sie auch entsprechend schützen.” Das Datenschutzgesetz sei unzureichend und müsse reformiert werden: „Es geht noch von Zeiten aus, zu denen Großrechner in Räumen standen, die abends abgeschlossen wurden.” Heute könne jeder kinderleicht eine Fülle von Daten auf einen Stick laden und unbemerkt aus der Firma transportieren.

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