Bedenken der Bürger liefern den Zündstoff
21.03.2011 | 18:26 Uhr 2011-03-21T18:26:00+0100
Dortmund/Arnsberg.Nordrhein-Westfalen ist reich. Reich an Erdgas. Auf 2200 Kubikkilometer wird das Vorkommen geschätzt. Energiekonzerne wetteifern um die Förderung. Die ersten Probebohrungen im Münsterland sind umstritten. Nach dem Vorbild von Stuttgart 21 lädt die Bezirksregierung Arnsberg zum Runden Tisch nach Dortmund ein.
Der ehemalige WP-Chefredakteur Bodo Zapp macht wie Christdemokrat Heiner Geißler in Stuttgart den Moderator. Der 67-Jährige moderiert den Austausch der Informationen unter den 80 geladenen Gästen.
So äußern sich in einem inneren Kreis sieben Experten zu bohrtechnischen, geologischen, toxikologischen und hydrogeologischen Fragen - im äußeren Kreis verfolgen Vertreter aus Politik, Verwaltung, Wissenschaft, Bürgerinitiativen und Exxon Mobil das Gespräch, bringen sich ein.
Die Diskussion wird aufgezeichnet und soll ab Donnerstag auf der Internetseite der Bezirksregierung zu sehen sein (www.bra.nrw.de).
Mögliche Gefahren bei der Suche nach Gas beschäftigt gegenwärtig in der Hauptsache das Münsterland. In Stemwede (Kreis Minden-Lübbecke) ist eine Probebohrung genehmigt worden. Für Nordwalde (Kreis Steinfurt)ist der Antrag gestellt und für Borkenwirthe (Kreis Borken) und Drensteinfurt (Kreis Warendorf) sind Vorhaben angekündigt. Der Widerstand in der Bevölkerung wächst. Ihre Sorge: Das Grundwasser wird bei der Probebohrung mit der so genannten Fracking-Methode verseucht.
Beistand bekommen die Gegner vom Chef der Gelsenwasser AG, Manfred Scholle: „Hierbei wird ein mit Chemikalien versetztes Wasser-Sand-Gemisch mit hohem Druck in den Untergrund gepresst, um das Gestein aufzusprengen und so das Gas frei zu setzen.“ Bei jeder Bohrung würden dem Frackwasser „etwa 50 Tonnen Chemikalien zugesetzt“.
Mit den geplanten Probebohrungen an der Ruhr und im Münsterland würde die Wasserversorgung von Millionen Menschen gefährdet. Scholle: „Das können wir so nicht hinnehmen.“ Er fordert eine gründliche Auseinandersetzung mit dieser Technologie. „Wenn dieses Verfahren für nicht zulässig erklärt wird, brauchen keine Probebohrungen genehmigt werden.“
Derzeit liegen der Bezirksregierung als zuständiger Bergbehörde 29 Anträge zum Aufsuchen von Erdgas in Nordrhein-Westfalen vor.

0mitdiskutieren