Barrierefrei gegen das verstaubte Zug-Image
05.12.2007 | 16:14 Uhr 2007-12-05T16:14:00+0100
Hagen. Mit 17 modernen und barrierefreien Schienenfahrzeugen startet der Privatbahnanbieter Abellio am 9. Dezember im Ruhr-Sieg-Netz.
Vor rund einem Jahr hat Abellio Rail NRW den Vertrag für den Betrieb des Ruhr-Sieg-Netzes unterzeichnet. Jetzt, pünktlich mit dem Fahrplanwechsel, löst Abellio am 9. Dezember die DB Regio NRW auf den Linien RE 16 (Essen-Siegen), RB 91 (Hagen-Iserlohn/Siegen) und RB 40 (Essen-Hagen) ab. Für die Bahnkunden bedeutet das in erster Linie mehr Komfort. Trotzdem wird es unabhängig von Abellio im VRR-Netz zu Kürzungen kommen. Klimaanlage, Fahrkartenautomaten, Videoüberwachung, großzügige Mehrzweckbereiche, Laptopanschlüsse und Barrierefreiheit: 17 neue Triebwagen des Typs Flirt schickt Abellio in das Ruhr-Sieg-Netz und soll damit auch das verstaubte Zug-Image aufpolieren. Darüber hinaus wird besonders die Stadt Iserlohn von einer neuen Bedienungskonzeption des Ruhr-Sieg-Netzes profitieren: Künftig wird eine Trennung und Zusammenführung der Linien RB 91 und RE 16 am Bahnhof Letmathe stündlich eine direkt Anbindung an Hagen und Essen ermöglichen. Mit dieser Lösung wird Abellio rund 280 000 Zug-Kilometer einsparen können. Insgesamt beziffert das Unternehmen seine jährliche Leistung im Ruhr-Sieg-Netz auf 3,7 Millionen Kilometer. Bis Dezember 2019 wird die Privatbahn vorerst die Strecken befahren. Nicht nur die an dem europaweiten Ausschreibungsverfahren beteiligten Aufgabenträger, Zweckverband Westfalen-Süd, Zweckverband Ruhr-Lippe und Verkehrsverbund Rhein-Ruhr, begrüßen die Öffnung des Marktes im Nahverkehr. „Konkurrenz belebt das Geschäft”, sagt auch Hartmut Buyken, stellvertretender Bundesvorsitzender des Fahrgastverbandes Pro-Bahn. Der Fahrgastverband habe mit privaten Bahnanbieter überwiegend positive Erfahrungen gemacht. Lokales Handeln und Pünktlichkeit sowie saubere, komfortable Züge zeichneten die Privatbahnen aus, so Buyken. Vor allem das leidliche Thema der defekten Fahrkartenautomaten sei kein Problem mehr, da die Scheine im Zug erworben werden könnten. Für die Fahrgäste wird es mit dem Wechsel des Bahnanbieters zu keinen großen Änderungen kommen, das Netz bleibe an sich bestehen, so der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr. Kürzungsmaßnahmen innerhalb des gesamten VRR-Streckennetzes begründen sich unabhängig von Abellio in der Kürzung der Regionalisierungsmittel seitens der Bunderegierung. So wird beispielsweise die RB 91 künftig sonntags nicht mehr fahren. Stattdessen können die Fahrgäste den parallel verkehrenden RE 16 nutzen. Ausgedünnt auf einen 60-Minuten-Takt an Samstagen wird die RB 59 zwischen Dortmund und Soest. Außerdem wird ein Zugpaar montags bis freitgas wegfallen. „Wir müssen sparen, waren bei unseren Entscheidungen aber bemüht, die Kürzungen möglichst gerecht auf das gesamte Streckennetz umzulegen”, sagt VRR-Sprecherin Sabine Tkatzik.

0mitdiskutieren