Bandido-Party - eine bombastische Inszenierung
15.11.2009 | 18:03 Uhr 2009-11-15T18:03:00+0100
Schwerte. Die konzertierte Konfrontation ist grün-schwarz, die Inszenierung bombastisch. Mehrere Hundertschaften der Polizei kontrollieren 1400 Rocker, die am Samstag zur 10-jährigen Jubiläumsfeier der Bandidos nach Schwerte in die Reichshofstraße kommen.
„Kino, ganz großes Kino”, murmelt ein Nachbar, der den uniformierten Auftrieb vor seiner Haustür mit ungläubigem Staunen verfolgt.
Hier die Ordnungshüter in schmucklosem Grün. Sie haben zwei Kontrollstellen in der Reichshofstraße aufgebaut. Jeder, der zur Party möchte, muss seinen Ausweis abgeben. Name, Adresse und Geburtsdatum werden registriert. „So wissen wir”, meint Polizeisprecher Udo Potthoff von der zentralen Koordinierungsstelle „Rocker” aus Münster, „wer Gast dieser Party ist.” Ganz nebenbei entsteht ein polizeiliches Vereinsregister der Rocker-Gang. Ein Polizeihubschrauber beobachtet die Szenerie aus luftiger Höhe.
Leibesvisitationen
Die Bandidos in Schwarz-Orange sind auf dem Boden geblieben und friedlich. Geduldig stellen sie sich in die Warteschlangen an den Straßensperren, geben ihre Ausweise ab, unterziehen sich Mann für Mann einer Leibesvisitation. Jeder wird nach Waffen und gefährlichen Gegenständen durchsucht. Die Polizei will kein Risiko eingehen. Erst am Freitagabend hatte ein Einsatzkommando die Clubräume der Bandidos und einige Wohnungen in einem Mehrfamilienhaus in Essen auf den Kopf gestellt. „Dabei wurden zwei Pistolen, ein Gewehr, eine Machete, eine Keule, ein Bajonett, sieben Schlagstöcke und eine Axt gefunden”, teilt der Pressesprecher mit. Im Obergeschoss hätten 24 Pflastersteine gelegen.
Keine Waffen
Doch in Schwerte ist alles friedlich. Die Polizei findet keine Waffen. Das objektive Geschehen deckt sich mit den subjektiven Eindrücken von Wolfgang Schulte aus Hagen-Boele. „Ich habe in der WESTFALENPOST von der Jubiläumsfeier der Bandidos gelesen”, berichtet der 70-Jährige, der selbst einmal Motorrad gefahren ist, „da habe ich mir gesagt, da gehst du auch mal hin, einfach ein bisschen gucken.” Gesagt, getan. Akribisch hat Schulte das Party-Gelände unter die Lupe genommen. Sein Urteil: „Ich habe alles korrekt vorgefunden. Die Menschen sind freundlich.” Trotzdem befürwortet er die außergewöhnliche Polizei-Präsenz: „Das ist gut so. Da gibt es keine Eskalation. Die Anwesenheit der Polizei sorgt für Respekt.”
Dienst seit dem frühen Morgen
Das sieht auch Sprecher Udo Potthoff so: „Es wird eine ruhige Jubiläumsfeier. Alle Gäste werden lückenlos kontrolliert.” Und damit niemand gefährliche Gegenstände mit ins Feten-Zelt nehmen kann, schieben die Polizisten in Hundertschaften seit den frühen Morgenstunden Schichtdienst. Sie bauen Straßensperren auf und haben das Geschehen im Blick.
Mittlerweile ist es 18 Uhr geworden. Gleißendes Scheinwerferlicht leuchtet die Reichshofstraße vor dem Bandido-Gelände aus. Immer mehr Rocker reisen an - aus Schweden, Dänemark, Frankreich, Italien und aus ganz Deutschland. Der langhaarige junge Mann und sein Freund mit der Glatze sind aus Landshut gekommen. In breitem Bayrisch berichtet er seinen Kumpeln vor dem Tor: „Mir san mit'm Auto do.” Kaum ein Rocker ist mit seiner „Maschine” nach Schwerte geknattert. Fast alle wählten Auto, Bus oder Bahn. Warum bleibt das Motorrad daheim? „Guck dir das Wetter an. Die Saison ist vorüber.”
Bier für Bandidos, Knackwurst für Polizisten
Inzwischen ist bei der Polizei die dritte Schicht angetreten. Es ist 23 Uhr, und der Regen prasselt kübelweise aus dem schwarzen Nachthimmel. Während auf der einen Seite die Bandidos im überfüllten Party-Zelt mit Spannung auf den Table-Dance warten, wärmen sich Bereitschaftspolizisten in der provisorisch eingerichteten Kantine in der nahen Schule auf. Bei den Bandidos fließt das Bier in Strömen. Bei den Polizisten ist die heiße Knackwurst der Bringer.
Gegen 4 Uhr löst sich die Jubiläumsfeier in der Reichshofstraße langsam auf. Alles ist friedlich geblieben. Wie bei den Hells Angels, die zeitgleich mit 800 Mitgliedern in Frankfurt feiern. In der Reichshofstraße beginnt um 8 Uhr das Groß-Reine-Machen. „Mit starken Kräften machen die Bandidos klar Schiff”, berichtet Polizeisprecher Alfons Probst. Seine Kolleginnen und Kollegen haben sich fast komplett zurückgezogen. Doch die Polizei gibt keine Entwarnung: „Wir werden die Clubheime der Rocker in NRW auch weiter beobachten.”

16:36
Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.
13:31
Sicherheit der Bürger
Ich bin froh, dass die Polizei dieses Pack (gleichwohl ob Rocker der Hells Angels, Bandidos oder andere Strassengangster) das uns anständige Bürger hier in Essen in Angst und Schrecken versetzt stärker kontrolliert und beobachtet. So wird langsam das Gefühl von Sicherheit wieder gestärkt.
23:28
Wenn ich böse wäre, würde ich behaupten, dass die MC´s in den Bereichen für Sicherheit sorgen, in denen Vatta Staat über lange Jahre rechtsfreie Räume wachsen lassen hat..
Kaum eine Stadt im Pott, in der es keine no go areas gibt, die man Einheimischer besser meidet, weil Rechtsordnung und sämtliche Grenzen ausser Kraft sind.
22:27
@44, @45
vergl.#30...
21:55
Dieses subjektive Empfinden von Sicherheit an Orten, wo Rocker in der Nähe sind, haben auch Normalbürger, die nie was von Support your local MC gehört haben.
Es reicht festzustellen, das Strassenkriminalität von verwirrten und gelangweiligten Kids, egal welcher Nationalität, nicht mehr stattfindet.
21:38
Ich lebe nun schon seit etwa einem Jahr in der Nachbarschaft des Bandidos-Clubheims in Schwerte-Westhofen und habe die Entwicklung dort beobachtet. Nicht erst seit letztem Samstag feiern die Mitglieder des Motorradclubs dort, sondern regelmäßig jeden Monat – von der Polizei unbehelligt. Wozu auch?
Die Bandidos haben sich bisher in diesem kleinen Ort vorbildlich verhalten – keine Ruhestörung, keine Sachbeschädigung, keine Belästigungen der Anwohner und erst recht kein exzessiver Alkoholmißbrauch.
Genau deswegen bin ich der Einladung der Bandidos auch Samstag gefolgt, um einmal einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Mein Eindruck war, daß es auf jeder Ü30-Party und auf jedem Sauerländer Schützenfest mehr Gewaltbereitschaft gibt – um genau zu sein, es gab gar keine Gewalt, kein böses Wort und kein „rüpelhaftes Verhalten“. Einzig etwas klischeehaft zeigte sich eine „Oben ohne“-Bedienung in einem Partyzelt. Viele Clubmitglieder haben gar auf Alkoholkonsum verzichtet.
Bereits Sonntag um die Mittagszeit war das Partygelände wieder so aufgeräumt, daß man meinen konnte, es habe dort überhaupt keine Party solchen Ausmaßes stattgefunden – dies war auch bei allen Veranstaltungen der Bandidos bisher so – man verhält sich völlig unauffällig. Zumindest ich habe keineswegs etwas dagegen, daß die Bandidos in Westhofen ihre Clubheimat gefunden haben. Ich habe sogar den Eindruck, daß unser Nachbarort dadurch sicherer geworden ist.
Ich würde mir wünschen, daß die Polizei des Nachts mal mit solcher Präsenz (sogar mit Maschinenpistolen!) um den Dortmunder Hauptbahnhof und die Nordstadt aktiv wäre – das wäre ein sinnvoller Beitrag zu der als so unbezahlbar erkannten Sicherheit der Bürger. Und was das sogenannte „Waffenarsenal“ angeht, das man sichergestellt hat: durchsuchen Sie heute mal eine Schule und vergleichen Sie. Ich bin gespannt auf das Ergebnis.
19:06
Die Polizei sollte lieber kriminelle Migranten überprüfen damit sie ausgewiesen werden können. Die sind schlimmer für unser Land als ein paar Rocker Club`s.
15:04
Das letzte zu dem anscheinend friedlicen Treffen der Bandidos, ist der Kommentar von Herrn Klümper auf der Titelseite der WAZ.
Hier wird das Treffen dazu benutzt Stammtischparolen und Horrorszenarien mit den Forderungen nach absoluter Kontrolle zu vermischen.
Was befähigt Hilfspolizisten das Gewltmonopol des Staates auszuüben?
Im Zusammenhang mit dem Artikel CDU will Hilfspolzisten erhält der Kommentar Der Bürger will Sichererheit ein übles Partei Gescmäckle.
Von einer Zeitung mit Anspruch kann man auch in Wahlkampfzeiten ein ausgewogeneren Kommentar erwarten.
14:55
Was wäre passiert wenn es innerhalb des Festbereiches eine kleine Pressekonferenz gegeben hätte?
Nichts, außer man hätte sich angenähert und es wären bestimmt Bilder von fröhlich feiernden Bandidos mit Anwohnern entstanden.
Mit einem Schild vor der Tür „ keine Presse“ und massiven Drohungen gegenüber Journalisten kann doch wirklich keiner an eine positive Berichterstattung glauben.
Die Presseleute vor Ort sind die letzten in der Kette die Berichte verfassen. Was sollen die Ihren Redakteuren melden, ich habe ein paar Bilder und Androhung von Gewalt machen können aber ansonsten sind die Bandidos eigentlich ganz nett?
Zum Thema Persönlichkeitsrecht und Pressefreiheit noch ein Wort.
1.) Ohne die bestehende freie Presse und deren Berichte wäre das allgemeine Persönlichkeitsrecht in diesem Land nicht so wie es jetzt ist.
2.) Auch der einzelne Pressevertreter hat ein allgemeines Persönlichkeitsrecht, u.a. in der Ausübung seines Berufes. Da kommt das immer gut, für sich Rechte zu fordern und anderen nicht zu zugestehen.
3.)Das Persönlichkeitsrecht (was ein Schreiber in einem Beitrag hier einfordert) ist als solches ist in Deutschland nicht ausdrücklich geregelt.
14:40
@30
Das alte Argument von den ach sofriedfertigen- weil nicht auffälligen- Rockern ist totaler Käse. Natürlich werden sie keine alte Frau um ihre Handtasche bringen, aber das machen die cosa nostra und die chinesische Zigarettenmafia schließlich auch nicht.