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Streik bei Kaufhof, Karstadt, Hertie und Ikea

Arbeitskampf zwischen Engeln, Nikolaus und Lametta

07.12.2007 | 17:43 Uhr

Es ist ein Tabubruch: Erstmals findet ein Arbeitskampf im Einzelhandel ausgerechnet in der Vorweihnachtszeit statt. 2600 Beschäftigte folgten dem Aufruf der Dienstleistungsgewerskschaft Verdi und demonstrierten in Köln für mehr Geld und Mindestlohn.

Ein Tabu ist gebrochen. Erstmals wird ein Tarifkampf im Einzelhandel mitten im Weihnachtsgeschäft ausgetragen. 2600 Angestellte demonstrieren in Köln, bundesweit sind 11 000 im Ausstand. Doch vom Arbeitskampf zwischen Nikolaus, Weihnachtsmann und Rauschegoldengel in 100 Geschäften, Kaufhäusern und Möbelhäusern ist in unserer Region so gut wie nichts zu spüren. „Streik? Welcher Streik? Ist doch alles völlig normal”, entrüstet schaut sich Hausfrau Martina Wendler in der Fußgängerzone um. „Von Streik habe ich nichts gemerkt.” Da ist sie nicht die einzige am ersten Tag der Arbeitsniederlegungen im Einzelhandel. Betroffen sind Karstadt, Kaufhof, Hertie und Ikea. Es ist nicht der erste Streik in diesem Tarifkonflikt, aber das erste Mal, dass die Gewerkschaft in der umsatzstärksten Zeit des Jahres ihre Mitglieder zu Arbeitsniederlegungen aufruft. „Es war die unnachgiebige Haltung der Arbeitgeber, die uns zu diesem Schritt gebracht hat”, beschreibt Jörg Verstegen von der Gewerkschaft Verdi den Grund für die Ausnahme. „Wir haben den Eindruck, dass die Arbeitgeber den Einstieg in den Ausstieg bei den Zuschlägen durchsetzen wollen. Die Arbeit soll billiger gemacht werden, um den Mehraufwand für längere Öffnungszeiten auszugleichen.” Zuschläge gibt es zum regulären Gehalt (siehe Hintergrund) ab 18.30 Uhr und samstags ab 15 Uhr. Der Einzelhandel ist bereit, Zuschläge zu zahlen - künftig aber erst ab 20 Uhr. Darüber hinaus geht es natürlich ums Geld: 4,5 Prozent mehr verlangt Verdi für die Beschäftigten im Einzelhandel, 1500 Euro brutto Mindestlohn für eine Vollzeitstelle und Mindestbesetzung in Filialen. Die Arbeitgeber bieten 1,7 Prozent. „Wir wollen den Arbeitgebern ein Signal geben: Überlegt es Euch und kommt an den Verhandlungstisch zurück”, sagt Verdi-Sprecher Jörg Verstegen. „Wir machen auf jeden Fall weiter.” Und zwar unter dem sinnigen Motto „Weihnachten steht vor der Tür - wir auch”.

Ulrich FRISKE

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