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Praxisgebühr

Ärzte: Gebühr für jeden Praxisbesuch

12.05.2009 | 19:05 Uhr

Hagen. 5,2 Millionen Bundesbürger besuchen (werk)täglich einen Arzt. Montags einige mehr, an anderen Tagen weniger. Auf 17,7 Arztkontakte kommt so jeder Bürger im Jahr, ermittelte die Krankenkasse GEK zuletzt für 2007. Drei Jahr zuvor, 2004, nach Einführung der Praxisgebühr, waren es 16,4.

Der Ärztefunktionär Leonard Hansen hat für jeden einzelnen Arztbesuch eine Praxisgebühr von 5 bis 10 Euro gefordert und damit Widerspruch hervorgerufen. Gleichwohl wurde auch von anderer Stelle eine Reform der Gebühr angeregt. Foto: ddp

Im internationalen Vergleich sei dies „auffällig hoch”, so die GEK. „Die Hemmschwelle, ärztliche Leistungen in Anspruch zu nehmen, ist immer noch niedrig”, sagt Leonhard Hansen.

Das soll sich ändern.

Hansen forderte in der Rheinischen Post für jeden einzelnen Arztbesuch 5 bis 10 Euro Gebühr. „Selbstverständlich” solle es Obergrenzen und Ausnahmen für chronisch Kranke geben; wie bisher, schob der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein gestern nach, sollten auch Bedürftige und Kinder von der Gebühr befreit bleiben. Mit seinem Vorschlag wolle er nicht Patienten überfordern, sondern „das System vor Überforderungen” schützen, um es „als solidarisches Sachleistungssystem zu erhalten”.

Darin zumindest dürfte sich Hansen der Unterstützung etwa der AOK Westfalen-Lippe sicher sein. Die erinnert daran, dass die gesetzliche Krankenversicherung einst paritätisch - von Arbeitnehmern und Arbeitgebern gleichermaßen - finanziert worden sei. Sonderbeitrag und Zuzahlungen hätten die Parität bereits ausgehöhlt. „Wenn man sich nun über weitere Zuzahlungen Gedanken macht, wäre das die Aufgabe der Parität”, sagt AOK-Sprecher Karl-Josef Steden; dies sei eine „gefährliche Entwicklung”, warnte er gegenüber dieser Zeitung.

Auch die SPD lehnte den Hansen-Vorstoß ab: „Wir halten von solchen Vorschlägen nichts und werden sie auch nicht aufgreifen”, sagte Carola Reimann. Das Bundesgesundheitsministerium erklärte, das Thema Praxisgebühr sei „ausgereizt”: „Es wird keine höhere Praxisgebühr geben”, legte sich Sprecher Klaus Vater fest.

Union hält sich bedeckt

Vielleicht aber steht dem Ministerium nach der Wahl nicht mehr eine SPD-Frau (Ulla Schmidt), sondern eine von der CDU vor (Ursula von der Leyen?). Die Union hielt sich Dienstag bedeckt. Termine, Gespräche, Sitzungen hielten diverse Gesundheitsexperten von einer Stellungnahme zur Praxisgebühr ab.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung sprang ihrem Regionalchef Hansen bei. Es gebe in der gesetzlichen Krankenversicherung ein „unendliches Leistungsversprechen”, dem nur sehr begrenzte Mittel entgegenstünden, klagte KBV-Sprecher Roland Stahl. Momentan übe die Gebühr keine „Steuerungsfunktion” aus. Um wieviel die Beträge dann tatsächlich erhöht würden, sei eine andere Frage.

Von Lorenz Redicker

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Kommentare
22.10.2009
20:50
Blockierter Kommentar.
von Thomas.Lau | #9

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

19.06.2009
13:02
Ärzte: Gebühr für jeden Praxisbesuch
von wassolldas | #8

Die Ärztevertreter sind im Fordern ja immer schon recht kreativ gewesen. Wenn Herr Hansen für jeden einzelnen Arztbesuch 5 bis 10 Euro Gebühr fordert könnte der Patient ja auch mal Forderungen an die Ärzte stellen.
Wie wäre es mit einer erfolgsabhängigen Bezahlung.
Wie wäre es mit einer Behandlung ohne lange Wartezeiten d.h. bei Zeitüberschreitung ist ein Schadensausgleich fällig.
Kling alles etwas unmenschlich oder?
Die Ärztevertreten sollen sich mal an ihren Eid erinnern und das tun wozu sie da sind nämlich Menschen zu helfen und nicht auszubeuten.

18.05.2009
14:46
Ärzte: Gebühr für jeden Praxisbesuch
von Gerda | #7

Hallo Fr. Böhm,

Sie sprechen mir aus der Seele!
Und Ihren Aufruf kann ich nur unterstützen: Leute wehrt euch endlich. Nur wer Widerstand leistet kann etwas verändern.
Aber wahrscheinlich geht der deutsche Michel erst auf die Straße wenn ein Tempolimit eingeführt werden soll.

18.05.2009
13:28
Ärzte: Gebühr für jeden Praxisbesuch
von computerprinzessin | #6

Um diese Schwachsinnsidee umzusetzen, müsste jeder Arzt eine Kassiererin einstellen. Wer bezahlt die? Der Arzt! Pfui Teufel, Herr Hansen!!!

17.05.2009
19:00
Ärzte: Gebühr für jeden Praxisbesuch
von Meike Henseler | #5

Frau Böhm,

wie kann ich Sie unterstützen. Ihrem Beitrag ist nichts hinzuzufügen.

17.05.2009
12:25
Ärzte: Gebühr für jeden Praxisbesuch
von toro | #4

Kann man gegen Herrn Hansen rechtlich vorgehen?

13.05.2009
17:48
Ärzte: Gebühr für jeden Praxisbesuch
von WILHELM DER XVII | #3

DIE MILLIONEN € KÖNNTEN VIELEN CHRONISCH KRANKEN ZUGUTE KOMMEN

13.05.2009
17:47
Ärzte: Gebühr für jeden Praxisbesuch
von WILHELM DER XVII | #2

DIE STAATLICHEN BEHÖRDEN SOLLTEN MAL DIE GEHÄLTER DER KRANKENKASSEN VORSTÄNDE ÜBERPRÜFEN..................ICH GLAUBE DIE SIND MEHR ALS ÜBERBEZAHLT..................DA KÖNNTEN MILLIONEN € GESPART WERDEN !!!!!!!!!!!

12.05.2009
21:05
Ärzte: Gebühr für jeden Praxisbesuch
von Anett Böhm | #1

Sehr geehrte Damen und Herren,
mit Schrecken las ich soeben den Artikel über die Pläne des KV Chef Nordhrein Westphalens, Herrn Leonhard Hansen, künftig pro Arztbesuch Gebühren zu verlangen. Als Arzhelferin in einer Frauenarztpraxis kann ich nur sagen, es wäre absolut unverantwortlich, so einen Beitrag einzuführen. Seit der Einführung der Praxisgebühr wurden die Praxismitarbeiterinnen aller Arztpraxen von heute auf morgen dazu bestimmt, die Praxisgebühren für die Krankenkassen einzutreiben. Wir alle bekommen diese Arbeit, welche - will man sie ordentlich erledigen - aufwendig ist, von niemandem vergütet und stehen noch für eventuell in der Hektik entstandene Differenzen gerade. Kein Praxischef kann es sich leisten, die Mehrarbeit, die dadurch entsteht, zusätzlich zu vergüten und die Krankenkassen zahlen uns auch nichts dafür, dass wir ihre Arbeit machen. Der Arzt hat keinerlei Vorteil davon, denn die eingenommenen Gebühren werden ihm ohne eine Gutschrift für die dafür notwendige Verwaltungsarbeit vom sowieso immer weniger werdenden Honorar bei steigenden Qualitätsanforderungen abgezogen. Die neuerlichen Pläne würden für noch mehr Praxispleiten sorgen, tausende Arzthelferinnen würden auf Strasse stehen und für die Versorgung unserer Patienten hätten solche Pläne unabsehbare Folgen.
Es gibt genug Menschen in diesem Land, welche schon die 10,-Euro Praxisgebühr im Quartal und die zahlreichen anderen versteckten Zuzahlungen, wie Rezeptgebühr, Medikament nicht mehr im Leistungskatalog der Krankenkasse enthalten, Zuzahlungen zu Hilfs- und Heilmitteln u.v.a.m. finanziell überfordern und die deshalb auf notwendige Arztbesuche verzichten. Ja es gibt die Chronikerregelung und die Belastungsgrenze für Zuzahlungen, jedoch für jemanden, der z.B. auf Hartz IV Niveau leben muß, für Wenigverdiener, Rentner, alleinstehende Personen oder alleinerziehende Eltern, die keinen Unterhalt vom Expartner bekommen usw., usw., usw. sind selbst 1% oder gar 2 % vom Bruttoeinkommen viel Geld, was woanders einfach fehlt. Als Chef der KV eines Bundeslandes ist Herr Hansen mit Sicherheit privatversichert, oder verdient zumindest so viel, um bequem all die seinen Mitmenschen abverlangten Zusatzbeiträge zahlen zu können. Ich hoffe, in diesem Land wird man in absehbarer Zeit zu der Erkenntnis gelangen, dass es besser wäre, auch die gesetzlich versicherten Patienten würden wie bei den Privatkassen schon lange üblich, pro Patient direkt mit dem Arzt abrechnen, allerdings so, dass die Kasse direkt an den Arzt zahlt, ohne den Umweg der Vorauszahlung durch die Patienten. Dann gäbe es keine KV mehr, die Unsummen an Geldern verbraucht für ihren umfangreichen Verwaltungsstab, bei dem z.B. nur um die einzelnen KV Verwaltungen zu verwalten, wahrscheinlich Millionen notwendig sind.
Herr Hansen und all die Damen und Herren, die in einer ähnlichen Liga spielen wären dann (hoffentlich) von Arbeitslosigkeit betroffen und würden nach 1 Jahr genau wie jeder andere Hartz IV Emfänger nur einen sehr geringen Betrag vom ersparten Geld behalten dürfen (was im Gegensatz zum Normalbürger noch nicht mal sauer erspart sein dürfte). Erst dann würden sie wissen, was es bedeutet, zu entscheiden ob ein Arztbesuch notwendig oder unnötig ist, bzw. ob sie es sich leisten können, zum Arzt zu gehen. Ich wünsche den Ärzten viel Kraft weiter durchzuhalten und für ihre Patienten da zu sein und uns Arzthelferinnen den Mut, den Patienten zu erklären, dass auch wir gegen die stets steigenen Gebühren sind. Den Patientinnen und Patienten möchte ich sagen: Wehrt Euch endlich Leute, wehrt Euch mit uns gemeinsam, nur wenn sich viele wehren, wird man aufhören immer mehr von den kleinen Lichtern zu fordern und nur viele Leute gemeinsam können etwas erreichen!

Anett Böhm

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