Air-Berlin-Warteschleife einmal rund um die Uhr
15.02.2010 | 18:28 Uhr 2010-02-15T18:28:00+0100
Dortmund. Sie waren auf der Flucht vor ihm. Sie wollten nur noch weg, waren reif für die Insel. Air Berlin sollte sie dorthin fliegen. Doch dann ließ er sie nicht ziehen, der Winter.
Willkommen in der Warteschleife: 168 Passagiere hatten sich auf ihrer Flucht in die Sonne am Samstag am Dortmunder Flughafen versammelt. Um 13.45 Uhr sollte es losgehen. Teneriffa hatten die Wetterflüchtlinge als Refugium gebucht. Dort landeten sie dann auch. Allerdings einen Tag später als geplant.
„Aufgrund technischer Probleme verzögert sich der Start des Air-Berlin-Fluges nach Teneriffa.” So oder so ähnlich muss sie Schwung genommen haben, die Flut von Lautsprecherdurchsagen, die über die Kanaren-Touristen in spe hereinbrechen sollte. Denn was wie Airport-Alltag klang, war es nicht. Die gecharterte Maschine hatte Teneriffa wegen eines Defekts nämlich gar nicht erst verlassen. Air Berlin bemühte sich um Ersatz und wurde fündig, in Dresden. Doch nicht nur ein taugliches Flugzeug galt es aus dem Hut zu zaubern, sondern auch einen tauglichen Piloten. „Wir konnten nicht jeden X-beliebigen einsetzen. Die kurze Start- und Landebahn in Dortmund erfordert eine Zusatzausbildung”, erläutert Air-Berlin-Sprecherin Alexandra Müller.
Und da noch kein Meister vom Himmel gefallen ist, zogen etliche Stunden ins Land, bis der passende Mann die passende Maschine tatsächlich in Dortmund gelandet hatte. 20.36 Uhr zeigten die Airport-Uhren in diesem Moment. Eigentlich wollten sich die Urlauber um diese Zeit längst mit kanarischen Köstlichkeiten verwöhnen lassen. Stattdessen hatte Air Berlin Gutscheine serviert. 18 Euro drückte die Airline jedem Passagier in die Hand. All das hätten die Wartenden wohl verziehen, wäre es nur endlich gen Himmel gegangen.
Ging es aber nicht. Denn was die Flüchtigen insgeheim wohl längst befürchteten, das vollstreckte der Winter mit einer gehörigen Portion Schnee. Der Pilot sagte den Start ab, die gerade erwirkte Sonderstarterlaubnis landete im Papierkorb und die meisten Passagiere im Bus zu einem Dortmunder Hotel. „Das war eine Frage der Sicherheit, und die hat Priorität”, sagt Alexandra Müller. Wen es über Nacht ins eigene Bett zog, der kann die Fahrkosten wohl geltend machen. „Dazu sollten man die Service-Hotline anrufen”, so die Sprecherin. Dort heißt es dann mit hoher Wahrscheinlichkeit „Willkommen in der Warteschleife”. Zum Glück vertreibt Gesang die Zeit: „Immer pünktlich und schnell”, muss man sich da anhören.

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